Spitz setzt sich an die Spitze

(lad) Die Radsport-Szene Mittelhessens durfte sich am Sonntag über ein Großereignis der ganz besonderen Art freuen: Hatte der vom AMC Rodheim-Bieber ausgerichtete Dünsberg-Marathon dank makelloser Organisation und gleichermaßen sehenswerter wie anspruchsvoller Streckenführung schon in seinen ersten Auflagen Kultstatus erreicht, so wurde die vierte Auflage nun zum Schauplatz für die diesjährigen deutschen Mountainbike-Meisterschaften.

Dank des gut gewählten Zeitpunktes (wenige Wochen nach den Weltmeisterschaften) und der zentraldeutschen Lage fand sich auch tatsächlich ein Großteil der deutschen Spitzenklasse an der Biebertaler Großsporthalle ein, von wo aus die Strecke die deutlich über 700 Starter über den 500 Meter hohen Dünsberg führte. Unter anderem stellte sich mit Sabine Spitz die amtierende Cross-Country-Olympiasiegerin an der höchsten mittelhessischen Erhebung vor, die sich bei ihrem ersten Gastspiel in Mittelhessen auch gleich den nationalen Marathon-Titel der Frauen sichern konnte.

"Ich wusste, wann ich die Attacke setzen muss", erklärte die 38-jährige Breisgauerin, wie sie sich über die 86 km und 2130 Höhenmeter dank ihrer Stärke in den technischen Abschnitten durchsetzen konnte. Lange Zeit bildete sie mit Birgit Söllner und Elisabeth Brandau ein Spitzentrio, dem auch die Mitfavoritin Ivonne Kraft dicht auf den "Speichen" war. Als auf dem sehr selektiven Kurs mit vielen Richtungswechseln wieder die Technik gefragt war, konnte sie sich knapp 30 km vor dem Ziel absetzen und einen Minutenvorsprung auf ihre ärgste Verfolgerin Söllner herausfahren. Als sie nach 4:16:49 Stunden die Ziellinie überquerte, hatte dieser Vorsprung auf Söllner immer noch Bestand.

"Es hat sich gelohnt, dass ich hierhergekommen bin, auch unabhängig vom Sieg. Der Veranstalter hat sich sehr bemüht, ist unseren Anregungen für den Wettkampf entgegengekommen und es ist eine sehr schöne Strecke, die Spaß macht", freute sich die Starterin mit der Nummer eins, die die wichtigsten Teile der Strecke bereits am Vortag gründlich abgefahren hatte. Platz drei sicherte sich Kraft (4:28:41) vor Brandau (4:29:46).

Die Biebertalerin Kim Gerlach hatte ebenfalls den Start auf dieser Distanz angetreten, musste das Rad aber wegen eines Defektes bereits nach drei km wieder abstellen. Eine weitere (ehemalige) Olympiasiegerin stand als Zuschauerin an der Strecke: Die inzwischen in Biebertal lebende Petra Behle, die trotz großer Namen wie Uschi Disl, Andrea Henkel, Kati Wilhelm oder Magdalena Neuner mit neun Weltmeistertiteln nach wie vor die erfolgreichste deutsche Biathletin aller Zeiten ist: "So ein Wettkampf ist eine Kombination aus Ausdauer, Kraft und Technik, die ich als sehr anspruchsvoll einschätze. Ich habe sehr viel Respekt für alle, die diese Strecke schaffen", stufte die ehemalige Spitzensportlerin den Wert des Dünsberg-Marathons als sehr hoch ein.

Von der Breite her sogar noch besser besetzt als das Frauenrennen war das der Männer. Hier holte sich der Bietenhausener Jochen Käß seinen dritten Titel. Über die 107 km lange Strecke hatte lange Zeit eine fünfköpfige Spitzengruppe das Geschehen bestimmt, aus der sich Mitfavorit Karl Platt und Matthias Leisling nach 75 km beim Dünsberg-Anstieg verabschieden mussten. Mitfavorit Stefan Sahm hatte bereits zuvor alle Siegchancen durch einen Defekt eingebüßt. Wenige Kilometer vor dem Ziel konnte auch Wolfram Kurschat das Tempo von Käß und dessen Teamkollegen Moritz Milatz nicht mehr mitgehen, sodass diese zwei den Sieg unter sich ausmachten. Im Gegensatz zur Cross-Country-DM im Juli setzte sich diesmal Käß durch, und zwar in 4:25:53 Stunden nur um eine knappe Sekunde. Platz drei ging an Kurschat vor Leisling. In der Altersklasse Senioren II konnte sich der Biebertaler Ralf Platt mit dem siebten Rang gut platzieren und das beste mittelhessische Ergebnis auf der Marathon-Distanz verzeichnen, während der Wiesecker Martin Textor bei den Senioren I Elfter wurde.

