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»Ted Lasso« statt Fußball-WM in Katar

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Von: Ronny Herteux

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Henni Nachtsheim gilt als Edel-Fan der Frankfurter Eintracht. © Red

Henni Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz und Ronny Th. Herteux haben auf die letzten Spiele der Frankfurter Eintracht zurück- und auf die Fußball-WM vorausgeschaut.

Hallo Herr Nachtsheim. Die zwei und die eins, offenbar zwei magische Eintracht-Zahlen. Also, 2:1 gegen Marseille, 2:1 in Lissabon und nun 2:1 in Augsburg - oder die richtigen Zahlen im Eurojackpot, für welche würden Sie sich entscheiden?

Die 2 ist aus den von Ihnen genannten Gründen in diesen Tagen tatsächlich fast schon ein bisschen magisch. Ich würde sie aber deswegen nicht bei einer Lotterie einsetzen, weil sie überhaupt nichts mit Glücksspiel, sondern fußballerischem Können zu tun hat!

Die Frankfurter Eintracht steht im Achtelfinale der Champions League, nach dem Heim-0:3 zum Auftakt gegen Lissabon. Hätten Sie damals noch an solch eine Entwicklung geglaubt?

Ich war bei dem Spiel im Stadion, und die Eintracht hat relativ lange gut mitgespielt. Bis sie dann aber lernen musste, wie schnell Unaufmerksamkeiten oder Fehler in der Champions League bestraft werden. Ehrlich gesagt hatte ich nach dem Spiel noch keine vernünftige Meinung zum Abschneiden der Eintracht. Nach dem Spiel in Marseille hingegen hat sich dann allerdings dieser leicht großmäulige Optimismus in mir gemeldet.

Und die Eintracht scheint auch im »Fußball-Alltag« angekommen zu sein. Nach einer großartigen Champions-League-Nacht lässt sie sich auch vom 0:1 nach nur 32 Sekunden in Augsburg nicht vom Weg abbringen. Das blamable 0:3 in Bochum hatte offenbar heilende Wirkung.

Ja, das kann sein. Und mit Oliver Glasner scheinen wir jemanden zu haben, an dem sich dieser ewig »caritative Eintracht-Geist«, der sich immer um die Tabellenletzten in Form von Niederlagen kümmert, endlich mal die Zähne ausbeißen könnte!

Zu den Fakten, zu Zahlen: Sieben Pflichtspiele zuletzt, sechs Siege. Das hat schon FC-Bayern-Niveau, oder?

Weiß ich nicht. Aber Ihr Vergleich hat auf jeden Fall solides »hessisches Überschnapp«-Niveau!

Herr Nachtsheim, heute Abend geht es gegen Hoffenheim und am Sonntag steigt das Hessenderby in Mainz. Wissen Sie eigentlich, was dann folgt?

Ja, ich ahne, was Sie meinen.

Ja, die Weltmeisterschaft steht vor der Tür, aber irgendwie hat sie noch keinen richtigen Zugang ins Fußball-Bewusstsein. Geht es Ihnen ähnlich, oder haben Sie schon für die deutschen Spiele Ihre Kumpels zum Public Viewing und Grillen in den Garten eingeladen?

Ja, ich werde tatsächlich Freunde zum Grillen und Public Viewing einladen. Allerdings werden wir keine WM-Spiele anschauen, sondern alle Staffeln von »Ted Lasso«. Das ist eine hoch originelle und unglaublich unterhaltsame Serie über einen Fußball-Club, seine Mannschaft und deren Trainer. Da geht es um Loyalität, um Fairplay, um Freundschaften, Sportsgeist usw. Also alles Dinge, um die es bei der WM eher weniger geht.

Wenn zuletzt von der anstehenden WM berichtet wurde, dann auf politischer Ebene. Obwohl gefühlt jeder gegen die Austragung in Katar ist, findet sie nun statt. Ist das nicht ein bisschen schizophren?

Nein, weil die Gegner dieser WM keine Entscheidungsbefugnis haben. Das Einzige, was jeder Einzelne entscheiden kann, ist, sie nicht zu gucken. Das wird jemandem wie Herrn Infantino zwar nicht jucken, aber WM-Gegner trotzdem ein gutes Gefühl geben. Mir zum Beispiel.

Hoffen wir, dass die Nationalspieler kerngesund zum Turnier antreten. Es gibt Spekulationen, dass falls die DFB-Auswahl früh scheitert, Oliver Glasner dann Hansi Flick beerben soll und der wieder sich »einsatzbereit« fühlende Joachim Löw die Eintracht übernehmen könnte?

Ja, aber es gibt auch Gerüchte, dass ich als zentrale 6 fürs Eintracht-Mittelfeld verpflichtet werden soll!

Glasner hatte keinen perfekten Einstand, in Frankfurt haben sie aber Ruhe bewahrt. Andernorts wird entlassen und neu verpflichtet, was das Zeug hält. Ist die Eintracht endlich erwachsen geworden?

Die Eintracht war noch nie ein besonders aktiver Schleudersitz für Trainer. Allein Friedhelm Funkel war gefühlt 27 Jahre unser Coach! Trotzdem stimme ich Ihnen zu, dass die Eintracht auch seitens der Handelnden einen beeindruckenden Reifeprozess gemacht hat bzw. macht.

Da kann es Sie ja nur erfreuen, dass Aufsichtsratsvorsitzender Philip Holzer kürzlich in einem Interview gesagt hat, dass die Eintracht in Zukunft so ausgestattet werden soll, »dass wir auf Sicht international mitspielen«.

Generell ist das ein großartiger Ansatz. Bleibt allerdings die Frage, was das mit uns eh schon immer zum Größenwahn neigenden Hessen macht, wenn wir plötzlich Anhänger eines regelmäßigen Spitzenclubs sind! Ich hab neulich geträumt, wir hätten deutlich gegen Real Madrid gewonnen, und dann hab ich mich tatsächlich sagen gehört: »War doch klar, dass mer die wegputze!«

Die Frage aller Fragen zum Abschluss: Wer wird Fußball-Weltmeister in Katar?

Luxemburg!

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