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So schaut Gießens Trainer Michael Anderl den Super Bowl: »Beide stehen verdient im Finale«

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Von: Sven Nordmann

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imago1009485026h_030222_4c_1 © Imago Sportfotodienst GmbH

In der Nacht auf Montag steigt mit dem Super Bowl das größte Sportereignis der Welt. Michael Anderl, Headcoach der Zweitliga-Footballer aus Gießen, spricht über Ablauf, Brady und Dragons.

Noch immer kribbelt es«, räumt Michael Anderl, Headcoach der Gießen Golden Dragons, im Gespräch vor dem Super Bowl (14. Februar, 0.30 Uhr, live auf ProSieben) ein. Der 48-jährige Kinzenbacher Sportliebhaber spricht über das Finale der National Football League (NFL), Tom Brady und sein Team, das in Wieseck nach dem Aufstieg nun wieder Zweitliga-Football anbietet.

Herr Anderl, wie sieht der Super Bowl in der Nacht von Sonntag auf Montag bei Ihnen zuhause aus?

Ich freue mich sehr darauf und werde es mir mit Football-Freunden aus früheren Zeiten anschauen. Vor der Pandemie konnten wir mit unserem Partner Kinopolis ja Gießener Public Viewing für den Super Bowl anbieten. Das wurde damals auch gut genutzt, ich glaube im Jahr ohne Eintritt waren rund 400 Zuschauer im Kinosaal, im Jahr mit Eintritt immer noch die Hälfte. Vielleicht klappt das nächstes Jahr ja wieder.

Wie läuft das Jahres-Highlight für Footballer kulinarisch bei Ihnen ab?

Bei mir artet das nicht so aus - wir werden ein paar Bier trinken und Chips essen. Ich kenne einige, die sich Chicken Wings machen und das auch auf diese Art und Weise zelebrieren. Auch viele aus unserer Mannschaft werden das Finale zusammen gucken. Es macht einfach mehr Spaß mit Gleichgesinnten.

Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse zwischen den Los Angeles Rams und den Cincinnati Bengals ein?

Die NFL war in dieser Saison eng beieinander, das hat man auch an den spannenden Spielen in den Playoffs gesehen. Ich hoffe, dass sich das auch im Super Bowl fortsetzt. Weil die Teams nah beieinander liegen, kommt es auf die Tagesform an. Beide stehen verdient im Finale. Sowohl die Rams als auch die Bengals verfügen über ein super Passspiel, starke Individualisten in der Defensive und jeweils sehr gute Quarterbacks mit Matthew Stafford und Joe Burrow.

Vor wenigen Tagen hat der erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte, Tom Brady, seine Karriere mit 44 Jahren beendet. Was denken Sie darüber?

Er hat eine krasse Karriere hingelegt. In dem Alter noch auf so einem Level zu spielen, war Wahnsinn. Viele werden sich jetzt sicherlich freuen, weil sie einen großen Konkurrenten weniger haben. Für den Sport ist es traurig. Tom Brady war weltweit ein Aushängeschild.

In seiner Abschiedserklärung schreibt Tom Brady unter anderem: »Ich habe immer daran geglaubt, dass Football ein All-In-Vorschlag ist. Wenn es keine hundertprozentige Verpflichtung, kein hundertprozentiges Engagement gibt, wirst du keinen Erfolg haben. Und Erfolg war das, was ich an unserem Spiel so sehr geliebt habe.«

Er lebt diesen Sport das ganze Jahr über, 365 Tage lang. Das ist der Grund, weshalb er so erfolgreich war über all die Jahre. Der Spruch, dass dich Talent nur bis zu einem gewissen Punkt bringt und es von da an nur mit harter Arbeit weiter geht, gilt im Football noch mehr. Tom Brady wurde einst in der sechsten Runde gedraftet. Das ist nicht wirklich besonders. Er hat sich all das erarbeitet. Viele Neider vergessen das.