Um die hessische Meisterschaft fuhr der Wettenberger Christopher Platt über die 54 km lange Kurzstrecke mit 1370 Höhenmetern in der Altersklasse U19. Platt wurde seiner Favoritenrolle zunächst gerecht und übernahm bis km 25 mit rund einer Minute die Führung, "aber dann kamen die Krämpfe und es ging nichts mehr. Einmal musste ich sogar absteigen", schilderte der 17-Jährige, wie er von der Konkurrenz eingeholt wurde, sich aber immerhin noch zum vierten Platz hinter Jan Preus, David Büschler und Vincent Günther ins Ziel quälte. Eine weitere Hessenmeisterschaft war zudem auf derselben Strecke bei den Juniorinnen ausgeschrieben, wo Isabell Gath von den AS LahnLändern Lahnau allerdings ohne Konkurrenz siegte.

Über die 54 km fuhren zudem die Aktivenklassen, jedoch ohne eine hessische Meisterschaft auszutragen. Bei den Senioren III siegte Kuno Steinmüller vom Gastgeberverein, während bei den Senioren II der Wiesecker Thomas Hockauf unter den 94 Finishern auf den hervorragenden dritten Platz kam. Fünf Plätze dahinter landete der Biebertaler Christoph Panz. Bei den Frauen kam die Gesamtsiegerin mit Birgit Jüngst-Dauber aus Willingen.

Auch im Programm - und für viele Hobby-Fahrer mit Sicherheit das attraktivste Angebot - war der 27 km lange Mini-Marathon mit 600 Höhenmetern. Hier war Mark Prins aus Limburg in 1:08 Stunden schnellster Radsportler des Tages: "Die Strecke war nicht so schlammig wie erwartet, da konnte man gut Tempo machen. Schade nur, dass man so schnell auf die 54-km-Strecke kam, wo einen die langsameren Fahrer etwas gebremst haben. Aber der Dünsberg ist super; hier kann man richtig geil fahren", strahlte der Sieger, der mit einem Vorsprung von eineinhalb Minuten auf den vor allem in Läuferkreisen bestens bekannten Lienhard Hersel aus Hanau-Rodenbach gewann.

Bei der A-Jugend konnte Jonas Steinmüller (AMC Rodheim-Bieber) mit seinem Sieg für das beste männliche 27-km-Resultat aus mittelhessischer Sicht sorgen; der Lahnauer Jakob Rauber wurde hier Dritter. Bei den Schülern schafften die Wiesecker Tim Becker und Fabio Rinn als Zweiter und Dritter den Sprung aufs Treppchen, während in der Seniorenklasse III dem Krofdorfer Peter Wessendorf der vierte Platz vor dem Gießener Matthias Rinn gelang. In den weiblichen Starterfeldern belegte AMC-Fahrerin Jana Steenbock den ersten Platz der Schülerinnen, während die Krofdorferin Frauke Grosch Siebte bei den Frauen wurde.

Sehr zufrieden mit dem Ablauf des Großereignisses, das seinen Zuschauern sogar den Service bot, das Rennen auf mehreren Leinwänden über vier Kameras live zu verfolgen (wenn diese das Angebot des kostenlosen Shuttle-Services zum Dünsberg nicht nutzen wollten), waren nicht nur die Fahrer und die Zuschauer, sondern auch Thomas Gerlach vom Veranstalter: "Die Leute waren durchweg positiv überrascht über den gelungenen und anspruchsvollen Kurs und die freundlichen Streckenposten - viele hätten so etwas hier in der Region gar nicht erwartet. Es spricht nichts dagegen, das zu wiederholen."

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