Sorgen bei LTi 46ers

(kus) Björn Harmsen ist derzeit nicht um seinen Job zu beneiden. Der Trainer der LTi Gießen 46ers hat nicht nur durch den gedrängten Zeitplan rund um die Feiertage viel Arbeit mit Spielvor- und -nachbereitungen. Er muss sich auch um neues Personal kümmern.

So nutzte er am Dienstag, dem Tag nach der 56:64-Niederlage gegen die Fraport Skyliners Frankfurt, seine Kontakte, um möglichst schnell einen Ersatz für den verletzten Maurice Jeffers zu verpflichten. Denn eines wurde auch im Hessenduell deutlich: Die Gießener brauchen dringend Verstärkung, um im harten Existenzkampf in der Basketball-Bundesliga bestehen zu können.

Zumal noch völlig offen ist, wie lange der bisherige Gießener Topscorer, der schon in den vergangenen drei Begegnungen wegen einer Arthrose und Knorpelproblemen nicht zur Verfügung stand, ausfallen wird. "Wir haben vereinbart, ihm diese und nächste Woche eine Pause zu geben. Dann sehen wir weiter", erklärt Harmsen. Im Extremfall droht dem 32-jährigen Flügelspieler sogar der Ausfall bis zum Rundenende. "Man muss immer mit dem Schlimmsten planen und auch davon ausgehen, dass er diese Saison gar nicht mehr spielen könnte", sagt der Trainer. Diesen Umstand hat er bei der Suche nach einem Ersatz im Hinterkopf. Einige Kandidaten hat er auch schon auf den Zettel.

Guter Spieler für kleines Geld

"Der Markt gibt schon etwas her. Aber es ist natürlich schwierig, mit kleinem Budget einen wirklich guten Spieler zu verpflichten", macht er die Problematik der LTi 46ers deutlich. Dennoch hofft er, schon bis zum nächsten Spiel am Sonntag (16 Uhr) beim Spitzenteam ratiopharm Ulm einen neuen Forward an Bord zu haben.

"Unsere Schwierigkeit ist, dass wir in der Offensive keinen verlässlichen Faktor haben. Es ist auch als Trainer schwierig zu erkennen, wer gerade einen super Tag erwischt hat", bringt Harmsen das Hauptproblem seiner Mannschaft auf den Punkt. Gegen Frankfurt war es Elvir Ovcina, der mit einem Klasse-Auftritt die LTi 46ers im Spiel hielt. Er bekam aber zu wenig Unterstützung von seinen Kollegen – neben dem Center-Routinier punktete kein Akteur zweistellig. Auch Barry Stewart nicht, der noch beim vergangenen Heimspiel (61:62 gegen Braunschweig) die Hauptlast im Angriff getragen hatte. Im Hessenderby wirkte das Angriffsspiel der Gießener ohnehin überhastet und planlos. Am besten ließ sich dieses Problem an Pointguard Radenko Pilcevic festmachen. Er startete katastrophal in die Begegnung, leistete sich schon im ersten Viertel drei Ballverluste und war nicht in der Lage, sich zu steigern und dem Team die dringend benötigte Struktur zu geben.

Trostloses Bild

In den letzten 4:12 Minuten der Begegnung, in denen die LTi 46ers keinen erfolgreichen Angriff mehr zustande brachten, suchte Pilcevic gleich dreimal den Abschluss. Das war nicht im Sinne des Trainers. Er hatte seinen Spielern mitgegeben, konsequent das Brett zu attackieren. Das passierte in der zweiten Hälfte viel zu wenig, sodass die mit nur einer Siebener-Rotation operierenden Skyliners nicht annähernd in Foulprobleme gerieten.

