Gießen 46ers

Trainer Scholz: »Wir müssen mutig spielen«

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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In der Basketball-Bundesliga erwartet Schlusslicht Gießen 46ers am Samstag um 20.30 Uhr Titelfavorit Bayern München.

(gae). Was wäre das für ein Basketball-Fest in normalen Zeiten: Die großen Bayern kommen! Meist der Höhepunkt jeder Saison für die Gießen 46ers und ihre Fans. Möglicherweise gastieren aber die Münchner, die am Donnerstag in die Playoffs der Euroleague eingezogen sind, am Samstag (Sprungball 20.30 Uhr, live auf MagentaSport) für eine lange Zeit zum letzten Mal in der Osthalle, denn der Abstieg aus der Basketball-Bundesliga rückt für die Gießener Mannschaft von Trainer Rolf Scholz immer näher.

Lage: Bei den Gießen 46ers war der Frust nach der letzten Niederlage groß. Nach einer guten ersten Halbzeit bei den Merlins in Crailsheim brachen sie in Viertel drei komplett ein. In desaströsen zehn Minuten, in denen nichts zusammenlief, legten die »Zauberer« einen 29:9-Lauf hin, der den 46ers alle Siegchancen nahm. Gut, bei einem heißen Playoff-Kandidaten, kann man verlieren. Aber die Art und Weise war beschämend. Die sogenannten Leistungsträger wie Jonathan Stark, Diante Garrett oder Brandon Thomas versteckten sich, nur »Big« John Bryant stemmte sich mit aller Macht gegen die 21. Niederlage im 25. BBL-Spiel der Saison 2021, die das Verweilen auf dem letzten Tabellenplatz nach sich zog. Weiterhin sind es sechs Punkte Rückstand auf den rettenden 16. Rang (bei noch neun ausstehenden Partien), den der MBC einnimmt, der aber zudem noch den Vorteil des direkten Vergleichs gegenüber den 46ers besitzt.

Ist-Stand: Es ist für alle Beteiligten der Gießen 46ers eine sehr schwere Zeit. Die Verantwortlichen um die Geschäftsführer Michael Koch und Stephan Dehler sowie der Aufsichtsrat lassen sich in Bezug auf die Ausrichtung des Klubs in naher Zukunft nicht in die Karten schauen. Personelle Veränderungen auf allen Ebenen wird es aber sicherlich geben. Die Mannschaft scheint der Aufgabe Bundesligaerhalt nicht gewachsen zu sein. Das wird immer offensichtlicher. Das Defensespielen hat sie nicht erfunden, möglicherweise weise fehlt einigen Spielern dazu auch die unbedingte Einstellung. Bei der Zusammenstellung des Teams wurden gravierende Fehler gemacht. Und die Akteure, die man nachverpflichtet hat und die für den positiven Umschwung sorgen sollten, haben im Verbund mit dem Team nicht die Qualität, die man sich erhofft hat. Die Ausnahme bildet Bryant, der zwar körperlich nicht der Fitteste ist, aber immer noch mit Abstand der effektivste Akteur in den Reihen der Gießener.

Gegner: In der Bundesliga bekommt das Topteam von Trainer Andrea Trinchieri die Mehrfachbelastung der strapaziösen Euroleague zu spüren - zuletzt bei der Verlängerungsniederlage in Hamburg. Sie belegen aktuell nur Rang drei mit einer Bilanz von 21 Siegen und fünf Niederlagen. In dieser Woche ist die Partie in Gießen die dritte Begegnung, und somit könnten dem Starensemble von der Isar durchaus hintenheraus ein paar Körner fehlen. Im tief besetzten Kader scoren gleich sieben Spieler durchschnittlich im zweistelligen Bereich. Ob die variablen Center Jalen Reynolds und JaJuan Johnson sowie die Pointguards Wade Baldwin IV und Nick Weiler-Babb als auch die Forwards Vladimir Lucic und Paul Zipser - sie alle bürgen für allerhöchste Basketball-Qualität.

Personelles: Während man bei den im Dauerspielstress stehenden Bayern nicht weiß, wer auflaufen wird, muss bei den Gießenern ein Importspieler aussetzen, falls keiner vorher verletzungs- oder krankheitsbedingt ausfällt. Zuletzt traf es Isaac Hamilton, der darüber überhaupt nicht amüsiert war. Der Forward hat nach Informationen dieser Zeitung aber im letztwöchigen Training mächtig Gas gegeben. So darf man gespannt sein, wen Cheftrainer Scholz auf die Tribüne setzen wird. Durchaus ein Kandidat dafür könnte nach den vergangenen schwachen Leistungen Aufbauspieler Jonathan Stark sein.

Das sagt Trainer Scholz: »Wir haben knüppelhart trainiert. Das gehört auch zur Phase der Saison. Wir haben an unserem Angriff gefeilt. Wir können in Gießen viel über Defense reden - aber wir werden die Charaktere, die Leute und die Talente nicht mehr ändern können. Wir müssen Lösungen im Angriff parat haben und uns vielseitiger machen. Und wir müssen vor allem mutig spielen.«

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