Stadt: Verantwortung liegt bei den 46ers

(mö) Der Magistrat der Stadt weist jede Verantwortung für die Insolvenz der Gießen 46ers von sich. Für die 2007 erstmals gewährte Bürgschaft gebe es einen "klar definierten Abbaupfad", der mit der vorherigen Geschäftsführung der Gispo vor zwei Jahren vereinbart worden sei, um dem Profisportunternehmen auch Planungssicherheit zu geben, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Sonntag auf AZ-Anfrage.

Wie die Stadtkämmerin, die sich über die Aussagen aus dem Gesellschafterkreis der 46ers höchst irritiert zeigte, unter Verweis auf einen Stadtverordnetenbeschluss vom Dezember 2010 erklärte, sei damals mit den 46ers vereinbart worden, dass sich die Bürgschaftssumme ab Ende 2012 in drei Schritten bis Ende 2014 reduziert. Zum 1. Januar 2013 sei dabei "ganz definitiv" vorgesehen gewesen, dass die Bürgschaft von 180 000 auf 120 000 Euro abgesenkt wird, um dann in zwei weiteren Schritten bis Ende 2014 auszulaufen, erläuterte Grabe-Bolz. Dieses Vorgehen sei im März 2011 vom Regierungspräsidium genehmigt worden.

Gesprächen mit Gispo-Geschäftsführer Heiko Schelberg, die sie in letzter Zeit geführt habe, habe sie wohl entnommen, "dass sich die finanzielle Lage zugespitzt hat", sagte Grabe-Bolz weiter. Dann freilich habe sie von der Geschäftsführung nichts mehr gehört. Zudem sei der wiederholten Bitte der Stadt, "Fakten zu liefern", von den 46ers nicht entsprochen worden. "Wir haben nichts bekommen und bis heute keine Zahlen gesehen", sagte die Rathauschefin. Diese Informationspolitik könne nicht Grundlage für den Magistrat sein, die Aufhebung von rechtlich bindenden Parlamentsbeschlüssen zu betreiben, was letztlich ohnehin nur die Stadtverordnetenversammlung selbst könne.

Magistrat zu Gesprächen bereit

Gleichzeitig betonte Grabe-Bolz, dass der Magistrat selbstverständlich bereit sei, in Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter "die bedrohliche Situation abzuwenden". Der Magistrat habe ein hohes Interesse daran, dass einerseits der Basketball-Bundesliga-Standort Gießen erhalten bleibt und andererseits die von der Stadt gewährte Bürgschaft nicht fällig wird.

Von einem mangelnden Engagement der Stadt für die 46ers könne jedenfalls keine Rede sein, betonte Grabe-Bolz mit Hinweis auf die zahlreichen Investitionen, die in der Osthalle in den letzten Jahren getätigt worden seien, zuletzt zum Beispiel durch die Mitfinanzierung der Anzeigetafel. Außerdem habe die Stadt zugestimmt, dass der Name der Osthalle vermarktet werden kann, "womit ich mir jede Menge Ärger bei der Ostschule eingehandelt habe", sagte die OB.

Die Bürgschaft – damals ging’s um 200 000 Euro – war vom Stadtparlament erstmals Ende 2006 beschlossen worden, als die 46ers akut von der Insolvenz bedroht waren und bei der Stadt um Hilfe nachsuchten. Begründet gegenüber der Kommunalaufsicht des RP wurde die Bürgschaft mit dem Werbewert der Basketballer für die Stadt Gießen und der Jugendarbeit, die mit Geld aus dem Etat des Erstligisten unterstützt werde.

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