Die Tänzer kehren zurück aufs (Übungs-)Parkett. Verheiratete bzw. liierte Paare genießen dabei einen Trainingsvorteil. SYMBOLFOTO: DPA
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Die Tänzer kehren zurück aufs (Übungs-)Parkett. Verheiratete bzw. liierte Paare genießen dabei einen Trainingsvorteil. SYMBOLFOTO: DPA

Tanzen

Ein Tanz mit den Regeln

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Tanzen ohne Kontakt. Nicht mal Eheleuten war zunächst das Training als Paar erlaubt. Zwei Tage später ruderte Wiesbaden zurück und modifizierte diese Regel. Dennoch bleiben einige Stolpersteine.

Die heimischen Tänzer sind mit Lockerungsübungen beschäftigt. Die jüngsten Entscheidungen der Bundes- und Landesregierung haben die Amateurvereine wieder auf den Plan gerufen. An Wettkämpfe ist zwar noch nicht zu denken. Immerhin darf aber trainiert werden - wenn auch eingeschränkt. Oberstes Gebot ist dabei die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Nun mag es schwer erscheinen, beim Tanzsport überhaupt die körperliche Berührung zu vermeiden. Das gilt allerdings vor allem für den Paartanz; für die Standard- und Lateintänzer. Viele andere tänzerische Bewegungsformen sehen gar keinen direkten Kontakt vor.

Der Gießener Tanz-Club 74 hat am 11. Mai sein Clubheim geöffnet. Line-Dance, Zumba oder auch Cheerleading sind möglich. Auch die Hobbygruppen, die zwar Standard und Latein tanzen, aber fast ausschließlich Ehepaare am Start haben, sind noch gut dran. Die Verordnung sieht vor, dass Personen, die im gleichen Hausstand leben bzw. Ehe- oder Lebenspartner sind, auch als Paar zusammen tanzen dürfen.

Tänzer, die nicht in häuslicher Gemeinschaft leben, müssen Abstand halten. Deswegen hat es die Turniergruppe beim GTC 74 schon schwerer. "Die Leute, die quasi Bett und Tisch miteinander teilen, trainieren im Rahmen des Gruppentrainings auch als Paar zusammen. Die anderen Paare, bei denen das nicht der Fall ist, sind ebenfalls in der Gruppe dabei, müssen ihre Übungen aber einzeln absolvieren", erklärt Pressewart Ekkehard Wuttke. Letzteres gilt derzeit noch ausnahmslos für alle Jugendlichen im Verein. Ganz hart trifft es indes die Square-Dancer, eine große Abteilung im GTC, die völlig lahmgelegt ist. Square-Dance wird in Gruppen zu je vier Paaren getanzt, die zu Beginn auf den vier Seiten eines Quadrats stehen. Acht Personen also auf engstem Raum.

In jedem Fall müssen die Tänzer das Hygienekonzept des Klubs beachten. Die Umkleiden sind geschlossen, sodass die Mitglieder schon in Sportkleidung anreisen und sich auch außerhalb des Gebäudes aufwärmen. Der Zugang zum Vereinsheim wird reglementiert, und man führt Anwesenheitslisten. Nur gut für den GTC, dass man die Räume im Bachweg gemietet hat und nicht auf die Freigabe der Behörden warten musste. Die lag nämlich in Gießen zunächst nicht vor.

Sportstätten in Gießen offen

Sportamtsleiter Tobias Erben informierte die Vereine in der vergangenen Woche darüber, dass die öffentlichen Gießener Sportstätten und -hallen nun aber wieder zur Verfügung stehen. Seit Montag sind sie zugänglich. Das freut vor allem die Mitglieder des Rot-Weiß-Clubs, der seit dem Großbrand an der Lahn nicht mehr in seinem angestammten Vereinsheim domiziliert, sondern einen Teil des Funktionsgebäudes im Waldstadion nutzt. Dort trainieren Lateintänzer und Breitensportgruppen. Das Gelände befindet sich noch im städtischen Eigentum. Die Standardpaare, für die die Fläche in der früheren Fußball-Kneipe nicht ausreicht, übten zuletzt ohnehin in öffentlichen Hallen. Um den Trainingsbetrieb aufnehmen zu können, muss der Klub nun ein schlüssiges Hygienekonzept beim Sportamt vorlegen, das den Vereinen beratend zur Seite steht. "Das Konzept ist aktuell in Arbeit", lässt RWC-Pressesprecherin Gitta Kraushaar wissen. Ein paar Tage noch, dann sollte auch beim ältesten Tanzverein der Stadt wieder die Musik spielen.

Die TSG Blau-Gold Gießen hat unterdessen schon am 9. Mai den Sportbetrieb in Präsenzkursen aufgenommen. Online-Kurse laufen aber parallel weiter. Klassischen Paartanz gibt es bei Blau-Gold ohnehin nicht mehr, sodass die Kontaktregeln leichter befolgt werden können. Balett, Breakdance, Hip-Hop, Kizomba und Pole-Dance sind nur einige der zahlreichen TSG-Angebote. Schon 2018 strukturierte Vorsitzender Bernhard Zirkler den Klub vom Tanzverein zum Mehrspartenverein um.

"Ein Drittel der Fitnessangebote läuft als Präsenzkurs", erklärt Zirkler. "In anderen Kursen sind die Mitglieder teilweise vor Ort, und andere nehmen zeitgleich online teil." Eine Mischung, die Zukunft haben könnte. Auch die Kinder werden seit 17. Mai sukzessive herangeführt an etwas mehr Normalität.

Probleme mit der Unterbringung gibt es nicht. Die anlaufenden Präsenzkurse von Blau-Gold konnten selbst vor der Öffnung der Gießener Hallen unter Beachtung der Regeln abgehalten werden. Immerhin kann der Verein über acht angemietete Räume an drei verschiedenen Standorten der Stadt verfügen. Und da Not bekanntlich erfinderisch macht, nutzten einige Gruppen überdies bereits das schöne Wetter und trainierten einfach draußen.

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