Die Talfahrt hält an

(jms) Am liebsten wäre Dr. Jürgen Gerlach einfach gegangen. Als seine insgesamt starke Torfrau Vilma Gainskyte vier Minuten vor dem Ende der Zweitligapartie zwischen ihrem TV 05 Mainzlar und der HSG Bensheim/Auerbach einen "Kullerball" passieren ließ, lief der Frauenhandball-Trainer mit verschränkten Armen hinter dem Kopf in den Flur der Gästekabine. Bloß weg hier, musste sich der Handballlehrer in diesem Moment gedacht haben. Eine verständliche Geste, denn Mainzlar verschenkte bei der 23:26 (14:11)-Niederlage vor 350 Zuchauern erneut zwei wichtige Punkte.

(jms) Am liebsten wäre Dr. Jürgen Gerlach einfach gegangen. Als seine insgesamt starke Torfrau Vilma Gainskyte vier Minuten vor dem Ende der Zweitligapartie zwischen ihrem TV 05 Mainzlar und der HSG Bensheim/Auerbach einen "Kullerball" passieren ließ, lief der Frauenhandball-Trainer mit verschränkten Armen hinter dem Kopf in den Flur der Gästekabine. Bloß weg hier, musste sich der Handballlehrer in diesem Moment gedacht haben. Eine verständliche Geste, denn Mainzlar verschenkte bei der 23:26 (14:11)-Niederlage vor 350 Zuchauern erneut zwei wichtige Punkte. Spielmacherin Nina Hess sprach nach der Partie Klartext: "Jeder von uns hat Dummheiten an den Tag gelegt. Nie und nimmer durften wir hier als Verlierer vom Platz gehen."

Wie schon bei der Niederlage gegen TuS Weibern in der Vorwoche, wechselten Licht und Schatten beim TVM. Kombinationssicher, zielstrebig - ja ab und an gar mit einer Spur Kreativität versehen, trugen die Mittelhessinnen im ersten Durchgang ihre Spielzüge vor. Dagegen durfte man das Wort "Spielzug" im zweiten Durchgang eigentlich nicht mit den Staufenbergerinnen in Verbindung bringen. "Wir prellen im Konter. Das ist ein Unding. Da muss schnell gespielt werden. Eine Spielerin flitzt los, die andere kommt schnell nach und wirft einen guten Pass", erläuterte Gerlach später die Grundsätze des Tempogegenstoßes.

Die Einfachheit des Torewerfens vergaßen die Mainzlarerinnen ab der 37. Minute allerdings gänzlich. Nachdem Matilda Atanasoska per Siebenmeter zur 18:14-Führung ins Schwarze traf, gelang dem TVM 18 (!) lange Minuten kein Treffer mehr. Einzig das starke Torwartduo Gainskyte/Giegerich und eine insgesamt sehr starke Darbietung im Deckungsverband ließen Mainzlar bis zum Schluss auf einen Punktgewinn hoffen. Selbst als die starke Schützin Kim Naidzinavicius mit eine strammen Wurf zum 19:18 (42.) Bensheim/Auerbach erstmals in Führung brachte, blieb der TVM im Spiel. Die "Flames" verpassten in der Folgezeit gleich mehrfach die Führung auszubauen, Mainzlar versiebte ganze fünf (!) gute Möglichkeiten - ehe Naidzinavicius das 20:18 (47.) erzielte.

"Wir treffen das Tor nicht, werden nervös und spielen völlig überhastet. Das spielt sich doch alles im Kopf ab. Diese Niederlage ist tatsächlich schwer zu erklären", begab sich Sophia Bepler nach Spielende erfolglos auf Erklärungssuche. Ihr Trainer dagegen weiß, worab es hapert: "Ein TV Mainzlar mit der Kondition einer HSG Bensheim/Auerbach hätte gewonnen.

" Wer aber für die konditionellen Schwächen, die auch die ständigen Konzentrationsfehler bedingen, verantwortlich ist, bleibt ein streitbares Thema. Normalerweise muss der Trainer entscheidenden Einfluss auf den Fitnesszustand seiner Spielerinnen nehmen. Zuvor war es Gerlach hervorragend gelungen, seine Spielerinnen taktisch einzustellen. Nachdem Laura Schmitt nach sechs Minuten die 3:2-Führung für Mainzlar besorgte, spielte der Turnverein frisch und frei auf. Wiederum Schmitt sorgte mit einem kompromisslosen Wurf für das 10:3 (17.) und beste Stimmung in der Halle. "Da haben wir super gespielt. Doch das müssen wir über 60 Minuten hinbekommen", meinte Nina Hess, die in dieser Phase mit klaren Ansagen und klaren Handlungen überzeugen konnte.

Ebenso erwies sich Vilma Gainskyte als grandioser Rückhalt. Die litauische Nationaltorhüterin parierte zwischen der fünften und 16. Minute acht Bälle teilweise spektakulär. "Gegen Weibern haben in der ersten Halbzeit alle Spielerinnen gut gespielt. Gegen Bensheim vor allem unsere Torfrauen", lobte selbst Dr. Gerlach seine Keeperinnen. Denn auch Youngster Ann-Cathrin Giegerich wusste in ihrer 15-minütigen Einsatzzeit durchaus zu überzeugen.

Aber auch sie konnte nicht verhindern, dass die Truppe von Kleenheims Ex-Coach Constantin Cojocar am Ende die Punkte mitnahm. Dabei verpasste die insgesamt schwache Ruta Latakaite in der Schlussminute den 23:24-Anschluss. "Ein Punkt wäre mindestens möglich gewesen", ärgerte sich Gerlach später. Als Latakaite die Riesenchance vergab, lief der Trainer wiederum in den Kabinentrakt. In der Tat war das Spiel des TVM im zweiten Durchgang - zumindest in der Offensive - zum Weglaufen.

Mainzlar: Gainskyte, Giegerich; Latakaite, Müller, Andrijana Atanasoska (7/2), Tuschen, Matilda Atanasoska (3/1), Deuster, Hess (5/1), Bepler (3), Wagner, Euler (2), Schmitt (3/1).

Bensheim/Auerbach: Tanaka, Diener; Lauenroth (3), Friton (1), Hörr, Streb (2), Marcantonio (3), Naidzinavicius (9/3), Stumpf, Bartaseviciene (3), Hermenau (5), Glauner, Gahn, Hofmann.

Im Stenogramm / SR.: Aniol/Boeken (Düsseldorf).- Zuschauer: 350.- Zeitstrafen: 6:8 Minuten.- Siebenmeter: 6/5:4/3.

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