Kristian Gaudermann ist überzeugt, dass er mit seinem TSV Eintracht Stadtallendorf noch den Klassenerhalt schafft. FOTO: VOGLER
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Kristian Gaudermann ist überzeugt, dass er mit seinem TSV Eintracht Stadtallendorf noch den Klassenerhalt schafft. FOTO: VOGLER

Kristian Gaudermann

Der Spielführer geht voran

Für Eintracht Stadtallendorf läuft es sportlich bisher nicht rund in der Regionalliga. Trotz Platz 22 gibt sich Kapitän Kristian Gaudermann nicht geschlagen und vertraut weiter auf die Stärken des Teams.

Seit 2016 schnürt Kristian Gaudermann aus dem Laubacher Ortsteil Wetterfeld die Fußballschuhe für den TSV Eintracht Stadtallendorf. Zuvor war der Defensivspieler beim VfB 1900 Gießen und in der Jugend der TSG Wieseck aktiv. Wir haben mit dem Spielführer gesprochen.

Herr Gaudermann, Sie haben die ersten zwölf Spiele der Saison hinter sich. Wie lautet das bisherige Saisonfazit- und wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Also, wir sind jetzt Letzter, das ist Fakt. Die Stimmung ist trotz der Platzierung aber absolut in Ordnung. Die Jungs würden sich natürlich alle einen besseren Tabellenstand und mehr Punkte wünschen, aber wir stehen nun mal da unten. Wir hatten Spiele, wo wir gut gespielt, viel Aufwand betrieben, aber uns leider nicht belohnt haben, und dann hatten wir auch Spiele, wo wir ganz klar unterlegen waren.

Durch die Unterbrechung des Spielbetriebs können Sie derzeit nur individuell trainieren. Wie genau läuft dieses Training ab?

Wir haben auch während des Trainingsbetriebes individuelle Trainingspläne, wo der Fokus auf Kraft und Ausdauer liegt. Jetzt haben wir von unserem Athletiktrainer natürlich das spezielle Ausdauerlaufen mit an die Hand bekommen. Es ist eine Mischung aus Ausdauer sowie Kraft- und Stabilisationsübungen.

Sowohl in der Vorbereitung als auch danach musste die Eintracht verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern verkraften, von denen einige immer noch fehlen. Gibt es einen Spieler, der dem Team besonders fehlt?

Ich will jetzt eigentlich keinen hervorheben, weil jede Verletzung und jeder Wegfall schmerzt. Aber wenn du einen Spieler wie Kevin Vidakovics hast, der schon viele Jahre dabei, Kapitän und auch Mittelpunkt der Abwehr ist, dann ist das nicht nur auf dem Platz schwer zu ersetzen, sondern auch neben dem Platz. Mit ihm und "Dusko" Olujic haben wir gleich zu Beginn zwei Stammkräfte verloren, allerdings haben wir auch noch Langzeitverletzte wie Matthias Pape, Perry Ofori oder Ibo Aral. Das sind alles Ausfälle, die sehr schmerzhaft sind.

Durch den langfristigen Ausfall von Kevin Vidakovics tragen Sie die Kapitänsbinde. Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?

Es ist jetzt mein fünftes Jahr in Stadtallendorf, sodass ich auch so schon ein bisschen Verantwortung innehabe. Ich bin eine energetische Person, die nicht nur aufgrund von Verantwortungsbewusstsein, sondern auch gerne mal so die Jungs bei Laune halten möchte. Deswegen hat sich auch nicht riesig was geändert. Ich versuche mich gegenüber den Jungs normal zu verhalten und authentisch zu bleiben. Das ist nämlich das Wichtigste, denn nur weil ich jetzt die Binde am Arm trage, heißt das nicht, dass ich jetzt lauter schreie oder besser bin als vorher.

