Den deutschen Basketball hat es schon vor dem ersten Tipp-Off voll erwischt. FOTO: DPA
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Den deutschen Basketball hat es schon vor dem ersten Tipp-Off voll erwischt. FOTO: DPA

Sport erneut in der Corona-Falle

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(sid). Alfons Hörmann fuhr der Schock in die Glieder, die Nachricht von der coronabedingten Absage des Internationalen Turnfestes erwischte den krisenerprobten DOSB-Präsidenten kalt und mit voller Wucht. "Das ist die nächste Hiobsbotschaft", sagte Hörmann dem sid merklich angeschlagen: "Ich mache mir große Sorgen um den deutschen Sport, alles andere wäre unverantwortlich."

Die Mitteilung aus dem Lager des Deutschen Turner-Bundes (DTB), die geschichtsträchtige und für Mai 2021 in Leipzig geplante Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg abzusagen, bildete für Hörmann und den deutschen Sport den vorläufigen Tiefpunkt einer Reihe von Absagen und neuer Coronafälle. Schon jetzt zeichnet sich ein Terminchaos im deutschen Sport ab, eine reguläre Durchführung des Spielbetriebs wird zur Utopie. Kaum ist der Betrieb in den Klubs und Ligen wieder angelaufen, droht der komplette Stillstand. "Wir gehen von einer aktiven Phase leider zurück in eine Phase der Nicht-Beweglichkeit", sagte Hörmann wenige Stunden zuvor. Er skizzierte ein düsteres Bild, "dass viele Vereine über alle Ebenen nun mehr und mehr in echte Existenznöte, echte Existenzprobleme und damit zwangsläufig in Richtung Insolvenz kommen".

Die jüngsten Beispiele aus dem Turnen, dem Basketball und Handball, aber auch aus dem Fußball zeigen: Die zweite Welle der Corona-Pandemie rast unaufhaltsam dem Profisport entgegen.

Und so richtete Hörmann einen dringenden Appell an die Politik zur Verschonung des Sports bei weiteren Corona-Maßnahmen. "Ich hoffe sehr, dass mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl gehandelt wird", sagte der führende deutsche Verbandsfunktionär. Der Sport gehöre nicht zu den "Problemauslösern", sondern durch seine engmaschigen Kontrollen und die Disziplin der Beteiligten zu den "Problemlösern".

Hörmann wirbt um Gunst der Politik

Den deutschen Basketball hat es schon vor dem ersten Tipp-off voll erwischt. Nach sechs Coronafällen beim Meister und Titelverteidiger Alba Berlin muss das Finalturnier um den BBL-Pokal, das eigentlich für den 1. und 2. November in München geplant war, verschoben werden. "Ich habe es ja gesagt: Wir kommen nicht unbeschadet durch die Saison", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz dem SID: "Nun hätte es nicht zwingend am ersten Wochenende sein müssen."

Und auch im Handball gibt es erste Verschiebungen. Am Dienstagabend wurde ein Europacupspiel der Rhein-Neckar Löwen kurz vor dem Anpfiff vom örtlichen Gesundheitsamt in Mannheim untersagt, da ein Teammitglied des slowenischen Gegners positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Die Hamburger Zweitliga-Handballer müssen aufgrund positiver Befunde bereits ein zweites Mal binnen weniger Wochen in Quarantäne. "Natürlich sind auch wir von den im ganzen Land steigenden Infektionszahlen betroffen, das überrascht uns nicht", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem sid: "Und wir wissen nicht, wo als nächstes eine Infektion von Spielern einschlägt. Aber bislang machen wir es sehr gut. Nichts läuft chaotisch, sondern sehr sortiert. Wir planen weiter, den Regelbetrieb durchzuführen."

DOSB-Chef Hörmann hebt den Vorbildcharakter des Sports hervor und wirbt um die Gunst der Politik. "Während viele Partys, Familienfeiern und sonstige Superspreader-Ereignisse quer durch die Gesellschaft zu verzeichnen sind, gibt es Vergleichbares im Sport nach unserer Kenntnis bis heute nicht", sagte der 60-Jährige und kündigte für die nächsten Tage ein nationales Hygienekonzept für alle Sportarten an. Doch auch Hörmann kann die Faktenlage nicht wegdiskutieren. Das Coronavirus hat den Sport wieder voll im Griff. Die Modernen Fünfkämpfer sagten ihre am Wochenende in Neuss vorgesehenen Titelkämpfe ebenso ab wie die Eisschnellläufer ihre in Inzell angesetzten Wettbewerbe.

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