Serie reißt nach katastrophaler erster Hälfte

Eine Minute vor dem Ende verließen viele Zuschauer die Osthalle. Sie hatten genug gesehen. Nach drei schwachen Vierteln und einem zumindest in der ersten Hälfte teilweise peinlichen Auftritt lagen die LTi Gießen 46ers gegen den Mitteldeutschen BC mit 70:81 hinten, und die Anhänger hatten den Glauben an den fünften Heimsieg in Folge verloren. Letztlich kassierten die Mittelhessen am Dienstagabend mit dem 73:84 (29:41) die vierte Niederlage in Serie und stecken noch tiefer im Abstiegskampf der Basketball-Bundesliga.

Eine Minute vor dem Ende verließen viele Zuschauer die Osthalle. Sie hatten genug gesehen. Nach drei schwachen Vierteln und einem zumindest in der ersten Hälfte teilweise peinlichen Auftritt lagen die LTi Gießen 46ers gegen den Mitteldeutschen BC mit 70:81 hinten, und die Anhänger hatten den Glauben an den fünften Heimsieg in Folge verloren. Letztlich kassierten die Mittelhessen am Dienstagabend mit dem 73:84 (29:41) die vierte Niederlage in Serie und stecken noch tiefer im Abstiegskampf der Basketball-Bundesliga. Einige Besucher ließen derweil ihren Frust mit wüsten Beschimpfungen an den nicht immer glücklich pfeifenden Schiedsrichtern aus, doch diese Niederlage haben sich die 46ers ganz alleine zuzuschreiben. Vor allem in der katastrophalen ersten Halbzeit agierten sie über weite Strecken träge, behäbig und waren augenscheinlich völlig verunsichert. Um so erstaunlicher war es, dass die Gießener im letzten Viertel noch einmal bis auf fünf Punkte herankamen. Doch die Wende schafften sie nicht mehr.

Spiegelbild für den Auftritt der Gießener vor 2970 Zuschauern in der Osthalle war David Teague. Der Topscorer der Bundesliga, weiter gehandicapt durch seine Kniebeschwerden, war im Vergleich zu den vorangegangenen Heimauftritten ein Schatten seiner selbst. Diesmal suchte er vergleichsweise wenig den Abschluss, fand keinen Rhythmus und verzitterte an der Freiwurflinie seine ersten fünf Versuche komplett. "Es geht immer auch um Selbstbewusstsein. Das haben wir nicht gehabt", stellte 46ers-Trainer Vladi Bogojevic fest.

Wo sollte er auch herkommen, der Glaube an die eigenen Stärke? Während der MBC trotz der jüngsten Heimniederlage mit breiter Brust und schnellen Beinen auftrat, wirkten die Gießener trotz der zuletzt vier Heimsiege kopflos und verunsichert. So liefen sie mit Ausnahme der Anfangsminuten einem Rückstand hinterher. Im Angriff lebten sie vor allem von Einzelaktionen von Maurice Jeffers und sahen hinten mehr oder weniger teilnahmslos zu, wie der MBC konsequent den Korb attackierte und nach jedem Fehlwurf fast jedes Mal den Rebound abräumte. So hieß es schnell 8:18 (8.

), und erst mit der Einwechslung von Stevan Tapuskovic und Johannes Lischka kam etwas mehr Leidenschaft ins Gießener Spiel. Schließlich war es auch Tapuskovic zu verdanken, dass es zum Viertelende nur einige vereinzelte Unmutsäußerungen aus dem Publikum gab und kein Pfeifkonzert, denn vier schnelle Punkte des jungen Serben bedeuteten das 14:20 nach zehn Minuten.

Allerdings sank die Stimmung auch zu Beginn des zweiten Viertels schnell wieder auf Außentemperatur-Niveau, denn von Besserung war nichts zu sehen. Jeffers, die indisponierten Teague und Lorenzo Williams saßen lange auf der Bank, und Bogojevic schickte sie in der ersten Halbzeit auch nur noch kurz aufs Feld zurück. So wuchs der Rückstand zwischenzeitlich auf 14 Punkte an (20:34, 16.), und dem aggressiv und variantenreich verteidigenden MBC reichte im Angriff ein Mittel zum Erfolg - mit viel Zug zum Korb stürzten die Weißenfelser die Gastgeber von einer Verlegenheit in die nächste und gingen mit einer beruhigenden 41:29-Führung in die Pause - auch ein Resultat der deutlichen Reboundüberlegenheit des MBC (24:15) sowie der schwachen Wurfquote der Gastgeber aus dem Feld (34 Prozent) und von der Freiwurflinie (fünf Treffer bei 14 Versuchen/36 Prozent).

Keine Frage: In der Kabine gab es eine Menge Gesprächsbedarf, und trotz der sehr langen Ansprache verschliefen die 46ers auch den Beginn der zweiten Halbzeit komplett: Nach nur 2:15 Minuten hieß es gar 31:50. Williams saß längst wieder auf der Bank und Viktor Jakovic versuchte, das Spiel der 46ers zu lenken. Immerhin: Nach einer Auszeit und zwei gelungenen Aktionen von Jeffers und Freese ging ein Ruck durch das Team. Mit einer höheren Intensität in der Verteidigung und mit deutlich mehr Zug zum Korb verkürzten die Gießener vor allem dank Kevin Johnson und nach einer feinen Penetration von Williams neun Sekunden vor dem Viertelende auf 52:60. Als Falko Theilig bei seinem Kurzeinsatz beim Zurücksprinten dann aber ein seltsames Foul angehängt wurde und sich Bogojevic derart aufregte, dass er ein technisches Foul hinterher kassierte, nahmen die Weißenfelser diese Einladung dankend an: Sie nutzten die vier Freiwürfe und den folgenden Ballbesitz zu sechs Zählern und gingen mit einer 14-Punkte- statt einer Acht-Punkte-Führung ins finale Viertel. "Mit meinem technischen Foul habe ich das Momentum abgegeben", wusste Bogojevic hinterher, dass er einen großen Fehler begangen hatte.

Bei allen Unzulänglichkeiten muss man aber anerkennen, dass die 46ers auch danach noch einmal zurückkamen, und im Schlussviertel trotz einiger strittiger Schiedsrichter-Entscheidungen weiter den Korb attackierten und durch die zwei einzigen verwandelten Freiwürfe von Teague noch einmal auf 70:75 herankamen (38.). Doch ein wilder Dreier von Weißenfels Guido Grünheid, ein Ballverlust von Jeffers und sein folgendes unsportlichen Foul brachten den MBC wenig später vorentscheidend mit 79:70 nach vorne, und die letztliche 73:84-Niederlage war besiegelt. Die ersten Zuschauer gingen - sicher in der Hoffnung, dass die 46ers am Freitag (19.10 Uhr) im Hessenderby gegen Frankfurt eine bessere Leistung zeigen werden. Sofern die Anhänger dann wiederkommen. Markus Konle

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare