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Die Avatare der Bundesliga-Fahrer auf der Jagd nach dem Etappensieg. FOTO: GCA

Starkes Mittelhessen-Trio

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Wenn schon keine Rennen auf der Straße, dann wenigstens das. Was? Niclas Zimmer, Alexander Koop und Florian Wiegand haben sich der Herausforderung der fünf Rennen umfassenden virtuellen Rad-Bundesliga auf der Online-Plattform "Zwift" gestellt.

Im Gegensatz zu manch anderen eSport-Angeboten hatte es die erste "GCA Liga powered bei Müller - Die lila Logistik" in sich: Die in Elite Männer und Frauen aufgeteilten Teilnehmerfelder waren vom Start weg aufgefordert, kräftig in die Pedale zu treten, um nicht gleich zu Beginn abgehängt zu werden. Bei den fünf Rennen mit jeweils über 300 Startern war übrigens der komplette Radfahrer gefragt. Beim vierten Durchgang zum Beispiel galt es, 52,9 Kilometer (165 Höhenmeter) auf der topfebenen "Tick Tock"-Strecke der fiktiven "Zwift"-Welt "Watopia" zu absolvieren, nachdem eine Woche zuvor eine Bergankunft ("Alpe du Zwift") mit einem 12,2 Kilometer langen Schlussanstieg über 1036 Höhenmetern unter die Räder zu nehmen war. Die zweite Etappe über 44,4 Kilometer entsprach dem Kurs der Straßen-WM 2018 in Innsbruck, und der Abschluss am Samstag war der Zielrunde des WM-Kurses von 2019 in Harrogate/England nachempfunden. Dabei wurden die Rennen auf verschiedenen Kanälen live gestreamt und von Profi Rick Zabel und Basti Marks moderiert.

Alexander Koop von der RV Gießen-Kleinlinden, in der letzten Saison erfolgreich als Masterfahrer in der Bundesliga unterwegs, fiel im ersten Rennen aus der Spitzengruppe heraus, gewann aber den Sprint seiner Verfolgergruppe. Die "WM-Strecke von Innsbruck war schon eher mein Kurs, eine 50 Sekunden lange Steigung wurde im Vollsprint absolviert", wobei der Mediziner als 48. der Gesamtwertung über die Ziellinie rollte. Die Kletterei der dritten Etappe "war so gar nicht meins, beim Einzelzeitfahren bergauf bin ich pro forma mitgerollt". Im extrem flachen vierten Rennen hielt sich Koop lange in der Spitzengruppe, erst im Zielsprint gingen ihm dann ein wenig die Kräfte aus ("ständig am Limit"). In Zahlen ausgedrückt: Über 1:22 Stunden drückte Koop im Schnitt 256 Watt bei einem Durchschnittstempo von 45,7 km/h. "Diese virtuelle Bundesliga ist extrem schwer, zumal viele KT- und dazu einige ProTour-Fahrer sowie viele starke Amateure" am Start stehen. Wie stark Koop wirklich unterwegs war, belegen die Ü40-Ergebnisse: Zweiter im zweiten und Dritter im vierten Rennen. Und zum Abschluss bei einem Stundenmittel von 39,9 km/h über 1:15 Stunden fuhr Koop noch einmal bei über 700 Höhenmeter auf Rang 70 vor.

Während Koop in der Ü40-Kategorie beheimatet ist, steht der 19-jährige Florian Wiegand vor seiner ersten U23-Saison. Der Auszubildende zum Fahrradmonteur bei Zweirad Göttlicher in Gießen startete in den letzten beiden Jahren in der Junioren-Bundesliga, und "da zurzeit keine Rennen stattfinden, trainiere ich wieder Grundlage, also lang und langsam". Nach einem Trainingslager auf Mallorca war Wiegand bereit für die neue Saison, ehe die Pandemie alles auf den Kopf stellte.

Bei schlechtem Wetter wechselt der Azubi auf die Rolle, und da kam ihm die flugs auf die Beine gestellte virtuelle Rennserie gerade recht. "Die mit vielen Profis besetzten Rennen sind kurz und intensiv. Auch wenn man sie nicht mit den längeren und taktisch geprägteren Bundesligarennen vergleichen kann", hat sich Wiegand dennoch stets auf diese Abwechslung gefreut.

Nach den ersten beiden Rennen entwickelte Wiegand Pech, als beim Sturm auf die "Alpe de Zwift" und zum Abschluss bei "Harrogate" WLAN-Probleme auftraten und ihm eine Wertung versagt blieb. Umso besser lief es beim vierten Durchgang, als sich "das Feld schnell in mehrere Gruppen aufteilte, zum Glück konnte ich mich in der ersten Gruppe halten". Ausreißversuche der Konkurrenz wurden stets unterbunden, und beim Zielsprint feierte der U23-Fahrer im Elitefeld als 20. ein famoses Tagesergebnis. Dabei war er deutschlandweit drittbester Fahrer seines Jahrgangs 2001.

Der "doppelte Bundesliga-Fahrer" Niclas Zimmer von der RSG Gießen und Wieseck zeigte sich mit Rang 16 als Mitglied einer Spitzengruppe im ersten Rennen "zufrieden". Der 20-Jährige vom Team Erdinger Alkoholfrei, der in der Mountainbike-Bundesliga für das Stenger-Bike-Team unterwegs ist, behauptete sich auf dem Innsbrucker WM-Kurs über fünf Runden mit einer knackigen Rampenauffahrt als U23-Fahrer als 20. erneut im Elitefeld. Nach Rang 67 bei der dem Anstieg nach Alpe d’Huez nachempfundenen Bergetappe trumpfte der RSG-Fahrer wieder groß auf, als er zur 77 Personen großen Spitzengruppe gehörte und als Achter zweitschnellster Teilnehmer des Jahrgangs 1999 war. Zum Abschluss verpasste er den Sprung in die Spitzengruppe, als 41. wusste er dennoch zu gefallen. Entsprechend "sehr zufrieden" zeigte sich Zimmer nach der schweißtreibenden Rollenfahrt.

"Für mich sind die Zwift-Rennen eine gute Abwechslung zum normalen Training, da man sich wenigstens ein wenig mit anderen Fahrern messen kann", und im Gesamtklassement sprang ein beachtlicher 20. Rang für Zimmer heraus. Allerdings "fahre ich lieber echte Rennen", und so hofft der Mittelhesse, "in diesem Jahr doch noch einmal an der Startlinie stehen zu können".

Die Bundesliga-Gesamtwertung gewannen Lucas Carstensen (Bike Aid) und Romy Kasper (rad-net ROSE Team/Parkhotel Valkenburg).

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