Tommy Ried muss Torhüter-Laufbahn beenden

"Morbus Kienböck". Hört sich schlimm an – und ist es auch für einen Fußballtorhüter. Denn die Knochennekrose als Folge einer Durchblutungsstörung des Mondbeines, einem der acht Handwurzelknochen, ist der Grund für das Laufbahnende von Tommy Ried. Zwischen die Pfosten des Oberligisten SC Waldgirmes, für den er seit 2008 im Einsatz ist, wird der 23-jährige Gießener jedenfalls nicht mehr zurückkehren.

"Definitiv nicht, das haben mir alle mich bislang behandelnden Ärzte klar zu verstehen gegeben", klärt der Betroffene selbst unmissverständlich auf, "ich kann froh sein, wenn die Funktionsfähigkeit einigermaßen wieder hergestellt wird und ich wieder schmerzfrei bin." Die Handverletzung bedeutet sein Karriere-Aus.

In dieser Woche steht für den Anlagenmechaniker-Azubi im Sanitär- und Heizungsbau noch die Gesellenprüfung an, Anfang Februar erfolgt dann in München-Perlach beim Handspezialisten Dr. Lanz die notwendige Hand-Operation. Die Verantwortlichen des SC Waldgirmes hat Tommy Ried schon vor Wochen über sein Laufbahnende informiert.

Orthopäde Dr. Jürgen Gerlach (Heuchelheim) führt die Probleme bei Tommy Ried auf die jahrelange spezifische (Fehl-)Belastung als Torhüter zurück und erklärt, dass dadurch die "Gefäße geradezu zerrissen, traumatisiert" sind. Das eher als Berufskrankheit von Straßenbauern, die mit Rüttelmaschinen und Presslufthammer arbeiten, bekannte "Morbus Kienböck" zwingt Tommy Ried, seine Torwarthandschuhe auszuziehen und sich künftig als Feldspieler zu versuchen.

Handspezialist Dr. Lanz in München wird versuchen, bei der OP mit Hilfe einer Knochenrekonstruktion aus Hüft- oder Ellenbogen zugleich auch einen neuen Weg zur Durchblutung zu finden. Allerdings bedeutet das nicht, dass der 23-Jährige künftig dann auch seinen Beruf im Sanitär- und Heizungsbau wird ausführen können. "Eine Umschulung ist eher wahrscheinlich", hat sich Ried schon Gedanken über seiner berufliche Zukunft gemacht.

Das Karrierende bei Tommy Ried ist also nicht die Folge eines einzelnen Vorfalles oder einer bestimmten Verletzung, auch wenn er im vergangenen Frühsommer trotz zweier diagnostizierter Haarrisse "und Schmerzen" zunächst weitertrainiert und -gespielt hat. "Irgendwann ging es dann aber nicht mehr", erinnert sich Ried an den 10. September vergangenen Jahres, "nach dem 1:7 bei Rot-Weiß Darmstadt musste etwas passieren". Das war - so wie es derzeit aussieht - nicht nur sein letztes Spiel als Torhüter beim SC Waldgirmes, sondern nach 17 Jahren zwischen den Pfosten des ASV Gießen, des VfB 1900 Gießen und der TSG Wieseck als Fußball-Torsteher überhaupt.

"Das bringt mich nicht um", lässt sich der durch seine demonstrativ positive Körpersprache auffällige 23-Jährige nicht kleinkriegen, "wenn es so ist, muss ich das akzeptieren. Es ist natürlich nicht einfach, aber es gibt bestimmt Schlimmeres im Leben."

Sagt’s und widmet sich wieder der Vorbereitung auf seine Gesellenprüfung am Donnerstag und Freitag dieser Woche und damit auch schon auf den Lebensabschnitt nach seiner Torhüter-Laufbahn. Ralf Waldschmidt

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