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Ein Sieg der Leidenschaft

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(htr). "Überragend", "sensationell" oder auch "absolut geil": Die Spieler der HSG Wetzlar U23 waren nach dem 27:23 (10:8)-Sieg zum Saisonauftakt in der 3. Handball-Liga (Gruppe Mitte) über die favorisierte HSG Hanau überglücklich, aber auch stolz über das zuvor in der Dutenhofener Sporthalle Vollbrachte. Die Gäste, die vor Wochenfrist im DHB-Pokal noch den Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg aus dem Rennen geworfen hatten, enttäuschten zwar nicht auf ganzer Linie, ließen sich allerdings immer wieder von der Unruhe anstecken, die vom etwa 80 Personen starken "Blauen Block" auf das Parkett transportiert wurde. Durch ständiges Diskutieren mit den Unparteiischen handelten sich die Gäste zudem sieben Zeitstrafen - gegenüber drei der HSG Wetzlar U23 - ein, was in regelmäßiger Unterzahl gipfelte.

Allerdings hat sich die Bundesliga-Reserve den Sieg redlich verdient, mit lediglich acht Gegentreffern im ersten Abschnitt und 23 nach Spielschluss zeigte sich auch HSG-Trainer Thomas Weber "hoch erfreut über den Sieg. Was wir heute in der Abwehr geleistet haben, war schon knapp am Idealzustand". Eine "Überraschung" sei der Heimerfolg angesichts der Vorzeichen durchaus gewesen, dennoch "möchte ich das alles nicht überbewerten", denn: "Es wird auch wieder Enttäuschungen geben."

Am Samstagabend allerdings war erst einmal Feiern angesagt. Auch U19-Vizeweltmeister Ian Weber sah eine "überragende Vorstellung", schließlich hatten sich die "Wetzlarer mit vielen Spielern der Jahrgänge 2000 und 2001 gegenüber einem der besten Teams der dritten Liga" durchgesetzt. Dass der U23 einige unnötige Ballverluste unterliefen und auch nicht wenige Würfe ihr Ziel verfehlten, das ist für Ian Weber zunächst kein Makel: "Natürlich sind wir noch nicht richtig eingespielt, aber das haben wir mit Leidenschaft und Kampf kompensiert." Und ein Extra-Lob hatte Ian Weber noch für Schlussmann Anadin Suljakovic parat, der etliche Würfe der Hanauer unschädlich gemacht hatte.

Für Kapitän Marvin Lindenstruth haben die Hanauer nicht enttäuscht: "Die sind in der Breite wohl stärker aufgestellt, können aber auch nur sieben Leute aufs Parkett bringen", zeigte sich der Kreisläufer von der "super Abwehrarbeit und dem starken Suljakovic" sehr angetan. "Wir haben uns heute den Arsch aufgerissen, und die Zuschauer haben uns nach vorne gepeitscht", war Malvin Werth überglücklich, aber: "Wir haben heute zwei Punkte im Kampf gegen den Abstieg geholt."

Die ersten beiden Tore für die Hanauer erzielte ausgerechnet Daniel Wernig, der vor dieser Saison von Hüttenberg zu den Gästen gewechselte Rechtsaußen, der kurz später mit einer Knieverletzung auf die Bank humpelte und nur noch einmal für einen Siebenmeter aufs Parkett zurückkehrte. Ein Aufreger im ersten Abschnitt war auch das brutale Einsteigen von Henrik Graichen gegenüber dem von außen einspringenden Kevin Kunzendorf, was die Schiedsrichter mit der Roten Karte ahndeten.

Die Gäste hatten lediglich beim 1:0 (3.) und 5:4 (15.) in Führung gelegen, die Wetzlarer sich dagegen beim 8:5 (23./Kraft), 13:9 (37./Lindenstruth) und 14:10 durch Ian Weber (38.) scheinbar sichere Vorsprünge erspielt. Allerdings ließ Hanau nicht locker und kam beim 20:20 (55.) durch Max Bergold sogar zum Ausgleich. Auch beim 23:24 (58.) durch Marc Strohl war noch alles offen. Ehe allerdings der dreimal in den letzten fünf Minuten treffende Jan Waldgenbach, Kunzendorf und Ian Weber auf 27:23 erhöhten und die HSG-Spieler nach der Schlusssirene diesen völlig überraschenden wie auch verdienten Auftaktsieg in die neue Saison feierten.

HSG Wetzlar U23: Suljakovic; Fischer; Bremond (1), Gümbel (3), Klimpke, Kraft (1), Kunzendorf (3), Lauer, Lindenstruth (4), Okpara, Jan Waldgenbach (6/2), Weber (8/1), Werth (1).

HSG Hanau: Schwermuly; Bergold (4), Brüggemann (4), Christoffel (1), Gerst, Graichen, Malik, Naß, Pillmann (2), Ritter (3), Schneider, Schwalbe (1), Strohl (4), Wernig (3/2), Woiwod (1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Daniel Müller/Peter Notbohm. - Zuschauer: 220. - Zeitstrafen: Lindenstruth (3x2/52.) - Woiwod, Bergold, Christoffel, Gerst, Malik, Strohl (2). - Rot: Graichen (29.).

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