Es passte ins trostlose Bild des Montagabends, dass die LTi 46ers auch technische Probleme in des Wortes ursprünglichem Sinne hatten: Die 24-Sekunden-Uhr an den Korbanlagen funktionierte nicht. Ursache sei ein Softwarefehler, hieß es von Klubseite. Und die beiden für Spieler und Zuschauer nur schlecht zu sehenden Behelfsuhren in den Ecken des Spielfelds ließen sich nicht auf das aktuelle Reglement einstellen – wenn nach einem Foul bei weniger als 14 Sekunden Restzeit bis zum Abschluss die Shotclock auf eben diese 14 Sekunden gestellt werden musste, hieß es zehn Sekunden warten, bis die Uhr von 24 heruntergelaufen war.

Teurer Defekt

Ein Defekt, der die LTi 46ers teuer zu stehen kommt. Denn sie werden von der BBL mit einer Geldstrafe belegt, wie BBL-Sprecher Dirk Kaiser gegenüber dieser Zeitung erklärte. Die Strafe liegt laut Kaiser "wahrscheinlich im niedrigen vierstelligen Bereich" – niedrig bedeutet nach Definition des Pressesprechers unter 2000 Euro. Es ist nicht das erste Mal, dass die Gießener wegen ihrer Anzeigetafel in dieser Saison zur Kasse gebeten werden. Denn die entspricht nicht den Statuten, die verlangen, dass auf den Anzeigetafeln auch die erzielten Punkte eines Spielers dargestellt werden – das ist in der Osthalle derzeit nicht möglich. Zwar haben die LTi 46ers sich mit der BBL auf eine Ausnahmeregelung geeinigt, sind aber laut Kaiser schon zweimal mit Strafen zwischen 1000 und 2000 Euro wegen der fehlenden Kategorie belegt worden.

Marketingmanager nötig

Und die BBL macht Druck, hat den Gießenern eine Frist gesetzt: Nach Angaben ihres Sprechers muss innerhalb der nächsten zwei Wochen eine den Regeln entsprechende Tafel in der Osthalle zur Verfügung stehen – ansonsten wird die nächste Überweisung nach Köln fällig, wobei der Strafenkatalog bei Verletzung der BBL-Standards eigentlich 3000 Euro pro Partie vorsieht. LTi-46ers-Geschäftsführer Christoph Syring sieht allerdings kein Problem, die aktuelle Frist der BBL einzuhalten: "Es ist mit Software nicht getan, es muss auch neue Hardware installiert werden. Wir haben das aber gemeinsam mit der Stadt beauftragt und die Anlage wird demnächst eingebaut", sagte Syring gegenüber der AZ.

Deutlicher teurer wird es für die Gießener, wenn sie nicht bald einen neuen Marketingmanager einstellen. Nach dem Abgang von Dirk Schäfer zum 31. Dezember haben die LTi 46ers diesen Job noch nicht neu besetzt – müssen sie aber nach den BBL-Lizenzstatuten: Denn unter § 7 ("Nachweis der ordnungsgemäßen kaufmännischen Einrichtung des Geschäftsbetriebs") steht, dass jeder Erstligist einen hauptamtlichen Marketingmanager beschäftigen muss. Ein Verstoß kostet laut Strafenkatalog zwischen 10 000 und 30 000 Euro pro Saison.

Allerdings zeigt sich die BBL laut Kaiser kulant. "Grundsätzlich sind das Prozesse und die Übergänge nicht immer fließend. Das verstehen wir", sagt er. Allerdings erwarte die Ligazentrale schnellstmöglich, dass ein Nachrücker benannt wird. Auch in diesem Punkt zeigte sich Syring gegenüber der AZ gelassen, die Forderungen der Liga zu erfüllen: "Wir werden auf jeden Fall jemanden haben, der mit den Statuten in Einklang zu bringen ist." Dies muss aber nicht unbedingt der eigentliche Schäfer-Nachfolger sein. Der, stelle der Geschäftsführer in Aussicht, könne aber nach aussichtsreichen Gesprächen "schon bald" präsentiert werden.

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