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Zum Zuschauen verurteilt: Die Langzeitverletzten Stefan Cavor (links) und Alexander Feld (M.) neben Geschäftsführer Björn Seipp.

Statistik spricht klare Sprache

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Der Handball-Gott hat viele Jahre schützend seine Hände über die HSG Wetzlar gehalten. Für die Saison-Endphase 2020/21 aber hat Hiob Oberhand gewonnen. Der Ausfall des starken Rückraumtrios Olle Forsell Schefvert, Alexander Feld und Stefan Cavor wird für die Mittelhessen am Samstag auch beim Titelanwärter SG Flensburg/Handewitt kaum zu kompensieren sein.

Wenn es eine Mannschaft in der Handball-Bundesliga gibt, gegen die die Bilanz der HSG Wetzlar noch negativer ausfällt als die gegen den TBV Lemgo Lippe, dann ist es die gegen die SG Flensburg/Handewitt. Gegen den seit 50 Spielen in eigener Halle un- besiegten Titelanwärter und Champions League-Viertelfinalisten haben die Grün-Weißen seit ihrem Erstliga-Aufstieg 1998 bei 38 Niederlagen und fünf Unentschieden erst zweimal überhaupt gewinnen können. Am Samstag im 20.30-Uhr-Spiel bei den Norddeutschen (live auf Sky) erscheint es in Anbetracht der Wetzlarer Personalsituation vermessen, an eine Besserung dieser Statistik auch nur einen Gedanken zu verschwenden.

Nachlese: Am Mittwoch beim Heim-21:27 gegen den TBV Lemgo Lippe bekam das Team von Trainer Kai Wandschneider den Verlust an Wurf- und Durchschlagskraft zu spüren. 20 Minuten lang hatte man die mit voller Kapelle angetretenen Lipperländer (»Wir sind erstmals in dieser Saison mit 16 gesunden Spielern angereist«, so TBV-Trainer Kehrmann) noch in Schach halten können, dann wurde »zu früh und zu schlecht auf das Tor geworfen«, wie Wandschneider befand. Aber ohne Vorwurf an seine »tolle Mannschaft«, für die er gerne »den Ermutigungsbeauftragten« für den Rest der Saison spielt. Aber halt mit der Erkenntnis, dass die personelle Dezimierung und die Erschöpfung der Nationalspieler letztlich auch zu einer mentalen Schwächung führen. »Wenn man das Spiel abkürzen will und schon nach dem zweiten Pass zu werfen beginnt, geht das in die Hose«, schloss der HSG-Trainer recht schnell mit dem gebrauchten Mittwoch ab. »Jetzt haben wir noch Flensburg und Nordhorn vor uns und dann eine zweiwöchige Pause, nach der die Kraft dann irgendwann auch wieder zurückkommt«.

Ausblick: Die in der Endphase funktionierende 5:1-Deckung mit einem offensiven Emil Mellegard, mit der gegen Lemgo statt einer zweistelligen Niederlage letztlich sogar noch Ergebniskosmetik betrieben werden konnte, sowie der Halbrechts-Alternative in Person von Kristian Björnsen haben sich Trainer Wandschneider für den späten Samstagabend in Flensburg sogar noch ein, zwei Optionen als wirkungsvoll erwiesen.

In jedem Falle müssen Leistungsträger wie Torhüter Till Klimpke, Spielmacher Magnus Fredriksen, Lenny Rubin auf der Königsposition sowie Anton Lindskog beim Vorspielen bei seinem kommenden Arbeitgeber am Kreis ihre Qualität abrufen, um es in der Flens-Arena ergebnismäßig nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Auf jeden Fall darf nach dem Lemgoer Keeper Peter Johannesson mit einem halben Dutzend freier verworfener Bälle nicht auch noch Ex-Teamkollege Benjamin Buric im Flensburger Tor berühmt geworfen werden. Und zu guter Letzt sollten mit dem siebten Feldspieler weniger technische Fehler unterlaufen als am Mittwoch zwischen der 20. und 55. Minute.

Der Kontrahent: Die SG Flensburg/Handewitt ist seit 22 Spielen in Folge in der Handball-Bundesliga ungeschlagen. Das 28:28 bei Frisch Auf Göppingen am Mittwoch kostete zwar die Tabellenspitze, war aber erstens nach einem 18:23-Rückstand nach 45 Minuten vom Spielverlauf her ein Punktgewinn und zweitens bei einem der Topteams der Rückrunde kein schlechter Spielausgang. Im Titel-Zweikampf mit dem Nordrivalen THW Kiel (beide 47:5 Punkte) wird sich das Team von Trainer Maik Machulla im Samstag-Heimspiel keine Blöße geben. Ganz sicher. Zuviele Klippen haben die Gottfridsson, Wanne und Co. in dieser Corona-Saison erfolgreich umschifft, zuviele Handicaps verkraftet, als dass man etwas gegen das personell geschwächte Team der HSG Wetzlar anbrennen lassen sollte.

Die Neuzugänge Franz Semper und Lasse Möller sind ebenso langzeitverletzt wie Johannes Golla und Jacob Heinl es waren. Zudem hatten nach Rasmus Lauge und Tobias Karlsson ein Jahr zuvor Qualitätsspieler wie Anders Zachariasen und Holger Glandorf den Klub verlassen bzw. die Karriere beendet. Außerdem musste sich Simon Hald nach seinem Kreuzbandriss erst wieder heranarbeiten.

Dennoch gab die SG in der »Hölle Nord« beim 27:27 gegen TBV Lemgo Lippe erst ein Pünktchen ab. Für die HSG Wetzlar war vor diesem Hintergrund am Donnerstag viel bedeutsamer, dass sich nach der Mittwoch-Partie nicht schon wieder Hiob zu Wort meldete.

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