Im Teufelskreis gefangen

  • Michael Schüssler
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(mo). Angesichts der aktuell prekären Infektionslage in Deutschland und speziell in Hessen erscheint es von den Fußballern vermessen, danach zu fragen, wann und wie es weitergeht. Dennoch will man auch für die "schönste Nebensache der Welt" eine gewisse Planungssicherheit. Das Problem: Die gibt es nicht.

Vereine und Spieler halten im wahrsten Sinne des Wortes artig die Füße still - stehen aber in engem Kontakt zum Verband. So "trafen" sich jetzt die 20 Vereinsvertreter der Fußball-Hessenliga - darunter FSV Fernwald und SC Waldgirmes - in einer Videoschalte mit Klassenleiter Matthias Bausch (Hintermeilingen) und Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg). Ergebnis der virtuellen Zusammenkunft: Es gibt nicht viel Neues seit der jüngsten Vorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) am 28. November. Eine Entscheidung darüber, wann und wie es weitergeht, kann wohl allerfrühestens im Januar fallen.

In besagter Vorstandssitzung Ende November hatten sich die Verantwortlichen darauf geeinigt, dass es "keinen Modellwechsel" geben wird. Will heißen: Der Modus, in dem die Saison begonnen wurde, wird auch so durchgezogen. Das Spielmodell darf nicht gewechselt werden. Für die aktuelle Saison in den Amateurligen des HFV bedeutet dies: Gestartet wurde im Modell Hin- und Rückrunde. Dabei muss es jetzt auch bleiben.

Das bringt für die Vereine und vor allem die Spielplanmodellierer eine Menge Stress, weil die Zeit davonrennt und die Termine immer weniger werden. Hessenliga-Klassenleiter Matthias Bausch sagte den Vereinen klipp und klar: "Angenommen, wir könnten etwa um den 20. Februar starten, müssten wir drei Wochen Vorlaufzeit für die Vorbereitung einräumen. Anschließend müssten die noch ausstehenden Spiele der Vorrunde ausgetragen werden. Dann aber geht es zunächst chronologisch weiter, wie im Spielplan datiert. Die dann ausgefallenen Partien der Rückrunde würden hinten angehängt."

Jeder kann sich an fünf Fingern abzählen, was das bedeuten würde: englische Wochen wie am Fließband. Theoretisch möglich ist dieses Szenario. Nur: Ist es auch praktisch durchführbar? Der körperlichen Fitness der Spieler jedenfalls, die an die Belastungsgrenze gehen müssten, würde alles abverlangt. Besonders heikel ist die Situation tatsächlich in der Hessenliga, weil sie zum einen 20 Mannschaften umfasst und zum anderen das sensible Bindeglied zwischen der professionellen Regionalliga und den Amateurvereinen darstellt. Bis zu 27 Spiele stehen in der Hessenliga noch aus. Doch muss zumindest die Hessenliga aufgrund der feststehenden unveränderbaren Relegationstermine zur Regionalliga am 12./13. Juni beendet sein. Bausch und Radeck sind im Teufelskreis gefangen.

Im Zweifelsfall müsste mindestens eine Einfachrunde gelingen, um Meister und Absteiger ermitteln zu können, denn die wird es definitiv geben. "Das macht so alles keinen Sinn", sagte Verbandsfußballwart Jürgen Radeck angesichts der Unmöglichkeit, jetzt schon einen Spielplan zu erstellen, der vermutlich in Kürze wieder Makulatur sein dürfte. Auch Matthias Bausch mahnt zur Geduld: "Sicher ist im Moment überhaupt nichts. Wir müssen einfach noch abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt und was die politischen Entscheidungsträger sagen. Mehr können wir leider nicht tun."

In einem Punkt sind sich die 20 Hessenliga-Klubs allerdings mehr oder minder einig: Geisterspiele lehnen sie ab. Und wie sieht es mit einer möglichen Reduzierung der Anzahl der Absteiger von derzeit sechs aus? Die wurde zwar bislang von HFV-Seite abgelehnt, aber Klassenleiter Bausch zeigte sich gesprächsbereit: "Darüber werden wir reden und lassen das derzeit von unseren Juristen prüfen", sagt Matthias Bausch, gab aber zu bedenken: "Natürlich würde eine Reduzierung der Absteiger zugleich auch bedeuten, dass in der nächsten Saison noch mehr Mannschaften in der Hessenliga spielen würden."

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