Henry Mohr
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Entscheidung naht

Sport droht ein zweiter Corona-Lockdown

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Der Sport steht unter Schock. Der zweite Lockdown droht! Die seit Tagen steigenden Fallzahlen lassen das Schlimmste befürchten. Nur für den Amateur- oder auch für den Profisport ?

Das Lockdown-Szenario rückt mit den schier unaufhaltsam steigenden Fallzahlen näher. Der Sport steht spätestens seit dem vergangenen Wochenende unter Schock. Im Amateurbereich stehen die Zeichen zumindest auf einen - wie es Gesundheitsexperten befürworten - Kurz-Shutdown.

Auf Hessen- und Bezirksebene haben die Handballer die noch gar nicht richtig begonnene Saison zunächst einmal bis einschließlich 8. November wieder auf Eis gelegt. Im Basketball und Tischtennis gibt es noch keine grundsätzliche Unterbrechung des Spielbetriebes, aber in der Mehrzahl Verlegungen. Die Fußballer haben nach der Absagenflut der letzten Tage am Montag über den Landesverband eine Handlungsempfehlung an die politischen Entscheider in Wiesbaden gegeben.

Aufgrund der aktuellen Inzidenzzahlen haben analog zum Frühjahr die Sportverbände und -institutionen keine Entscheidungshoheit mehr. Wenn heute in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über weitere Corona-Maßnahmen beraten (Bericht Seite 13) und tags darauf auf Landesebene nach Lösungen gesucht wird, liegt das Gesetz des Handelns in den Händen der Politik. Ob sich die zu erwartenden Maßnahmen auf den gesamten Sport, also Profis wie Amateure gleichermaßen beziehen, wird eine der spannendsten Fragen sein. Denn daraus ergibt sich, lokal heruntergebrochen, ob der für 6./7. November beabsichtigte Saisonstart der Gießen 46ers in der Basketball-Bundesliga bzw. des EC Bad Nauheim in der Deutschen Eishockey-Liga 2 erfolgen kann. Ob die Profihandballer der HSG Wetzlar und des TV Hüttenberg weiter ihrer Arbeit nachgehen können, der RSV Lahn-Dill in die Rollstuhlbasketball-Bundesliga starten darf und die Regionalliga-Fußballer des FC Gießen die Saison fortsetzen können.

Während sich die Profisportler demnach in einem Schwebezustand befinden, dürfte für die Amateursportler hierzulande seit Montag bereits Klarheit herrschen. Die für Stadt und Landkreis Gießen geplante Allgemeinverfügung, die zur Abstimmung bereits in Wiesbaden vorliegt, sieht vor:

a) Schul- und Vereinssport, der in Gruppen stattfindet, ist nur noch im Freien und gegebenenfalls unter Auflagen möglich - dies gilt in Gemeinden mit einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 100.

b) Wettkampfveranstaltungen sind ab einer Sieben-Tage-Inzidenz des Landkreises über 100 nicht mehr zulässig.

Da die Sieben-Tage-Inzidenz für Stadt und Land aktuell bei 119 liegt, wäre dies gleichbedeutend mit einem Spiel- und Trainingsverbot in allen Sportarten. Landkreis-Pressesprecher Dirk Wingender erklärte auf Anfrage, dass in der geplanten Allgemeinverfügung des Landkreises kein Unterschied zwischen Profi- und Amateursport gemacht werde, wollte aber auch nicht ausschließen, dass es von politischer Seite her noch zu Differenzierungen kommen könne. Wingender: "Wir gehen davon aus, dass die neue Allgemeinverfügung im Laufe dieser Woche oder Anfang kommender Woche in Kraft treten wird." Im Moment arbeite man noch an der rechtlichen Umsetzung der Regelungen, die das Land Hessen durch das Corona-Eskalationskonzept vorgegeben habe.

Überdies haben die Gemeinden Pohlheim und Heuchelheim ihre Sportstätten bereits geschlossen.

Der Hessische Fußballverband hat am Montag die Lehren aus dem Absagen- Tohuwabohu vom letzten Wochenende gezogen und ausgerichtet am Eskalationskonzept des Landes der Politik eine einheitliche Handlungsempfehlung gegeben, um den jüngsten Flickenteppich zu vermeiden:

- Spielbetrieb mit bis zu 250 Zuschauern (Inzidenz bis 35)

- Spielbetrieb mit bis zu 150 Zuschauern (Inzidenz bis 50)

- Spielbetrieb bis zu 100 Zuschauern (Inzidenz bis 75)

- Spielbetrieb ohne Zuschauer (Inzidenz bis 100)

- Pausierung Spiel- und Trainingsbetrieb (Inzidenz über 100).

Für Henry Mohr, den Gießener Kreisfußballwart, rückt der Worst Case damit näher: "Bei einer Inzidenz von aktuell 119 befürchte ich, dass der Fußball auf Kreisebene erst einmal zum Stillstand kommt. Da wir uns mit Alsfeld im übergreifenden Spielbetrieb befinden, gehe ich davon aus, dass dies auch dort so sein wird." An eine Korrektur der Inzidenzzahlen nach unten glaubt Mohr nicht. ,, Wer weiß, ob wir bis April nächsten Jahres überhaupt noch einmal spielen können", ist das Ganze für ihn derzeit ein Schrecken ohne Ende.

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