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Peter Ruppert

Tennistrainer Peter Ruppert

"40 Stunden für Erstellen des Winter-Trainingsplans"

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(sno). Peter Ruppert zählt sich selbst zur Mittelschicht der heimischen Tennistrainer. Der 57-Jährige mit B-Trainer-Schein leitete bereits Übungsstunden in Grünberg und Laubach - seit acht Jahren nun ist er beim Licher TC RW. Erfrischend ehrlich erzählt Ruppert aus dem Leben eines hauptberuflichen Tennistrainers im Kreis Gießen.

Herr Ruppert, mit welchen Risiken ist die Entscheidung, hauptberuflich als Tennistrainer zu arbeiten, verbunden?

Peter Ruppert: Du arbeitest auf selbstständiger Basis: Steuererklärung, Krankenkasse, Altersvorsorge, darum musst du dich selbst kümmern. Man muss die Sicherheitslücken schließen: Wenn du krank wirst, droht Verdienstausfall, also braucht man Assistenztrainer, die das Training fortführen. Im Gegensatz zum Rhein-Main-Gebiet, wo man als C-Trainer auch mal 50 Euro für eine Stunde nehmen kann, ist der Job in Mittelhessen finanziell nicht wirklich lukrativ. Ich kann mich ernähren, aber ich könnte mit dem Job derzeit keine Familie alleine ernähren.

Welche Herausforderungen bringt der Job des Tennistrainers noch mit sich?

Ruppert: Du hast unternehmerische Aufgaben, schaltest Werbung, musst deine Kunden binden, führst viele Telefonate. Es dauert schon 30 bis 40 Stunden, bis so ein Winter-Trainingsplan steht. Man muss einfach eine Grundsatzentscheidung treffen: Mache ich mein Hobby zum Beruf und verzichte dafür auf Freizeit? Es kann ein Killer für Beziehungen sein. Du arbeitest, wenn andere frei haben, kommst häufig um 21 Uhr oder später nach Hause. Das kann eine Familie mitmachen, aber es ist nicht leicht.

Was ist das Schöne, das Reizvolle an diesem Beruf?

Ruppert: Es ist eine selbstständige Tätigkeit mit ständigem direkten Kontakt zu Menschen. Ich habe keinen Druck von einem Vorgesetzten. Du teilst Fortschritte und Erlebnisse, vom Anfänger bis zum guten Tennisspieler. Diese soziale und emotionale Komponente unterscheidet das Ganze von einem normalen 40-Stunden-Job. Das muss den Rest auffangen. Du musst Idealismus mitbringen, um diesen Job ein Leben lang mit Überzeugung auszufüllen.

Welche Anreize müssten geschaffen werden, damit mehr Tennisspieler hauptamtliche Trainer werden?

Ruppert: Wir könnten jedenfalls mehr Trainer gebrauchen. Ich bin mir sicher, dass mehr Leute Tennis spielen würden. Jeder hauptamtliche Trainer vernetzt, hat ein Interesse daran, dass seine Kunden anderen vom Training und der Sportart erzählen. Ein Schneeballeffekt könnte enstehen. Es wäre erstrebenswert, Festanstellungen in Tennisvereinen zu integrieren. Finanzamt, Arbeitgeber und Trainer müssten sich zusammensetzen und eine Lösung anstreben. Das wäre für die Mittelschicht der Tennistrainer sehr interessant. Wenn man den Fokus auf den Breitensport legt, besteht großes Potenzial. (Foto: pv)

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