Radsport

Training in der Einsamkeit

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Georg Nicolai liegt im Plan auf seinem Weg zur Skoda-Velotour im Rahmen des Profirennens Eschborn–Frankfurt am 1. Mai. Wir begleiten den ehemaligen Landesliga-Fußballer in der Vorbereitung.

Nahezu 1500 Kilometer absolviert, VO2-Wert um zehn Prozent gesteigert und Intervalltraining mit bis zu 270 Watt Dauerleistung in Angriff genommen. Georg Nicolai ist drauf und dran, für den ersten Saisonhöhepunkt bei der Skoda-Velotour im Rahmen den Profirennens Eschborn–Frankfurt am 1. Mai in Form zu kommen. Wir begleiten den Gießener auf seinem Weg aus der Winterpause hin zur individuellen Topform und wollen beispielhaft darstellen, dass auch ein Breitensportler ein quasi semiprofessionelles Leben führen kann.

"Allerdings macht das auch sehr einsam", spielt der 49-Jährige darauf an, dass er seine Ausfahrten nicht in der Gruppe, sondern als Solist in Angriff nimmt. "Ich habe von meinem Trainer Vorgaben, und die will ich auch relativ exakt umsetzen", weiß der heimische Rennradfahrer auch um die Kuriositäten, die dabei im Alltag drohen. "Wenn ich beim Grundlagentraining eine Bergaufpassage in Angriff nehme, dann sollte ich einen bestimmten Wattwert (170) nicht übersteigen, und so kommt es schon einmal vor, dass ich von ›Personen auf einem Drahtesel‹ überholt werde. Dann muss ich ruhig und weiter in meinem Tritt bleiben", denn sonst würde Nicolai den Trainingseffekt riskieren.

Der Fußball mit Spielerstationen bis in die damalige Landesliga beim 1. SC Sachsenhausen war seine große Leidenschaft im Leben vor dem Radsport gewesen, ehe Knorpelschäden im linken und rechten Knie der Jagd nach dem runden Leder ein Ende gesetzt hatten. Auf dem Rennrad hat er nun die Freude am Sport zurückgefunden und ist mit der gleichen Begeisterung und Intensität dabei wie noch vor Jahren als Fußballer.

Nicolai hatte auf dem Weg zum halbjährigen Trainingsaufbau für den Radklassiker in Hessen allerdings gleich zu Beginn herbe Rückschläge einstecken müssen, was sogar in einem Krankenhausaufenthalt mündete. Nun "fühle ich mich immer besser, das Training schlägt an und die Fortschritte lassen sich auch eindeutig in den Statistiken ablesen", weiß der 49-Jährige allerdings auch darum, dass er die Wochen seiner Krankheit nur schwer bis zum ersten Jahreshöhepunkt restlos wird aufholen können. Ein Jan Ullrich war meist in der Lage, Defizite aus dem Winter und Frühjahr noch bis zur Tour de France zu kompensieren. Nicolai als Amateur jedoch, der auch noch seiner beruflichen Tätigkeit am Universitätsklinikum Gießen/Marburg nachkommen muss, hat natürlich mit ungleichen Voraussetzungen zu kämpfen.

Zum aktuellen Stand der Trainingsdinge: Nicolai absolviert derzeit immer noch vermehrtes Grundlagentraining im GA1-Bereich, vornehmlich samstags und sonntags über jeweils vier Stunden. Seit drei Wochen steht auch regelmäßiges Intervalltraining dienstags und donnerstags auf dem Programm. Dabei "fahre ich mich 20 Minuten auf der Rolle warm, dann kommen 30-Sekunden-Einheiten mit bis zu 270 Watt dazu, später absolviere ich drei Einheiten über jeweils zehn Minuten mit bis zu 255 Watt". Der Trainingseffekt lässt sich dabei auch sehr gut daran ablesen, wie schnell "sich die Herzfrequenz nach der Belastung reguliert", wobei Nicolai große Fortschritte gemacht hat. "Hier kommt mir meine Vergangenheit als Fußballer natürlich zugute", verfügt der Gießener im wahrsten Sinne des Wortes über starke Beine. Und froh ist er zudem, "dass ich in den letzten Wochen gesund geblieben bin". Auch ein FTP-Test wird immer wieder zwischendurch eingestreut, wobei Miniintervalle gefahren und zum Schluss 20 Minuten "volle Pulle" in die Pedale getreten werden. Hierbei wird die funktionelle Leistungsschwelle ermittelt – also die maximale Leistung in Watt, die ein Athlet über den Zeitraum von einer Stunde konstant aufrechterhalten kann. Nicolai hat auch die VO2max um zehn Prozent auf 50 gesteigert, was laut Liste einem "ausgezeichneten Wert" (46,4-52,5) für sein Alter entspricht.

Der Radfahrer der RV Gießen-Kleinlinden liegt also im Plan, neben seinen Radeinheiten ergänzen noch wie gehabt Stabilitäts- und Cardiotraining mittwochs und freitags seinen Trainingsumfang. Eine Art Generalprobe auf den 1. Mai ist beim Radmarathon im Spreewald am 28. April vorgesehen. Auf einer Streckenlänge von 200 Kilometern sind im Osten Deutschlands lediglich 450 Höhenmeter zu bewältigen, beste Voraussetzung für ein ausdauerndes und finales Grundlagentraining.

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