Einer der Pechvögel bislang war wohl Laurin Vogt, der gleich in mehreren Spielen Aluminiumtreffer verzeichnete und gute Chancen nicht nutzen konnte. Denken Sie, dass ihm sein erstes Saisontor gegen Großaspach dabei hilft, wieder zu seiner Form zu finden?

Absolut! Pechvogel würde ich nicht ganz unterschreiben, ich würde sagen, dass er im Moment nicht ganz das Vertrauen bekommen hat, das er vielleicht hätte bekommen sollen. In den Situationen hat er das Tor nicht gemacht und manchmal entscheiden Bruchteile, ob das Ding reingeht. Laurin ist aber trotzdem jemand, der seine Qualität über Jahre bewiesen hat, und er wird auf jeden Fall über den Treffer zu neuem Mut gekommen sein, den er aber meiner Meinung nach jedes Wochenende wieder auf dem Platz gebracht hat.

Wenn man die Spiele der Eintracht verfolgt, fällt einem auf, dass die Mannschaft oft in einem Spiel zwei verschiedene Gesichter zeigt. Sowohl gegen Schott Mainz als auch gegen den Bahlinger SC verspielte man eine 2:0-Halbzeitführung. Im letzten Spiel gegen Großaspach folgte jedoch auf einen 0:3-Pausenrückstand eine couragierte zweite Halbzeit, sodass am Ende ein knappes 2:3 stand. Wie erklären Sie sich diese Schwankungen?

Ich würde eher sagen, dass ein gewisser Negativtrend zu sehen war: Wenn wir ein frühes Gegentor fangen, dann passiert es relativ schnell, dass wir die Formation und Struktur nicht halten. Erst mal sicher zu stehen und dann vielleicht nach vorne zu agieren, stattdessen fangen wir ein Tor und dann ist erst mal Chaos bei uns im Spiel. Das weiß der Gegner manchmal auszunutzen und schiebt uns dann noch einen rein. Das liegt vielleicht auch daran, dass ein Spieler wie Kevin Vidakovics fehlt, der noch mal mehr für Ordnung gesorgt hat. Insgesamt haben wir auch das Pech gehabt, dass uns der eine oder andere Fehler das Genick gebrochen hat, sodass wir nicht mehr ins Rollen kamen, wie gegen Großaspach, wo wir erst in der letzten Viertelstunde reingekommen sind.

Was zeichnet die Mannschaft und den Verein aus?

Also Zusammenhalt auf jeden Fall - und das spiegelt ja auch die Stimmung wider, auch wenn wir Letzter sind. Diesen Faktor hast du bestimmt nicht in anderen Mannschaften. Du hast Freude da, das sind absolut Freunde, die Jungs! Klar, man betreibt das Ganze als Hobby und auch als Sport, und irgendwo ist es doch ein bisschen mehr als ein Hobby. Die Jungs, die du manchmal öfter siehst als deine Familie, sind ein bisschen mehr als Mitspieler, und das ist in diesem Verein die Philosophie. Ich freue mich immer, zum Training zu kommen, und glaube, den Jungs geht es genauso.

Könnten Sie sich trotzdem vorstellen, bei einem interessanten Angebot noch einmal etwas Neues auszuprobieren?

Also ich plane auf jeden Fall mit Eintracht Stadtallendorf (lacht)! Ich habe erst meinen neuen Vertrag unterschrieben (bis 30. Juni, 2022, Anm. d. Red.) und studiere in Gießen Lehramt, ich habe meine Familie und Freunde hier und das ist so super, das gibt es nicht so oft.

Zum Abschluss ein kleiner Ausblick in die Zukunft: Schafft die Eintracht den Klassenerhalt - und wenn ja, warum?

Die Eintracht schafft natürlich den Klassenerhalt, weil sie durch Zusammenerhalt, Kampfgeist und Willen die Qualität wiederfinden wird, um die Punkte zu holen. Den Aufwand, den wir bisher betrieben haben, müssen wir belohnen, und das werden wir in den nächsten 30 Spielen machen.

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