Sie sagen, dass Tom Brady den Sport 365 Tage lang gelebt hat. Die Saison selbst dauert aber nur fünf Monate an.

Du musst deinen Körper auf diese fünf Monate intensiv vorbereiten. Ich weiß, dass viele NFL-Profis in der Offseason einen Personal Coach engagieren und diesen von ihrem privaten Geld bezahlen, um besser zu werden. Tom Brady war in dieser Hinsicht ein Fanatiker, ist auch in Puncto Ernährung neue Wege gegangen. Er ist für jeden Sportler ein absolutes Vorbild. Er ist jemand, der sich hochgearbeitet hat und sich trotz der Erfolge nie ausgeruht hat. Deswegen ist Tom Brady ein perfektes Leitbild für junge Sportlerinnen und Sportler.

Also auch für Ihre junge Generation bei den Gießen Golden Dragons, die ihren Teil zum Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga Süd beigesteuert hat.

Definitiv. Wir haben viele talentierte Spieler nachziehen können, die vor allem in der Defense einen sehr guten Job gemacht haben. In der Offensive haben wir von unserem Quarterback Anthony Springer profitiert. Er hat eine sehr gute Athletik.

Wird er auch in der kommenden Saison, die am 21. Mai mit einem Heimspiel gegen Bad Homburg (17 Uhr, Stadion Wieseck) beginnt, wieder dabei sein?

Wir planen mit ihm, ja. Anthony weilt derweil in seiner Heimat in Kalfornien. Wir rechnen Mitte März mit ihm. Wir hätten ihn gerne länger hier, aber das ist durch die Aufenthaltsgenehmigung und die Arbeitserlaubnis nicht so einfach.

Welche Bedeutung hatte die Rückkehr in die 2. Bundesliga Süd für Sie?

Mich freut es vor allem für die Zuschauer. Sie bekommen nicht nur eine höhere Qualität geboten, sondern auch mehr Spiele. Pandemiebedingt gab’s in der Regionalliga zuletzt nur drei Heimspiele. In der neuen Spielzeit werden es fünf sein.

Als Sie im Spätherbst 2021 in der Relegation in Pforzheim den Aufstieg beim dramatischen 20:19-Sieg feierten, wurden Sie von rund 80 Fans begleitet.

Wir haben auch einen Fanclub - die Auswärtsfahrten erstrecken sich oft über zwei, drei Stunden. So ein Footballspiel dauert ja auch seine Weile. Wenn sich Menschen dann einen Tag für Dragons-Football frei halten und uns hinterherreisen, freut uns das nicht nur sehr, sondern dann bin ich dafür auch sehr dankbar.

In welchem Stadium der Vorbereitung auf die neue Spielzeit befinden Sie sich mit Ihrer Mannschaft?

Wir befinden uns noch in der ersten Phase und steigen jetzt erst wieder in den Vollkontakt mit Ausrüstung ein. Es gilt, neue Spieler zu integrieren. Da wir nur zweimal in der Woche trainieren und du während der Saison eher an Feinheiten arbeitest, gilt es aber jetzt schon, die Grundlagen zu legen: Körperlich und taktisch. Du musst deinen Körper vorbereiten, damit du gut durch die Saison kommst.

Abschließend: Welchen Anteil spielt die von Ihnen angesprochene Jugend bei den Dragons und wieviel macht Sie aus vom Zweitligateam?

Wir versuchen ein Team aus unserem eigenen Nachwuchs aufzubauen. Das ist auch jahrgangsabhängig und im Football herrscht Fluktuation, aber im Schnitt besteht unsere rund 50-köpfige Mannschaft zu 60 Prozent aus Spielern, die aus unserer Jugend gekommen sind. Das ist uns sehr wichtig. Da wir in einer Universitätsstadt leben, kommen dann immer noch Studenten dazu.

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Tom Brady © Imago Sportfotodienst GmbH
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Michael Anderl © Harald Friedrich
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Gießens Headcoach Michael Anderl freut sich auf den Super Bowl in Los Angeles. © Harald Friedrich

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