Spielverbot für den GSV Hellas Gießen

(se) Fußball-B-Ligist GSV Hellas Gießen wird nach einem Urteil des Kreissportgerichts vom Dienstag unter der Leitung von Joachim Schaffer mit einem Spielverbot von sechs Monaten belegt und außerdem zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.

Das Kreissportgericht sah es als erwiesen an, dass zwei nicht spielberechtigte Spieler auf Pässen anderer Fußballer für den GSV Hellas mitgewirkt hatten.

Der Fall ist unstrittig. Ragip T., der Trainer des B-Ligisten, räumte vor dem Sportgericht ein, zwei Spieler auf Pässen anderer spielen gelassen zu haben. "Dabei", so die Ausführungen des Sportgerichts, "wurden Passfotos ausgetauscht und Unterschriften gefälscht." Der Trainer bekannte sich zu seinen Taten. "Ich habe einen großen Fehler gemacht", räumte er ein, wollte aber damit erreichen, dass Hellas eine spielfähige Mannschaft im Spiel gegen Espanol am 13. November 2011 stellen konnte. Einen sportlichen Vorteil oder eine Benachteilung anderer sah T. nicht. "Ich wollte nur verhindern, dass noch weitere Spieler den Verein verlassen." Der punktlose Tabellenletzte der B-Liga-Gruppe 2 hatte von vornherein keine Chance. In diesem Spiel wurde dann ausgerechnet einer der beiden nicht berechtigten, unter falschem Namen mitwirkenden Spieler des Feldes verwiesen, der anschließend dann auch noch den Spielabbruch verursachte.

Als der vermeintliche "Übeltäter" nach dem Sportgerichtsurteil gesperrt wurde, flog die Sache auf, denn dieser hatte vor Saisonbeginn den SV Hellas verlassen und sich BW Gießen angeschlossen, wo er unter einem neuen Pass spielte. Er konnte also den Spielabbruch gar nicht verursacht haben. Der alte, noch dem SV Hellas vorliegende Pass wurde dann von T. gefälscht (Bildbeispiel), sodass ein anderer, nicht spielberechtigter Fußballer unter falschem Namen eingesetzt werden konnte.

"Ich habe von den Passfälschungen nichts gewusst", stellte Efstratios Pananis, der 1. Vorsitzende des GSV Hellas, fest, der sich über die hohe Strafe empörte. "Das macht unseren Verein kaputt", ergänzte der Vorsitzende. Schaffer verwies bei der Höhe des Strafmaßes auf die Strafordnung des Hessischen Fußball-Verbandes.

Vier Sachverhalte hatte das Sportgericht zu bewerten: Den Spielabbruch am 13. November, die Urteilsaufhebung der Verhandlung am 14. Dezember (der Blau-Weiß-Spieler war ja im Beisein von Hellas-Verantwortlichen zu Unrecht gesperrt worden) sowie die Urkundenfälschung und das Spielen ohne Spielberechtigung. Die Höhe der Geldstrafe liegt unterhalb der Höchststrafe, beim Spielverbot schöpfte das Kreissportgericht den Strafrahmen voll aus. Die beiden Spieler, die für Hellas Gießen unter falschem Pass eingesetzt wurden, wurden mit Platzverboten von einem bzw. drei Jahren bestraft. Außerdem bleibt die Spielwertung mit 3:0 Toren bei drei Punkten für Espanol Gießen bestehen.

Trainer T. wurde mit einem Platzverbot und einem Verbot der Ausübung der Vereinstätigkeit von zwei Jahren belegt. Auf Anfrage berichtete T., dass er einen Einspuch gegen dieses Urteil in Erwägung ziehe.

Ein weiteres Vereinsmitglied, das aus privaten Gründen nicht zur Verhandlung erschienen war und seit vielen Jahren als Schiedsrichter tätig ist, hat nach Angaben des Kreisrechtsausschusses die Handlungen des Trainers gedeckt, dem Referee den falschen Pass ausgehändigt und in der Sportgerichtsverhandlung am 14. Dezember eine Falschaussage getätigt. "Dieses Verhalten hat zur Konsequenz, dass das Kreissportgericht angeordnet hat, diese Person von der Schiedsrichterliste zu streichen", heißt es im Urteil. Pananis erklärte dagegen, dass dieser Vereinsmitarbeiter von den Fälschungen nichts gewusst habe.

Zur Verhandlung am Dienstag waren 13 Hellas-Spieler als Zeugen vorgeladen; diese erschienen nicht, sodass der Verein außerdem eine Strafe in Höhe von 650 Euro (50 pro Spieler) bezahlen muss. Pananis machte geltend, dass die Einladung (Ausgang: 27. Dezember) zu kurzfristig erfolgt sei, um die Spieler zu benachrichtigen. T. hat eigenen Angaben zufolge sechs erreicht, die aber aus verschiedenen Gründen nicht zur Verhandlung gekommen waren. Dem hielt Schaffer entgegen, dass die Spieler bereits zur Verhandlung am 14. Dezember vorgeladen worden und dennoch nicht erschienen seien.

Weiterhin werden Hellas noch die Kosten des Verfahrens auferlegt. Das Kreissportgericht kündigte an, den Vorgang der Staatsanwaltschaft Gießen zur Überprüfung vorzulegen.

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