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Auf dem Weg ins Waldstadion: Der 28-jährige Erdinc Solak wechselt mit sofortiger Wirkung zum FC Gießen. (Foto: imago)

FC Gießen

Solaks Rückkehr mit Ansage

Die Verpflichtung von Erdinc Solak muss nicht der letzte Transfer von Fußball-Hessenligist FC Gießen in diesem Winter gewesen sein.

Rund 15 Minuten braucht Erdinc Solak künftig, um an seine Spielstätte zu fahren: Der in Wißmar wohnende 28-Jährige zeigt seine fußballerischen Offensivkünste im Jahr 2019 im Gießener Waldstadion. Dem FC Gießen ist damit ein Transfer mit Ansage gelungen. Solak, in Gießen geboren und jedem Fußball-Sympathisanten ein Begriff, wurde seit seiner Vertragsauflösung in der Winterpause in Stadtallendorf kontinuierlich mit dem FC in Verbindung gebracht.

Am gestrigen Donnerstag nun bestätigte der Verein die Verpflichtung bis zum Sommer. "Dann setzen wir uns wieder zusammen", sagte der Stürmer. Es muss nicht der letzte Winter-Transfer des FC Gießen gewesen sein. Gut möglich, dass die Rot-Weißen noch einen Hochkaräter im Winter verpflichten. FC-Trainer Daniyel Cimen sagte dazu gestern: "Ich will es nicht ausschließen. Der Verein wird definitiv keine Ablöse im Winter zahlen und es muss ein Transfer sein, der über den Sommer hinaus Sinn macht."

Solaks Verpflichtung macht aus mehreren Aspekten Sinn: Der 28-Jährige verfügt über Regionalliga-Erfahrung, kam in den letzten eineinhalb Jahren in Stadtallendorf dort auf 20 Torbeteiligungen. Solak gilt als begnadetes fußballerisches Talent, dem es zuweilen am letzten Willen mangelt. Durch den langfristigen Ausfall von Stoßstürmer Markus Müller (Nieren-Operation) wurde eine vakante Position adaqäut ersetzt.

Und: Solak ist in Gießen geboren, wohnt in Wißmar und sagt über sich selbst: "Ich bin Gießener durch und durch." Er spielte bereits für den VfB 1900 Gießen und den SC Teutonia Watzenborn-Steinberg, beide Vereine also, die im Sommer zum FC Gießen fusionierten. Sein Wechsel kann getrost als Rückkehr ins Waldstadion bezeichnet werden.

Ein Fragezeichen stand zunächst hinter dem zeitlichen Rahmen. Solak begründete seine Vertragsauflösung in Stadtallendorf so: "Es war von der Zeit und der Fahrerei her zu viel für mich. 45 Minuten hin und 45 Minuten zurück, wir haben häufig länger als eineinhalb Stunden trainiert." Der FC Gießen, der in die Regionalliga strebt und unter Profibedingungen trainiert, scheint da zunächst nicht die passende zeitgünstige Alternative zu sein. Unter anderem deshalb nimmt man Solak den Wechsel in Stadtallendorf auch übel: "Als Fan fühlt man sich von dir verarscht", lautet nur einer der Kommenater in den Sozialen Netzwerken. Kritik am "Söldner" Solak wurde laut.

Der Vater eines sechs Monate alten Kindes arbeitet zwar 40 Stunden die Woche in einem Maschinenbauunternehmen, übernimmt dort aber regelmäßig die Frühschicht und hat um 15 Uhr Feierabend. Die Trainingseinheiten, in der Vorbereitung um 16 Uhr, während der Saison um 17 Uhr, seien kein Problem – Solak spart durch die kürzere Fahrt Zeit.

Eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus ist denkbar. "Erdinc ist ein Spieler, der für beide Ligen interessant ist", sagt Cimen über Solak, der im November 2015 nach eineinhalb Jahren in Watzenborn-Steinberg gehen musste, damals vor allem, weil Trainer Daniel Steuernagel in seinem laufintensiven Spiel wenig Platz für Solak sah. Der Stürmer ist eher als Freigeist zu bezeichnen. Angesichts seiner technischen Fähigkeiten sagte Gino Parson 2015 über Solak: "Ich himmel den Jungen an."

Die Verpflichtung ist in gewisser Art und Weise auch als Vorgriff für die neue Saison zu sehen. Aktuell weist der FC Gießen in der Fußball-Hessenliga als Tabellenführer zur Winterpause acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten Bayern Alzenau auf. Vor dem Dritten KSV Hessen Kassel liegen sogar 15 Zähler. Der Aufstieg in die Regionalliga Südwest im Mai 2019 ist äußerst wahrscheinlich – und einige personelle Veränderungen werden damit einhergehend garantiert kommen.

Die Restrunde in der fünften deutschen Spielklasse beginnt für die Gießener am 24. Februar mit einem Gastspiel beim VfB Ginsheim. Am 14. Januar steigen die Rot-Weißen wieder in die Vorbereitung ein.

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