Topspiel

Vor Topspiel: Wenn der Vater Bayern- und der Sohn Dortmund-Fan ist

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In der Wiesecker Familie Görke herrscht am Samstag große Uneinigkeit darüber, wer das Topspiel der Fußball-Bundesliga gewinnen soll. Der Familienfrieden soll aber nicht in Gefahr sein.

Ralf Görke sitzt in seinem Wohnzimmer in Wieseck, im Eckregal steht eine Keksdose mit einem Logo des FC Bayern München. "Dass mein Sohn kein Bayern-Fan ist, hat mich am Anfang gestört. Ich fand das einfach nicht gut", sagt der heute 53-Jährige über seinen Filius Mathis. "Mittlerweile denke ich mir: Jeder muss das selbst entscheiden. Ist halt sein Problem, dass er nicht Meister wird."

Wer in dieser Bundesliga-Saison deutscher Meister wird, das entscheidet sich zumindest zu einem kleinen Teil am heutigen Samstag im Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund (18.30 Uhr). Während Ralf Görke auf den siebten Titel in Serie hofft, drückt Sohn Mathis dem BVB seit über zehn Jahren die Daumen. Wird das Vater-Sohn-Verhältnis in Wieseck an diesem Wochenende auf die Probe gestellt?

Nein, sagt Ralf Görke. "Wir ordnen dem Fußball nicht alles unter. Aber wir schauen gerne am Samstag zusammen die Konferenz. Hier und da wird geflucht, das gehört dazu und das muss man abkönnen." Seit dem Auszug des 22-jährigen Mathis vor einigen Monaten in eine eigene Wohnung in die Marburger Straße hat der FC Bayern im Hause Görke aber wieder die Oberhand gewonnen. "Wenn vor Spielen der Dortmund-Schal im Wohnzimmer hing, das ging gar nicht. Der musste weg. Ich meine, es ist immer noch das Haus von meiner Frau und mir, deshalb finden sich hier auch einige Bayern-Utensilien."

Was Uli Hoeneß mit dem FC Bayern aufgebaut hat, das sucht seines Gleichen

Ralf Görke

Der Wiesecker, der für die Alten Herren der TSG spielt, entdeckte seine Liebe für die Münchner 1974. "Franz Beckenbauer hat mich begeistert, seit ich acht Jahre alt bin, halte ich es mit dem FC Bayern." Der heute 53-Jährige hat also den Aufstieg der Münchner zum Branchenprimus kontinuierlich miterlebt. Im Zeitraum von 1975 bis 1985 wurde der FC Bayern "nur" dreimal deutscher Meister. Zuletzt nun sechsmal in Folge. Die Dominanz hat massiv zugenommen. "Über Uli Hoeneß kann man nach seiner Gefängnisstrafe sagen, was man möchte. Aber was er mit dem FC Bayern aufgebaut hat, das sucht seines Gleichen."

Sohn Mathis verfiel Schwarz-Gelb im Alter von zwölf Jahren, als er im Rahmen eines Familienfestes in Nordrhein-Westfalen im Dortmunder Fußballtempel vorbeischauen konnte: "Der BVB, das Stadion, die gesamte Atmosphäre, das hat mich einfach begeistert. Ab da war es quasi geschehen: Damals waren unter anderem Lucas Barrios und Dede noch aktiv. Das war geil. Seitdem bin ich Dortmund-Fan. Derzeit gehe ich einmal im Jahr auf die Südtribüne." Auch der Vater besuchte, sofern er an Tickets kam, in den letzten Jahren des Öfteren die Münchner Allianz Arena.

Männer sind manchmal seltsam. Aber das passt schon. Dafür lassen sie mich bei anderen Dingen gewähren.

Astrid Görke

Mutter bzw. Frau Astrid hält sich aus dem Vereinskonflikt heraus, schaut aber auch gerne einmal Fußball: "Nur die verrückten Fans schrecken mich gelegentlich ab. Pyrotechnik und solche Dinge gehören nicht ins Stadion und vermiesen mir das Ganze dann auch." Ob sie sich manchmal wundert und fragt, wie Männer so eine Begeisterung für den Fußball aufbringen können? "Männer sind eben manchmal seltsam", sagt sie und ihre beiden Jungs müssen lachen. "Aber sie sind ja nicht die Einzigen, ich sehe es bei Arbeitskollegen ja auch. Das passt schon. Dafür lassen sie mich bei anderen Dingen gewähren."

Der Fußball als verbindendes Element

Ihr Mann Ralf meint: "Hier in Deutschland sind viele Menschen mit dem Fußball groß geworden. Das ist eine Gemeinschaft. Die allermeisten sind auf eine Art und Weise fußballverrückt, sodass man sich mit ihnen unterhalten kann. Zum großen Teil ist der Fußball einfach ein ganz tolles verbindendes Element." Und so ist es auch mit dem Topspiel und der Vater-Sohn-Beziehung: Der Fußball spaltet nicht, sondern bringt die Familienmitglieder eher noch enger zusammen.

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