Timm Schneider wirft 13 Tore

Die HSG Pohlheim hat mit dem 31:28-Heimerfolg über den SVH Kassel in der Handball-Regionalliga der Männer ihre Chancen auf einen der Qualifikationsplätze für die 3. Liga gewahrt.

Es war wohl eine Mischung aus Frust, Erleichterung und Genugtuung, die Jan Wüst und einige seiner Teamkollegen gegenüber dem über 60 Minuten permanent schreienden, tobenden und kritisierenden, ja beinahe ausflippenden Joachim Botte, Vorsitzender des Fördervereins des SVH Kassel, nach Abpfiff der umkämpften Partie am Samstagabend in Pohlheim herausschrien. Immer wieder haderte Botte mit den Schiedsrichter-Entscheidungen und hatte den Pohlheimern wiederholt wenig objektiv zugerufen, dass sie nichts geleistet hätten. Provokant baute sich deswegen ein Teil der HSG-Spieler nach Ende des Spiels vor dem SVH-Urgestein auf, verwies auf das Ergebnis auf der Anzeigentafel und feierte den knappen, aber verdienten 31:28 (14:13)-Sieg ihrer HSG gegen den Tabellenfünften aus Harleshausen, sodass Botte wutentbrannt auf das Spielfeld stürmte, sich seiner Jacke entledigte und wohl zum Faustkampf geladen hätte, wäre er nicht von einigen Zuschauern zurückgehalten worden.

Dabei war das stets enge Spiel für sich genommen nicht eines der emotional geladensten. Zwar gab es hin und wieder diskussionswürdige Entscheidungen der beiden Unparteiischen Maier/Kilp und auch hier und dort ein gröberes Einsteigen, doch insgesamt war es eine "normal geführte" Regionalligapartie, sodass es eigentlich nur wenig Anlass gab, so zu toben wie Joachim Botte.

Sicherlich spielte auch die Gesamtkonstellation bei den Gästen aus Kassel, die im Herbst letzten Jahres ihren Großsponsor MEG verloren hatten, wodurch beim SVH der Ausverkauf eingeläutet wurde, eine Rolle. Leistungsträger wie Alexander Koke oder Matthias Aschenbroich verließen die Mannschaft genauso wie das Isländer-Trio um Gretarsson, Einarsson und Drengsson.

Doch dass man auch ohne die Abhängigkeit von einem Großsponsor eine schlagkräftige Regionalliga-Mannschaft auf die Beine stellen kann, bewies am vergangenen Sonnabend einmal mehr die HSG Pohlheim, die mit ihrem seriösen Wirtschaften und mit Talenten aus der Region dem Tabellenfünften ein Bein stellen konnte. Trotz einiger unnötigen Ballverluste führten die Schützlinge von Trainer Horst-Günter Schmandt nach sechs Minuten mit 4:2, ehe sich das Team aus Harleshausen besser auf die HSG einstellte und seinerseits mit 6:5 in Front ging (12.

). "Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht, indem wir viele Bälle einfach weggegeben und Angriffe viel zu schnell abgeschlossen haben", war HSG-Coach Schmandt, der kurzfristig auf Dennis Weisel verzichten musste, trotz der wichtigen zwei Punkte dennoch nicht vollends zufrieden. Die Pohlheimer hatten in der ersten Halbzeit mehrfach die Möglichkeit sich abzusetzen, doch mehr als eine 14:13-Pausenführung sprang nicht heraus, was auch am starken Schlussmann der Gäste, Marco Stange, lag.

Auch in Abschnitt zwei zeichnete sich zunächst eine Partie auf Augenhöhe ab. Die HSG Pohlheim legte im Angriff meist vor, ehe die Gäste ausglichen oder verkürzten. Besonders gegen den niederländischen SVH-Halblinken Roel Adams tat sich die Deckung der Hausherren fast über die gesamte Begegnung sehr schwer.

Nach 51 Minuten brachte der überragende Timm Schneider seine Farben per Siebenmeter mit 27:24 in Führung. Nur wenig später war es wieder Schneider, der nach einer traumhaften Kombination und einem frechen Anspiel von Stefan Lex durch die Beine des Gegenspielers den Ball zum 29:25 (!) in die Maschen beförderte (55.

). Die letzten Minuten brachten die Gastgeber souverän über die Spielzeit, bevor den angestauten Emotionen freien Lauf gelassen wurde.

"Ich bin glücklich und zufrieden, dass die Mannschaft dem Druck heute gewinnen zu müssen Stand gehalten hat. Der Sieg war zwar schwer erkämpft, aber absolut zufrieden. Jetzt wollen wir aus den nächsten zwei Partien mindestens zwei Punkte holen", resümierte Schmandt.

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