Kollektiver Jubel bei der HSG Wetzlar um Trainer Kai Wandschneider (r.), der mit seinem Handball-Bundesliga-Team 33:24 gegen Schlusslicht TuS N.-Lübbecke gewinnt und somit einen perfekten Jahresabschluss feiert.	(Foto: Vogler)
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Kollektiver Jubel bei der HSG Wetzlar um Trainer Kai Wandschneider (r.), der mit seinem Handball-Bundesliga-Team 33:24 gegen Schlusslicht TuS N.-Lübbecke gewinnt und somit einen perfekten Jahresabschluss feiert. (Foto: Vogler)

Nur strahlende Gesichter bei der HSG Wetzlar

(pie) Ausverkaufte Rittal-Arena, 33:24-Sieg gegen Schlusslicht TuS N.-Lübbecke und ein stolzer Trainer Kai Wandschneider. Die HSG Wetzlar feiert einen perfekten Jahresabschluss – und überall nur strahlende Gesichter.

»So eine Saison habe ich in Wetzlar noch nicht erlebt«, brachte ein freudestrahlender Trainer Kai Wandschneider die Leistung seiner Mannschaft auf den Punkt. Eine halbe Stunde zuvor hatten seine Jungs in der Handball-Bundesliga Tabellenschlusslicht TuS N.-Lübbecke mit 33:24 (18:12) aus der zum vierten Mal hintereinander ausverkauften Rittal-Arena gefegt und sich somit gebührend von den eigenen Fans in die Europameisterschaftspause verabschiedet. »Ich bin unglaublich stolz auf unsere Mannschaft, die eine überragende Saison spielt. Wir waren vor dem Spiel alle sehr angespannt, weil die Erwartungen natürlich extrem groß sind«, gab Wandschneider am Samstag Einblick in sein Innenleben.

Dieser Anspannung sind dann wohl auch die ersten Minuten geschuldet, in denen die Grün-Weißen ein wenig fahrig wirkten. Aus dem Positionsspiel wollte zunächst kein Tor fallen, was zum einen an der suboptimalen Passqualität lag und zum anderen an der schlechten Wurfauswahl. HSG-Keeper Andreas Wolff hingegen war von Beginn an hellwach, entschärfte allein in der ersten Halbzeit elf Würfe und hielt seinen Vorderleuten den Rücken frei. So netzte Kreisläufer Jannik Kohlbacher nach zehn Minuten zum 5:2 ein.

Es waren Mittelmann Filip Mirkulovski und Joao Ferraz, die die Maschine am Laufen hielten. Mirkulovski zog geschickt die Fäden und ermöglichte es Ferraz, in seiner Viertelstunde Einsatzzeit das Leder viermal in die Nettelstedter Maschen zu schweißen. In Anbetracht der Tatsache, dass der Portugiese seit einigen Wochen erkältungsmäßig angeschlagen auf dem Feld steht, konnte sein Trainer nur den Hut vor dieser Leistung ziehen. »Joao Ferraz wird jetzt drei Wochen aus dem Verkehr gezogen. Den werden wir vom Kopf auf die Füße stellen, er kann nicht richtig atmen. Was er da heute in der ersten Viertelstunde rausgehauen hat, war unglaublich. Er hat auch in der Halbzeit noch gesagt: Kai, wenn du mich unbedingt brauchst, dann gehe ich noch mal rauf. Das steht stellvertretend für die Moral unserer Spieler«, lobte Wandschneider.

Doch Ferraz konnte sich das Spiel beruhigt von der Bank aus ansehen, denn sein Backup Vladan Lipovina machte da weiter, wo er selbst aufgehört hatte. Kaum in der Partie, wuchtete er den Ball zum 10:7 (19.) in die Maschen und sollte bis zum Ende noch sechs weitere Treffer erzielen. Weniger Glück hatte Kapitän Steffen Fäth, der erst mit seinen Würfen scheiterte und nach zehn Minuten eine kurze Verletzungspause einlegte. Erst mit dem 12:8 (21.) erlöste er sich und die Halle und läutete den Schlussspurt der ersten Hälfte ein.

