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Fünf Trainer in zweieinhalb Jahren – die Fluktuation bei Frauenfußball-Zweitligist FSV Hessen Wetzlar wirft die Frage auf: Was braucht es, um im Frauenfußball Harmonie und Erfolg zu verbinden?

Mit Christopher Heck hat Anfang Januar der fünfte Trainer in den letzten zweieinhalb Jahren seinen Dienst beim Frauenfußball-Zweitligisten FSV Hessen Wetzlar angetreten – diverse Interimslösungen nicht mit eingerechnet. Die Haltbarkeitsdauer auf dem Trainerstuhl vom mittelhessischen Aushängeschild im Frauenfußball ist begrenzt, das musste nun auch Michael Dörr feststellen. Der 54-Jährige, erst im Sommer gekommen, wurde in der Winterpause trotz Platz acht freigestellt.

"Es gab atmosphärische Störungen zwischen Trainer und Mannschaft, die nicht wegzudiskutieren sind", sagt der Sportliche Leiter Tufan Yener. Dörr, der gerne weitergemacht hätte, sagt, dass er mit Teilen der Mannschaft "nicht auf einer Wellenlänge" gewesen sei. Eine Spielerin des Zweitligisten sagt: "Wir hatten komplett unterschiedliche Auffassungen, was Spielweise und Intensität angeht."

Die Gründe für die Abgänge der jeweiligen Übungsleiter (Stefan Hocker, Achim Mohr, André Böttner, Michael Dörr) in letzter Zeit sind verschieden, liegen zuweilen auch im sportlichen Misserfolg. Klar ist aber: Immer wieder müssen männliche Trainer ohne Vorerfahrung feststellen, dass der Frauenfußball eine andere Welt ist.

Auf die Nachfrage zu den Gründen für die "atmosphärischen Störungen" sagt der Sportliche Leiter: "Es ist eine Frauenmannschaft, das muss man einfach so sagen." Um deutlich zu machen, was er aussagen möchte, zitiert er mit einem Schmunzeln Albert Einstein sinngemäß: "Manche Menschen beschäftigen sich ein Leben lang mit Frauen und verstehen es nicht, andere beschäftigen sich mit einfachen Dingen wie der Relativitätstheorie."

Eine FSV-Spielerin jedenfalls räumt ein: "Es ist schwierig, den optimalen Trainer für uns zu finden." Es gebe andere Herausforderungen als im männlichen Fußball. Das sportliche Niveau ist in der zweiten Bundesliga hoch, der finanzielle Lohn dagegen gering. Die A-Lizenz allerdings ist für Übungsleiter Vorausetzung, "wer die hat, verspricht sich ja häufig eher im Männerfußball eine aussichtsreiche Position".

Die FSV-Akteurinnen gehen nahezu alle einer Vollzeitarbeit nach, stehen trotzdem bis zu fünfmal in der Woche auf dem Fußballplatz und fahren am Wochenende für den Sport teilweise bis nach München – großer Einsatz, der viele Frauen an die Grenze der (zeitlichen) Belastung bringt. Wer in dieser Gemengelage nicht das nötige Verständnis und Feingefühl aufbringt, bietet Potenzial für Missverständnisse und droht, das Team zu verlieren. "Bei uns kommt es manchmal mehr darauf an, wie man etwas erklärt und nicht was."

Nicht immer gehen Harmonie und Erfolg einher: Achim Mohr, bei dessen Abschied in der Kabine Tränen geflossen sein sollen, wurde beispielsweise indes entlassen, weil die Vereinsführung den Abstieg in die dritte Liga befürchtete.

Seit dem 8. Januar nun versucht sich der 44-jährige Christopher Heck am Trainerposten in Wetzlar. FSV-Chef Tufan Yener wollte Heck schon vor der Saison verpflichten, "jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Er hat aufgrund unserer Anfrage seinen Vertrag beim 1. FFC Frankfurt aufgelöst". Dort leitete er die U17-Bundesliga-Mannschaft. Heck also kommt bereits aus dem Frauenfußball. Ein Vorteil, der sich auszahlen soll. "Er bringt eine unheimliche Vernetzung im Frauenfußball mit", lobt Yener. "Das war bislang selten." Heck bekommt zunächst einen Vertrag bis zum Sommer, soll aber langfristig in Wetzlar arbeiten.

Der FSV Hessen Wetzlar hat in der bisherigen Saison bewiesen, dass er in der neuen eingleisigen zweiten Liga mithalten kann. Mit drei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz geht man in die Rückrunde. Dreimal kassierte Wetzlar kurz vor Schluss ein Gegentor, was zum Punktverlust führte. Deshalb sagt Yener: "Wir hätten drei, vier Punkte mehr haben können." Der Sportliche Leiter ist sich sicher: "Die Mannschaft hat die Stärke für den Klassenerhalt." Personelle Veränderungen im Kader soll es in der Winterpause nicht geben – die Fluktuation auf dem Trainerposten reicht vorerst aus.

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