"Tage wie diese" für die LTi 46ers

Unter den Klängen des Kultsongs "Tage wie diese" von den Toten Hosen bedankten sich die LTi Gießen 46ers bei ihren Fans mit der Welle. Und es war wirklich ein besonderer Tag für den mittelhessischen Basketball-Erstligisten, der sich beim 88:79 gegen die Telekom Baskets Bonn den ganzen Frust der letzten Wochen von der Seele spielte.

Ganze 53 Tage mussten die Anhänger auf den zweiten Saisonsieg der 46ers in der BBL warten. Einer, der nicht nur für die Verantwortlichen Trainer Mathias Fischer und Geschäftsführer Heiko Schelberg nach den turbulenten Tagen mit der Beurlaubung von Führungsspieler Jimmy Baxter von immenser Bedeutung war. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Mannschaft so ein Statement abgegeben hat. Die Mannschaft hat als Mannschaft funktioniert", erklärte der 46ers-Headcoach. Und ihm sah man die Erleichterung über das Ende der acht Spiele andauernde Niederlagenserie am deutlichsten an.

Er ließ sich sogar zu einem Tänzchen mit seinem Spielgestalter Dijuan Harris hinreißen, der am gestrigen Sonntag der Matchwinner war – ohne die Leistung der restlichen Teammitglieder schmälern zu wollen. Für das Bild des frühen Abends sorgte aber ein LTi-46ers-Fan, der im Trikot des beurlaubten Jimmy Baxter die "Humba" für die Mannschaft anstimmte. Der Beurlaubte selbst war nicht in der Halle. Wie Schelberg gegenüber dieser Zeitung mitteilte, soll über das weitere Vorgehen im Fall Baxter zu Beginn der Woche gesprochen werden.

Gleichwohl stand das Viertel Nummer eins ganz im Zeichen von LaQuan Prowell und dem Wirbelwind Harris. Die beiden Amerikaner spielten wie aufgedreht. Prowell zeigte schon beim Warmachen ein heißes Händchen, als er achtmal hintereinander von jenseits der 6,75-m-Linie traf. Letztlich gelangen dem 26-Jährigen zehn Punkte in den ersten zehn Minuten, in denen sein Landsmann Harris ihm in nichts nachstand. Der 1,75-m-Mann gab Gas ohne Ende, trieb das Team immer wieder nach vorne und beendete seine Eins-gegen-Eins-Aktionen nicht nur erfolgreich, sondern auch im ICE-Tempo. Besonders sehenswert sein Korbleger von Coast-to-Coast zum erstmaligen Ausgleich (15:15, 6.). Seine Ausbeute war ebenfalls bemerkenswert – zehn Punkte. Überhaupt waren die Gießener sehr offensivfreudig, was die 31 Zähler im ersten Durchgang bestätigten. In der Defensive hielten sie die Bonner, die ihrerseits im Angriff mit viel Pick-and-Roll arbeiteten, auf 25 Punkte. Letztlich war es die schwache Freiwurfquote der LTi 46ers (drei von acht), die eine noch höhere Führung für die Lahnstädter verhinderte. Für die letzte Aktion zeichnete Jasmin Perkovic verantwortlich. Der Kroate ließ einen Dreier zum 31:25 einfliegen.

Die Gießener erhöhten im zweiten Viertel vor allem in der Abwehr die Intensität. Gedanklich fix und mit schnellen Beinen mogelten sie sich immer wieder geschickt an den vielen Blocks der Bonner vorbei und durchbrachen so den Rhythmus. Dazu kam Prowell, der weiterhin von keinem Bonner zu kontrollieren war. Höhepunkt seiner einzigartigen Angriffshow war ein Dunking aus vollem Lauf nach Pass von Dominik Spohr zum 36:27, nur kurze Zeit später versenkte er einen weiteren Dreier zum 39:27 – sein dritter getroffener von drei geworfenen. Extraklasse!

Dass die Gäste vom Rhein noch einmal herankamen, lag daran, dass beim Defensivrebound nachlässig gearbeitet wurde. Zweimal vergaß der grippegeschwächte Elvir Ovcina das Ausboxen, und schon war der Vorsprung auf 50:40 geschmolzen. Auffällig in dieser Phase, als der Bonner Haudegen Ensminger unnötig Härte ins Spiel brachte und Harris mit der Hand ins Gesicht griff.

Knapp zwei Minuten dauerte es, da musste Fischer im dritten Abschnitt schon mit einer Auszeit eingreifen. Die Manschaft von Trainer Michael Koch startete furios nach der Pause, bestrafte die Unachtsamkeiten im Gießener Spiel und legte einen 10:2-Lauf hin, den Gießens Headcoach stoppen wollte. Später konstatiere er: "Im dritten Viertel mussten wir drei bis vier Minuten überstehen, da haben wir zu schnelle Würfe genommen und zu ungeduldig agiert." Dennoch ließ sich sein Team nicht aus dem Gesamtkonzept bringen. Zwar lagen die Baskets kurz mal vorne (55:54 nach Weems-Tip-in), aber die Gießener hatten immer wieder die passende Antwort parat in Person von Ryan Brooks und Harris, der am Viertelende zum 69:69 egalisierte.

Die letzten zehn Minuten waren an Spannung kaum zu überbieten. Ein Blick in die Gesichter der 46ers-Protagonisten verriet aber die Entschlossenheit, gegen Bonn den lang ersehnten Befreiungsschlag im Kampf gegen dem Abstieg herbeizuführen. Prowell, Harris, Ovcina, Brooks und Faßler übernahmen das Kommando und zauberten zum Schluss sogar noch ein wenig (Ovcina-Zuckerpass zu dem dunkenden Brooks, 77:70, 34.

). Und zum Schluss kam noch das Quäntchen Glück dazu, das den Gießenern in vielen vorherigen Partien nicht hold war: Ensminger tippte den zweiten Freiwurf von Faßler zum 86:77 in die Reuse – und das eineinhalb Minuten vor dem Ende. Für Gästecoach Koch war die Niederlage nur "schwer zu verdauen, aber verdient". Fischer indes war einfach nur "stolz auf seine Mannschaft". Und Kapitän Ovcina – gezeichnet vom Kampf, aber überglücklich – sagte: "Mit einem Sieg fällt doch vieles leichter." Wolfgang Gärtner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare