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»Rückkehrer« Sebastian Weber (vorn) vertritt zusammen mit Stefan Kneer den noch erkrankten Chefcoach Johannes Wohlrab auf der Hüttenberger Bank.

»Seppl« auf der Bank

Wenn der TV Hüttenberg in der 2. Bundesliga am heutigen Samstag um 17 Uhr zur ersten Partie nach der Quarantäne antritt, trifft er beim EHV Aue auf einen Handball-Gastgeber, der in dieser Corona-Saison zahlreiche Rückschläge zu verkraften hatte. Aber auch aufseiten der Mittelhessen sind die Zustände alles andere als normal.

Zwei Wochen ist es her, als den EHV Aue einer der großen Schicksalsschläge diese Saison ereilte. Eine Minute war noch zu spielen im 27:27-Heimspiel gegen Konstanz, als die Kommentatoren sich im Livestream bereits abschalteten. Auf dem Spielfeld noch nichts ahnend spielten beide Teams die Partie zu Ende, um dann von den tragischen Ereignissen zu erfahren. Der Vater von Aues Geschäftsführer Rüdiger Jurke, seit Jahren selbst mit Herzblut EHV-Helfer in allen Bereichen, verstarb im Anschluss an die Partie. Eine Welle der Anteilnahme aus ganz Handball-Deutschland erreichte daraufhin die Sachsen.

Es fällt den EHV-Verantwortlichen in dieser Saison verständlicherweise schwer, sich auf den Sport zu konzentrieren. Die schwere Corona-Erkrankung von Cheftrainer Stephan Swat, ein Einbruch in die Geschäftsstelle, ein mutmaßlich rassistischer Brandanschlag auf das Auto eines japanischen Spielers oder der angezündete Vereinstransporter. Allein abseits des Feldes ereigneten sich diese Saison in Aue dramatische Dinge.

Umso beachtlicher, dass die Mannschaft sich sportlich im tabellarischen Mittelfeld mit 24 Punkten wiederfindet. Allerdings wartet das Team von Interimstrainer Runar Sigtryggsson seit neun Spielen auf einen Sieg. Auch daran ist ersichtlich, dass eben das Sportliche in den Hintergrund gerückt ist bei den TVH-Gastgebern. Das Heimspiel gegen Hüttenberg heute um 17 Uhr ist für die Sachsen das erste nach dem besagten Duell gegen Konstanz. Die Zeit wird der Verein genutzt haben, um die Ereignisse zu verarbeiten und sich nun auf die Mittelhessen vorzubereiten.

Mit Bengt Bornhorn stellt Aue einen der stärksten Kreisläufer der Liga, der auch der Siebenmeterschütze seines Teams ist und so schon 67-mal erfolgreich war vom Punkt. Interessant aus mittelhessischer Sicht ist es im Tor, dort agiert Anadin Suljakovic mit einem Zweitspielrecht der HSG Wetzlar ausgestattet und kommende Saison das Erstliga-Torhütergespann mit Till Klimpke bildend.

Auch beim TV 05/07 Hüttenberg verliefen die letzten Wochen alles andere als ereignislos. Nach positiven Corona-Tests ist die Mannschaft am Donnerstag erst aus der Quarantäne zurückgekehrt. Nicht mitreisen nach Aue werden quarantänebedingt Cheftrainer Johannes Wohlrab, Hendrik Schreiber und Robin Hübscher.

Wohlrab wird auf der Bank von »Rückkehrer« Sebastian Weber sowie Stefan Kneer als Spielertrainer vertreten. »Seppl« Weber gehört seit dieser Saison zum Mannschaftsstab, nimmt zweimal die Woche am Training teil und sitzt bei den Heimspielen als Co-Trainer auf der Bank. Als Ex-Spieler der HSG Wetzlar, des TV 05/07 Hüttenberg und des HSC 2000 Coburg will er der jungen Mannschaft seine Erfahrung mit an die Hand geben: »Ich versuche natürlich, insbesondere den Kreisläufern Input zu geben. Außerdem kümmere ich mich um das individuelle Training der Spieler aus dem Perspektivkader.«

Zusammen mit Stefan Kneer macht er aktuell seinen B-Trainer-Schein. Kneer erwartet in Aue eine ungemütliche Aufgabe: »Im Hinspiel ist Aue vor der Partie gegen uns aus der Quarantäne gekommen und hat einen Punkt mit nach Hause genommen. Wir müssen geduldig spielen und auf unsere Chance warten, um in unseren Rhythmus zu kommen.«

In einem Duell auf Augenhöhe wollen die Spieler des TVH der Lust auf Handball nach der Pause freien Lauf lassen und so zu etwas Zählbarem kommen. Im engen Abstiegskampf wäre jeder Punkt für die Mittelhessen hilfreich, um mit Rückenwind in die anstehenden schweren Wochen zu gehen.

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