mseichen-B_152813_4c
+
Da war die Welt noch in Ordnung: Die SG Groß-Eichen/Atzenhain vor der Saison 2016/2017 mit Trainer Roland Stamm, Betreuer Carsten Schott, Christian Klose, Marco Semmler, Jan-Niklas Fuchs, Johannes Sauer, Dominik Krumay, Mario Erb, Marvin Jost, Michael Boyens, Betreuer Sebastian Seng, Lars Karge, Steffen Grünheit, Manuel Grün, Manuel Sauer, Niclas Henkel, Hannes Brose, Daniel Seim und Co-Trainer Bjön Geissler. ARCHIVFOTO: VOGLER

Fußball

SG Groß-Eichen/Atzenhain: Das Ende nach fünf Jahren

  • Michael Schüssler
    vonMichael Schüssler
    schließen

Die SG Groß-Eichen/Atzenhain hat ihren Rückzug aus der Fußball-Kreisliga A Alsfeld/Gießen erklärt. Mangels Personal sieht sich die SG nicht mehr in der Lage, im Senioren-Bereich zu starten.

Anfang Mai bestätigten die beiden Vorstandsmitglieder Timo Mehlberg (TSV Groß-Eichen) und Daniel Seim (SV Atzenhain), dass die SG Groß-Eichen/Atzenhain, zuletzt in der Fußball-Kreisliga A Alsfeld/Gießen beheimatet, ab der neuen Saison keine Mannschaft mehr stellen. Zuletzt befanden sich noch eine erste und eine zweite Mannschaft der SG im Wettbewerb. Allerdings mussten bereits vor der Pandemie personelle Engpässe kompensiert werden. Jetzt aber ist die Personaldecke so dünn, dass eine Meldung keinen Sinn mehr ergeben würde. Erst vor fünf Jahren wurde die Spielgemeinschaft gegründet und war sogleich mit dem damaligen Mücke-Pokal-Sieg und dem A-Liga-Aufstieg sehr erfolgreich gestartet.

Damit verliert der Fußball im Sportkreis Alsfeld gleich zwei Traditionsvereine, die in den letzten Jahrzehnten zeitweise zu den fußballerischen Aushängeschildern gehörten. Einzig eine Alte-Herren-Mannschaft wird weiterhin unter dem Namen SG Groß-Eichen/Atzenhain Fußballspiele austragen.

Auch Roland Stamm, der Trainer der SG Groß-Eichen/Atzenhain, bedauert den Rückzug, macht aber auch deutlich: »Es macht keinen Sinn mehr, wenn man keine Spieler hat.«

2016 gewann die damals »neue« SG Groß-Eichen/Atzenhain den Mücke-Pokal durch ein 3:2 gegen die FSG Ober-Ohmen/Ruppertenrod/Ulrichstein. In der Kreisliga B Alsfeld/Gießen holte man sich in der Saison 2016/2017 Rang drei im Abschlussklassement. Als Tabellendritter musste man in die Relegation gegen den A-Ligisten, die SG Herzberg. Und diese Partie gewann die SG Groß-Eichen/Atzenhain mit 3:1 - der Aufstieg war perfekt.

Die neue Spielgemeinschaft war also schon früh erfolgreich, sorgte damit auch für Aufsehen. Doch in den nächsten Jahren in der A-Liga folgte die personelle Stagnation. Der Personalstamm wurde älter und älter, Nachwuchsakteure waren vorhanden, aber: Die Nachwuchsakteure verließen den Verein. Oder beendeten viel zu früh ihre Laufbahn. Selbst Spieler direkt aus dem Heimatorten Groß-Eichen und Atzenhain sind weggegangen. Wir haben mit Timo Mehlberg und Daniel Seim gesprochen.

Wann hat sich abgezeichnet, dass es nicht mehr weitergehen würde?

Timo Mehlberg: Es hat sich schon zu Beginn dieser Saison abgezeichnet, dass es personell schwierig werden wird, zwei Mannschaften zu melden. Daher die Meldung der zweiten Mannschaft als 9erMannschaft. Nachdem schließlich die Annullierung der Saison feststand, begann für den Spielausschuss die Planung der neuen Saison. Und es stellte sich heraus, dass nach den Abgängen der letzten Saison nun noch einige Abgänge zur neuen Saison, hauptsächlich aus dem Kader der 1. Mannschaft, hinzukamen - und wir feststellen mussten, dass wir personell nicht mehr handlungsfähig sind.

Hätte man vielleicht noch einen anderen Verein mit ins Boot nehmen können, um weiterzumachen?

Mehlberg: Aus Sicht der beiden Stammvereine war das keine Option.

Die SG wurde ja erst vor fünf Jahren gegründet, man hatte auch gleich Erfolg. Wie schwer trifft Sie das persönlich?

Mehlberg: Mir persönlich geht es sehr nahe und ich finde es wahnsinnig schade - und es hat mir wieder einmal einige schlaflose Nächte bereitet. Aber das geht nicht nur mir so. Auch die Vereinsvorstände und den Spielausschuss trifft es sehr hart. Es war weder eine leichte, noch schnelle Entscheidung.

Hat der Rückzug auch seine Gründe durch die Corona-Pandemie (kein Training, keine Spiele usw.)?

Mehlberg: Wie ich bereits erwähnt habe, waren wir zum Start der Saison schon personell am Limit. Aber die Fußball-Pause während der Pandemie hat ihr Übriges dazuge-tan.

Wie sieht es beim Jugendfußball aus - wie ist hier die Entwicklung bei der SG in den letzten Jahren gewesen?

Mehlberg: Beide Vereine sind kein Mitglied mehr einer Jugendspielgemeinschaft. Der TSV entsendet daher seine Jugendspieler mit Zweitspielrecht zur JSG Mücke und der SV Atzenhain zur JSG Grünberg/Lehnheim/Stangenrod.

Wie sehen Sie generell den Fußball im Sportkreis Alsfeld - wird es in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach noch weitere Rückzüge geben?

Daniel Seim und Timo Mehlberg: Ja, es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren weitere Rückzüge folgen werden. Aus unterschiedlichen Gründen, die aber niemandem neu sind. Unter anderem:

1. Die Einstellung zum Hobby Fußball vieler aktiver Spieler hat sich verändert. Fußball steht nicht mehr an erster Stelle.

2. Für die Vereine wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden. Sei es für den Vorstand, für den Spielausschuss oder als Übungsleiter. Die Aufgaben werden nicht weniger und dank Punkt 1 nicht leichter

3. Vereine, die keine Nachwuchsarbeit leisten, werden früher oder später im Seniorenbereich von der Landkarte verschwinden. Es gibt aber auch positive Beispiele wie man jetzt an der SG Romrod/Zell sehen kann, dass der Fußball auch wieder zurückkommt. Wir werden das Ende der SG nicht ganz besiegeln, da wir im AH-Bereich noch weitermachen. Das heißt: der SVA und der TSV bleiben weiterhin verbunden. Und wenn es sich abzeichnen sollte, dass sich im Seniorenbereich wieder eine Mannschaft formiert, dann werden wir das natürlich unterstützen. Man sollte niemals nie sagen. ARCHIVFOTO: SF

Timo Mehlberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare