Viggo Kristjansson hat mit dem TVB Stuttgart einen super Start hingelegt. Am Sonntag kommt der Linkshänder mit den Schwaben zum Bundesliga-Auswärtsspiel bei der HSG Wetzlar zurück nach Mittelhessen. FOTO: IMAGO
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Viggo Kristjansson hat mit dem TVB Stuttgart einen super Start hingelegt. Am Sonntag kommt der Linkshänder mit den Schwaben zum Bundesliga-Auswärtsspiel bei der HSG Wetzlar zurück nach Mittelhessen. FOTO: IMAGO

Der Torjäger aus Island

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Der aktuelle Top-Torjäger der Handball-Bundesliga heißt: Viggo Kristjansson! Im Herbst 2019 von der HSG Wetzlar verpflichtet, wechselte der Isländer im Sommer bereits wieder zum TVB Stuttgart und startet bei den Schwaben richtig durch. Am Sonntag kommt der Linkshänder mit einer Trefferquote von 7,6 pro Partie (!) zurück nach Mittelhessen.

Am Sonntag um 16 Uhr ist in der Handball-Bundesliga der TVB Stuttgart bei der HSG Wetzlar zu Gast. Mit an Bord der Gäste ist Viggo Kristjansson, der in der letzten Saison für Joao Ferraz vom SC DHfK Leipzig an die Lahn geholt worden war. Beim kurzen, aber starken Gastspiel im grün-weißen Trikot hat sich der Isländer in die Herzen der HSG-Fans gespielt. Wir haben uns mit dem Ex-Fußballprofi (Breidablik UBK), der auch Junioren-Nationalspieler Islands war, unterhalten, wie er 2020 als Handballer erlebt hat und wie es ihm in Stuttgart geht.

Sie sind in Stuttgart durchgestartet, woran liegt das?

Ja, danke. Ich weiß es nicht. Ich habe letztes Jahr mein erstes Bundesligajahr bestritten, viel Erfahrung gesammelt in Leipzig und Wetzlar und auch in der Nationalmannschaft, mit der ich im Januar mein erstes großes Turnier, die EM, gespielt habe. Ich habe viel gelernt von den Trainern Andre Haber, Kai Wandschneider und Gudmundur Gudmundsson. Für mich war immer klar, egal, wo ich spielen würde, wollte ich im zweiten Jahr eine größere Rolle übernehmen und Stammspieler in meiner Mannschaft werden. Das war immer das Ziel.

Das haben Sie in Stuttgart schnell umgesetzt. Sie sind mit 76 Toren als Führender der Torschützenliste der Handball-Bundesliga unterwegs. Haben Sie sich das so vorgenommen?

Nee, das auf jeden Fall nicht (schmunzelt). Vor der Saison hatte ich schon ein sehr gutes Gefühl, die Vorbereitung ist gut gelaufen und ich hatte gehofft, dass ich viel Spielzeit bekomme und gut spiele. Dass es so gut läuft, daran hätte ich nicht im Traum gedacht - und ich hoffe, dass ich so weiterspielen kann.

Sie werfen in Stuttgart auch die Siebenmeter. Wie kam es dazu?

Na ja, ich habe in den letzten Jahren fast immer die Siebenmeter geschossen. Das habe ich in Österreich und auch davor in Dänemark gemacht, und auch ein paar für Leipzig. In Wetzlar hast du natürlich Max Holst, der kaum einen Siebenmeter verwirft. Da war es für mich unnötig, die Siebenmeter zu übernehmen. Ich schieße gerne die Siebenmeter, und es war in Stuttgart auch mein Ziel, das zu übernehmen.

War das zwischen Ihnen und Trainer Wandschneider nie ein Thema, mal die Siebenmeter zu werfen?

Nein, das war kein Thema. Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen, denn Max Holst macht das seit Jahren überragend gut, er hat eine gute Quote von der Siebenmeterlinie. Ich habe das nur nach dem Training mit Till Klimpke oder Tibor Ivanisevic trainiert.

Wären Sie gerne in Wetzlar geblieben?

Als ich in Wetzlar den Vertrag unterschrieben habe, habe ich gewusst, dass es nur ein Vertrag bis zum Saisonende ist. Fast gleichzeitig habe ich den Vertrag mit Stuttgart unterschrieben. Aber ich muss dazu sagen, wir haben uns unglaublich wohlgefühlt in Wetzlar und beim Verein. Natürlich wären wir gerne geblieben. Aber wir fühlen uns auch hier in Stuttgart sehr wohl und es läuft sehr gut momentan. Wir haben alles richtig gemacht, es lief für mich perfekt.

