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Eine deutliche Botschaft zum Ende einer außergewöhnlichen Saison: Der RSV Lahn-Dill bedankt sich nach der 45:52-Playoff- Finalniederlage um die deutsche Meisterschaft gegen die Thuringa Bulls bei allen Unterstützern.

Tolle Saison für den RSV

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Wer verliert schon gerne ein Spiel um die deutsche Meisterschaft?! Klar, dass die Enttäuschung beim RSV Lahn-Dill im ersten Moment groß war. Doch die ist mittlerweile sicher gewichen. Denn die Rollstuhlbasketballer können mit Stolz auf eine außergewöhnliche Saison zurückblicken.

Crunch-Time im Spiel zwei der Playoff-Finalserie um die deutsche Rollstuhlbasketball-Meisterschaft am Samstagabend in der Wetzlarer Rittal Arena. Für den RSV Lahn-Dill zählt nur ein Sieg. Sonst ist der Traum vom Titel vorbei.

Bis auf 44:47 (36.) kommt die gehörig unter Druck stehende Mannschaft von Trainerin Janet Zeltinger heran, doch der Ball will einfach nicht durch das Netz fallen, tanzt lieber nur am Ringrand herum. Eine Vorahnung macht sich bei den angespannt und mitfiebernden »Managern« Andreas Joneck, Nicolai Zeltinger und Sven Köppe breit, dass es wohl an diesem Abend nicht ganz reichen wird. Ihr Gefühl täuscht sie nicht: Titelverteidiger Thuringia Bulls lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, feiert den 52:45-Sieg und die fünfte deutsche Meisterschaft - die vierte in Serie.

Enttäuschte Gesichter beim RSV, freudige bei den Bulls. »So ist Sport«, sagte Kapitän Thomas Böhme. Er wusste aber ganz genau, dass die Offensiveleistung der Lahn-Diller unbefriedigend war - und letztlich den Ausschlag gab. Cheftrainerin Zeltinger hob die gute Defenseleistung ihrer Mannschaft hervor, vergaß dabei aber nicht, auch die der Thüringer zu loben. Und auch sie kam schließlich zur Schlussfolgerung, dass der Genickbrecher die schwache Wurfausbeute (21 Treffer bei 62 Versuchen) aus dem Feld war. Wobei die von den Bullen auch nicht viel besser war (21 aus 61).

Damit platzte der Traum, sich nach dem sensationellen Gewinn des Champions Cups - die Königsklasse auf europäischer Ebene - an gleicher Stelle auch noch den höchsten deutschen Titel zu sichern. Möglicherweise lag auch ein Grund darin, dass in den Jahren zuvor der europäische Wettbewerb immer den Abschluss einer Saison bedeutete. In dieser Saison war es erstmals umgekehrt. Und wenn man das höchste Ziel bereits erreicht hat, kann es durchaus passieren, dass sich Unkonzentriertheiten im Unterbewusstsein abspielen.

Grämen braucht sich der RSV Lahn-Dill keinesfalls. Die außergewöhn- liche Spielzeit aufgrund der Corona-Pandemie hat er unter dem Strich aus sportlicher Sicht überaus erfolgreich abgeschlossen. Zudem hat das stets ideenreiche Management mit der Rittal Arena eine neue Heimspielstätte gefunden, die sicherlich nicht nur auf nationaler Ebene im Rollstuhlbasketball ihresgleichen sucht. Ein großes Plus ist ferner, dass der deutsche Rolli-Vorzeigeklub seine Geschäftsstelle in der Arena installiert hat.

»Die gesamte Saison war nur dort möglich, wo die Rahmenbedingungen so sind, dass wir unter den Corona-Bedingungen spielen konnten. Das war nur die Rittal Arena. Wir sind extrem glücklich, dass wir in das neue Betreiber-Konstrukt der Rittal Arena so eingebunden sind«, blickte Geschäftsführer Joneck zurück und mit viel Zuversicht nach vorne: »Wir freuen uns natürlich darauf, wenn mal 4000 Leute in der Halle sind.«

Personell stehen für die kommende Saison schon einige Entscheidungen fest. Erfolgstrainerin Janet Zeltinger steht weiterhin unter Vertrag beim RSV - wie die Protagonisten auf dem Feld: Thomas Böhme, Brian Bell, Dominik Mosler und Simon Brown.

»Wir sind mit unseren Low-Point-Spielern - und auch mit allen anderen Spielern zufrieden - sie haben einen Top-Job abgeliefert und sich alle weiterentwickelt«, konstatierte die Cheftrainerin. In Kontakt stehe man mit allen Akteuren. Zeltinger wies in Bezug auf die Kaderzusammensetzung auf die spezielle Problematik der Lineups im Rollstuhlbasketball hin.

Schon lange bekannt ist indes, dass der US-amerikanische Aufbauspieler Steve Serio den RSV verlassen wird. Sein Engagement war von vornherein nur auf eine Saison ausgelegt. »Dementsprechend sind wir auf der Suche nach einem Dreier - einen Ersatz für Steve. Da sind wir mit zwei, drei Kandidaten im Gespräch. Wir versuchen das in den nächsten zwei Wochen zu finalisieren und die personellen Weichen für die Zukunft zu stellen«, erklärte Joneck.

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