Wetzlars Trainer Kai Wandschneider. FOTO: VOGLER
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Wetzlars Trainer Kai Wandschneider. FOTO: VOGLER

Trainer Wandschneider vor 400. Bundesliga-Spiel

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Am Sonntag hat die HSG Wetzlar in der heimischen Rittal-Arena den TVB Stuttgart zu Gast. Eigentlich ein Spiel wie viele andere in dieser "besonderen" Corona-Saison 2020/21. Ein kurzes Hallo mit Schiedsrichtern, Offiziellen, Fernsehleuten und dem gegnerischen Team - dann geht es an die "Arbeit".

An die "Arbeit" bzw. auf die Trainerbank macht sich auch Kai Wandschneider. Der Trainer der HSG Wetzlar wird allerdings die meiste Zeit des Spiels nicht auf, sondern vor der Bank verbringen. Die Arme meist vor der Brust verschränkt, verfolgt der 61-Jährige dann das Treiben auf dem Spielfeld. Absprachen mit Co-Trainer Jasmin Camdzic, Anweisungen an die Spieler, Kommandos über Spielzüge oder Spielerwechsel - alles wird wahrscheinlich wie immer sein an diesem 11. Spieltag der HBL.

Doch für Kai Wandschneider wird es ein besonderes Spiel, denn als Erstligatrainer wird es die Nummer 400 in seiner imposanten Karriere sein. Damit ist der gebürtige Hamburger nach Martin Schwalb von den Rhein-Neckar Löwen unter den aktuellen Trainern der stärksten Liga der Welt der Coach mit den meisten Bundesligaspielen. Die Partie gegen die Schwaben wird zudem sein 285. Bundesligaspiel als Verantwortlicher der HSG Wetzlar - kein anderer aktueller Erstliga-Trainer hat mehr Spiele bei seinem jetzigen Verein.

Wenn die Saison normal zu Ende gespielt wird, wird der Diplom-Sportlehrer auf 427 Bundesligaspiele kommen und sich damit auf Platz sechs der HBL-Bestenliste vorgearbeitet haben. Lediglich Alfred Gislason, Martin Schwalb, Velimir Petkovic, Zvonimir Serdarusic und Michael Roth haben es auf mehr Partien gebracht. Wandschneider ist in der illustren Trainerrunde der Einzige, der nie selbst in der ersten Liga, geschweige denn in der Nationalmannschaft gespielt hat. Darauf angesprochen, verweist der passionierte Radfahrer gerne mit einem Augenzwinkern auf ein Zitat des erfolgreichen italienischen Fußballtrainer Arrigo Sacchi: "Ich habe nicht gewusst, dass man erst ein Pferd gewesen sein muss, um ein guter Jockey zu werden!"

Im Januar 2001 wurde Kai Wandschneider Co-Trainer beim TSV Bayer Dormagen. Sein erstes Spiel an der Seite von Cheftrainer Gudmundur Gudmundsson endete mit einem überraschenden 26:24-Heimsieg des Abstiegskandidaten gegen den THW Kiel. Wandschneider wird im März 2001 nach der Freistellung Gudmundssons Cheftrainer beim TSV. Zwar gelingt ihm die Stabilisierung der Mannschaft, doch Dormagen steigt aus der 1. Bundesliga ab. Der Verein zieht aus wirtschaftlichen Gründen die Mannschaft zurück in die 3. Liga. Mit fünf Spielern des Erstligakaders und einem Haufen Nobodies aus der Region gelingt Dormagen 2002 unter Wandschneider mit 60:0 Punkten der Durchmarsch durch die Regionalliga West und der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Am Ende der Saison 2007/08 kehrt der TSV Bayer mit Kai Wandschneider als Meister der 2. Bundesliga nach sechsjähriger Abwesenheit in die 1. Liga zurück.

In Dormagen gelingt Wandschneider dreimal in Folge der Klassenerhalt. Doch da der Verein nach der Saison 2010/11 in die Insolvenz geht, endet für den Trainer mit der längsten Verweildauer in der Dormagener Handball-Historie das Kapitel TSV Bayer nach elf Jahren.

Ende März 2012 steckte die HSG Wetzlar im Abstiegskampf und verpflichtete Wandschneider. Dieser erfüllte mit Platz 15 die Mission Klassenerhalt und prägte im Anschluss die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte.

2013 und 2017 wurde er von den Managern und Trainerkollegen der HBL zum Trainer des Jahres gekürt. In der Saison 2016/17 erreicht die HSG unter Wandschneider mit Platz sechs bei 41:27 Punkten die beste Platzierung ihrer Bundesligahistorie. KNUT KLEINSORGE

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