Wie haben Sie den Abbruch der Saison und den Umzug nach Stuttgart erlebt?

Es war natürlich schade, dass die Saison abgebrochen wurde. Wir haben in Lahnau gewohnt und sind bis Mitte Juni dort geblieben. Das war gut, wir konnten jeden Tag an der Lahn spazieren oder laufen gehen. Wir konnten Krafttraining machen, weil wir die Geräte aus der Halle in Dutenhofen geholt hatten. Das war sehr schön mit der Natur und der Familie. Es war natürlich schade, dass wir kein Handball spielen durften, aber es war eine schöne Zeit mit der Familie. Jetzt wohnen wir ein wenig außerhalb von Stuttgart. Ich brauche 15 Minuten bis zum Training und zehn Minuten zu den Spielen in Stuttgart. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Mein Sohn ist letzte Woche in den Kindergarten gekommen, es läuft richtig gut.

Wann haben Sie die neue Mannschaft das erste Mal kennengelernt?

Das war Mitte Juli nach dem Trainingslager in Österreich. Dahin konnte ich nicht mitfahren, weil ich leider krank gewesen bin. Es war sehr einfach, in die Mannschaft reinzukommen. Ich kenne das ja auch schon sehr gut und habe darin Routine (schmunzelt). In den letzten Jahren bin ich öfter mal in eine Mannschaft reingekommen und war der Neue im Team. Deshalb war das für mich kein Thema und sehr einfach.

Hat Ihre Frau überhaupt noch Lust umzuziehen?

Ich würde sagen, wir sind Experten im Umzug geworden. Das machen wir sehr gut. Natürlich macht das keinen Spaß, aber es gehört dazu.

Jetzt stehen Sie mit Stuttgart momentan auf dem vierten Platz. Was sagen Sie zur Entwicklung der Mannschaft?

Ich finde, wir sind gut eingespielt. Wir haben mit Jogi Bitter vielleicht den besten Torhüter in der Liga. Wir spielen eine aggressive und harte Abwehr. Im Angriff haben wir unterschiedliche Spielertypen. Wir haben kleine, schnelle Spieler und auch große, starke Schützen. Es überrascht mich und wahrscheinlich viele, die man vor der Saison gefragt hätte, dass wir so weit oben stehen. Wenn ich aber sehe, wie wir spielen, überrascht es mich nicht. Und selbst wenn wir mal nicht so gut spielen, haben wir hinten Jogi Bitter.

Sie haben sogar in Magdeburg mit einem Tor gewonnen.

An dem Tag ist vieles für uns gelaufen. Wir haben eine perfekte erste Halbzeit gespielt, in der zweiten hatten wir viel Druck, weil an dem Tag auch 2000 Zuschauer in die Halle durften. Das war so ein Tag an dem für Magdeburg nicht viel gelaufen ist, sondern für uns. Dann kann man ab und zu auch auswärts überraschen.

Jetzt geht es zurück nach Wetzlar, aber leider ohne Publikum, von dem Sie sich nicht verabschieden konnten.

Ich freue mich auf jeden Fall gegen die alten Kollegen und Kai zu spielen. Er ist einer der besten Trainer in der Liga. Natürlich hätte ich lieber mit Publikum gespielt, es ist immer eine tolle Atmosphäre in der Arena. Beide Mannschaften wollen gewinnen. Ich hoffe natürlich, dass wir die zwei Punkte mitnehmen können.

Wie war das Verhältnis zu Kai Wandschneider in der Zeit in Wetzlar?

Das war super. Ich wurde vom ersten Tag sehr gut aufgenommen. Ich habe viel von ihm gelernt, vor allem meine Entwicklung in der Abwehr habe ich ihm zu verdanken. Wir haben uns schon ein paarmal geschrieben und haben uns im Juni vor unserem Umzug getroffen. Ich freue mich immer, wenn ich ihn treffe. Er ist ein toller Mensch und Trainer.

Wie lautet Ihr Tipp für Sonntag?

Es wird ein enges Spiel, ich tippe auf ein 28:26 für uns.

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