Denn langsam kann auch der Wetzlarer Mittelblock auf Betriebstemperatur, in dem Carlos Prieto den angeschlagenen Kristian Bliznac vertrat. Hier hatte man in den ersten 20 Minuten noch zu viele Anspiele an den Kreis zugelassen. Doch es sollte noch bis zur Auszeit von Wandschneider drei Minuten vor der Pause dauern, bis bei seiner Mannschaft endgültig der Knoten platzte. In der zuvor gespielten Überzahl vergab man die Chance, auf zwei weitere Treffer zu erhöhen – und so redete Wandschneider seinen Spielern beim 15:11 ins Gewissen. Die Ansprache wirkte. Zweimal Maximilian Holst und Lipovina erhöhten auf 18:11, ehe Tim Rehmer per Siebenmeter in letzter Sekunde auf 12:18 für Nettelstedt verkürzen konnte.

Die Gäste hatten über die gesamte Spielzeit Mühe, die HSG-Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Nettelstedt spielte engagiert, produzierte aber zu viele technische Fehler, zeigte zu wenig Durchschlagskraft im Angriff, um auch nur in die Nähe einer Überraschung zu kommen. Das musste auch der neue Trainer Goran Perkovac neidlos anerkennen. »Wetzlar hat mehr als verdient gewonnen, das war von Anfang an gar kein Thema. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, müssen etwas bewegen, sonst ist von Spiel zu Spiel immer weniger möglich. Doch durch den Druck und die Erwartungen waren wir total verklemmt.«

Zu Beginn der zweiten Hälfte drehte Wetzlar weiter auf, während die Gäste völlig von der Rolle schienen. Etliche Fehlpässe und schlechte Chancenverwertung prägten das Spiel der Nettelstedter, die in der Abwehr weiter aufopferungsvoll kämpften. Doch auch das sollte gegen die geduldig auf den Punkt gespielten Kombinationen der Hausherren nichts nutzen. Der TuS rieb sich im Angriff in Einzelaktionen auf, und auch mit veränderten Abwehrsystemen brachte man Wetzlar nicht mehr ins Stolpern.

Bereits nach 38 Minuten war der Drops gelutscht, die erste Zehn-Tore-Führung der Grün-Weißen durch Jannik Kohlbacher zum 23:13 eingetütet. Nettelstedt wehrte sich nach Kräften, konnte aber selbst die einzige Überzahlsituation nicht zur Ergebniskorrektur nutzen. Wandschneider wechselte durch, brachte Nikolai Weber für Wolff, gönnte Linksaußen Holst eine Pause, der durch Sebastian Weber vertreten wurde. Und auch der mit Rückenproblemen kämpfende Bliznac durfte in den letzten zehn Minuten ran.

»Das war der Punkt auf unsere bisherige Leistung in dieser Saison. Wir haben gezeigt, dass es kein Zufall ist, dass wir in der Tabelle stehen, wo wir sind. Unsere Abwehr war gut, Andi stand überragend im Tor, und wir haben im Angriff konzentriert gespielt«, freute sich Evars Klesniks über den gelungenen Jahresabschluss.

Die Zuschauer fingen bereits drei Minuten vor Schluss an zu feiern, begleiteten ihre Mannschaft mit Standing Ovations zum verdienten 33:24-Sieg. »Auf diese Mannschaft kann man nur stolz sein«, strahlte Geschäftsführer Björn Seipp über das ganze Gesicht. »Sie gibt uns von Spiel zu Spiel wieder die Gelegenheit stolz zu sein. Dazu zählt das ganze Kalenderjahr. Die Mannschaft hat zu keiner Sekunde Zweifel aufkommen lassen, dass sie dieses Spiel gewinnt und hat es sich verdient, als Kollektiv für dieses Jahr gefeiert zu werden.«

HSG Wetzlar: Wolff, Nikolai Weber; Prieto, Lipovina (7), Ferraz (4), Sebastian Weber (1), Laudt, Holst (10/6), Fäth (2), Hahn (3), Bliznac (1), Klesniks, Kohlbacher (3), Mirkulovski (2).

TuS N.-Lübbecke: Blazicko, Skok; Bechtloff (1), Langhans (6), Tauabo (2), Pieczkowski (1), Lazovic (1), Suton (3), Schagen (1), Borozan (3), Klimek (3), Remer (3/2).

Schiedsrichter: Moles/Pittner (Heddesheim/Karlsruhe). – Zuschauer: 4421. – Zeitstrafen: 2:4 Minuten. – Siebenmeter: 6/6:2/2.

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