Die Kommunikation innerhalb der Vereine kann derzeit nur via E-Mails, Telefon und Smartphone erfolgen. Sitzungen sind nicht möglich. Hombergs Vorsitzender Marco Stula informiert seine Vorstandskollegen auf elektronischem Wege.
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Die Kommunikation innerhalb der Vereine kann derzeit nur via E-Mails, Telefon und Smartphone erfolgen. Sitzungen sind nicht möglich. Hombergs Vorsitzender Marco Stula informiert seine Vorstandskollegen auf elektronischem Wege.

Breitensport

Sorgen, aber keine Ängste im Vogelsbergkreis

  • Christoph Sommerfeld
    vonChristoph Sommerfeld
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Während die professionell betriebenen Vereine um die Existenz bangen, hat der Breitensport nicht ganz so große Sorgen. Ein Blick nach Homberg, Gemünden und Alsfeld.

Es sollte ein Festjahr werden, ein Jahr mit einer ausgelassenen Feier. Der TSV Burg-Nieder-Gemünden hatte seinen Festkommers zum 100-jährigen Bestehen für den 17. April geplant. Nach der Jahreshauptversammlung musste nun auch diese Veranstaltung abgesagt werden, der viele Einwohner der Gemeinde im westlichen Vogelsbergkreis schon entgegengefiebert hatten.

Auch das sportliche Treiben ruht: Fußball, Gymnastik, Badminton. Sogar die Mitglieder, die sich in der Faschingsabteilung des TSV engagieren, können sich nicht zu ihren Nachbesprechungen treffen. Der Vorstand bleibt unterdessen handlungsfähig. "Wir reden über Telefon- oder Videokonferenzen miteinander", verrät Vorsitzender Tobias Reitz. "Entscheidungen werden via E-Mail weitergegeben."

An der Tür zum Vereinsheim in Nieder-Gemünden hängt ein rot-weißes Schild, das noch mal deutlich auf die Ausnahmesituation hinweist. Hier sitzen normalerweise die Leute gemütlich bei ihrem Bier und sehen sich Live-Fußball an. Alles derzeit nicht möglich. Immerhin buchen Sky und DAZN während der Flaute keine Gebühren für das Vereinsabo ab. "Selbst die GEZ hat geschrieben, dass der Beitrag für die entsprechende Zeit nicht erhoben wird", sagt Reitz.

Die Fußballer motivieren sich unterdessen über ihre Whatsapp-Gruppen. "Jeder stellt da rein, was er zu Hause so macht. Das ist mal Spaß, mal Ernst." Solidarität wollen die Gemündener ebenfalls zeigen: Sie beteiligen sich an der Aktion Einkaufshilfe der Katharinengemeinde.

Keine sehr hohen laufenden Kosten

Beim TV Homberg ist der Sport-, Übungs- und Kursbetrieb bis vorerst 20. April ausgesetzt. Darüber informiert die Homepage des 870 Mitglieder starken Vereins. Für den 20. März war ein Helferfest geplant, an dem die ehrenamtlichen Unterstützer des Rasenhandballturniers auf ihre Kosten kommen sollten - abgesagt. Ebenso auf unbestimmte Zeit verschoben ist die für vergangenen Freitag angesetzte Jahreshauptversammlung. Noch davor hatte der Landessportbund darauf hingewiesen, dass es in diesem Fall günstig ist, einen Passus in der Satzung zu haben, der darauf hinweist, wie die Vertretung des Vereins nach außen geregelt ist, wenn der Vorstand nicht gewählt werden kann. "Ein Teil des Vorstands hätte tatsächlich neu gewählt werden müssen", erklärt TVH-Vorsitzender Marco Stula, der mit seinen Kollegen nur noch auf elektronischem Wege kommunizieren kann. "Aber wir haben auch einen entsprechenden Absatz in der Satzung stehen." Der Vorstand bleibt demnach solange im Amt, bis ein neuer gewählt ist.

Wie die meisten Breitensportvereine machen sich die Homberger keine ganz großen Sorgen um ihre Existenz. Als laufende Kosten fallen die Miete für den recht kleinen Raum an, der als Geschäftsstelle genutzt wird, sowie das Gehalt der dortigen Mitarbeiterin, die nach Stunden bezahlt wird. "Keine sehr hohen Kosten", sagt Stula, der allerdings glaubt, dass im kommenden Jahr noch Nachwirkungen der Krise zu spüren sein dürften. "Wir haben einige lokale Sponsoren, die das Geld demnächst selbst gut gebrauchen können." Zudem hofft der Vorsitzende darauf, dass die Mitglieder dem Verein die Treue halten. Mit einem kleinen Zuwachs im zweiten Jahr in Folge hatte man sich an der Ohm ganz gut entwickelt.

Trainer werden nach Stunden bezahlt

Mit Einschränkungen leben müssen derweil auch die Leichtathleten des Alsfelder SC. Immerhin sind die Großsporthalle und das Erlenstadion derzeit nicht zugänglich. "Aber in der Leichtathletik ist es ja typisch, dass die Trainer ihren Schützlingen individuelle Pläne geben", sagt Vorsitzender Erich Falk. "Läufer und Springer können noch etwas machen, Werfer sind da schon eingeschränkter."

Beim ASC rechnen die Trainer ihre gehaltenen Stunden mit dem Verein ab. "Es gibt keine Verträge", sagt Falk. Die Stundenzahl reduziert sich in diesen Zeiten. Für die Wettkampfathleten war in der ersten Osterferienwoche ein Trainingslager in Südtirol geplant - zusammen mit dem LAV Dietzhölztal. Das kann nicht stattfinden. Die Verträge (Bus, Unterkunft, Trainingsstätte) sind vom Verein in Dietzhölztal abgeschlossen. Hier entstehen aber keine Kosten. Die bereits gezahlten Beträge wurden erstattet. Nicht vorstellbar für Falk ist derzeit auch die Durchführung der Kreiseinzelmeisterschaften am 3. Mai im Erlenstadion.

Schwierige Zeiten zwar für die heimischen Vereine, aber immerhin keine existenzgefährdenden. Und: Es gibt eine Zeit nach Corona. In Alsfeld, in Homberg und im übrigen Vogelsbergkreis. Beim TSV Burg-Nieder-Gemünden bleibt 2020 übrigens ein Festjahr. Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen sind nicht ersatzlos gestrichen. Nachholtermin ist der 17. Oktober.

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