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Landesligist HSG Linden war unter Neu-Trainer Conrad Rudolf Melle (Mitte) bereits beim eigenen Linden Cup wieder wettkampfmäßig auf dem Handball-Parkett.

Selbstfindung nach Zwangspause

Der Handball-Neustart in die Punktspielsaison erfolgt zwar erst nach den Herbstferien. Die Männer-Landesligisten der Region stecken nach 18-monatiger Corona-Zwangspause aber längst mitten in der Vorbereitung. Eine Zwischenbilanz:

Das geteilte Konzept steht, die Ligenzusammensetzung und der Starttermin auch. In der Handball-Landes-liga der Männer bereiten sich die heimischen Teams bereits intensiv auf den Neustart vor. Trotz steigender Inzidenzzahlen hoffen die Klubs erstens auf eine ordentliche Abwicklung der Saison 2021/22 mit spannenden Playoffs und Playdowns und zweitens darauf, ihren Handballsport wieder vor Zuschauern ausüben zu können.

HSG Lollar/ Ruttershausen

Dass Corona einen großen Spalt im mittelhessischen Sport hinterlassen hat, ist freilich nicht zu verneinen. Doch so langsam scheint sich die Lage im hessischen Sport, insbesondere in der Handball-Landesliga, zu beruhigen. Trotz der Unannehmlichkeiten der letzten Monate ist die HSG Lollar/Ruttershausen laut Aussage von Trainer Martin Sänger doch ganz gut durch die Pandemie gekommen. »Es gab bisher keinen Spieler, der an Covid-19 erkrankt ist, dennoch mussten wir zwei Mal als Vorsichtsmaßnahe in Quarantäne. Glücklicherweise sind nun aber alle Spieler durchgeimpft und wir können gut vorbereitet in die neue Runde starten.«

Große Erwartungen hat Sänger aber nicht. Man wisse nicht, wo man aufgrund der Pandemie stehe, die Neuzugänge haben auch kaum Praxiserfahrung sammeln können. Unter den jetzigen Neuzugängen sind Robin Zapf aus Rechtenbach, Max Regin und Jannis Brennecke (jeweils aus Marburg) und Ari Moutopoulus (ohne Verein). Man wünsche sich natürlich, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Mission Klassenerhalt lautet klar die Devise. »Wir möchten mit möglichst vielen Punkten in die Playdowns gehen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben.«

TV 05/07 Hüttenberg U 23

Zoom-Calls waren gestern. Das virtuelle Treffen pausiert. Der TV 05/07 Hüttenberg II hatte nach der letzten Saison eine lange Vorbereitungsphase und konnte bereits schon fünf Monate trainieren. »Wir haben anfangs den Kontakt per Videobotschaften gehalten, dann durften wir im Mai in Zweiergruppen draußen trainieren«, so Coach Dirk Happel. Man habe den einzelnen Spielern einen persönlichen Trainingsplan mit nach Hause gegeben, damit sich auch außerhalb des Trainings fit gehalten werden konnte. Ab Juni war es dann auch wieder erlaubt, in der Halle zu trainieren. »Es war wichtig und gut, wieder ein wenig Normalität zu spüren und die Bewegungsabläufe in der Halle zu trainieren. Wir trainieren nun viermal die Woche und man merkt, dass die Jungs heiß sind. Auch die jungen Spieler, die bisher noch nicht zum Einsatz kamen, brennen darauf, endlich eine Runde mitspielen zu dürfen.«

Das große Ziel des TVH in der kommenden Saison ist ganz klar, die Individualität der einzelnen Spieler zu fördern und die Jungs auf die zweite und dritte Liga vorzubereiten. Man habe ein super Mannschaftsgefüge und werde sich gut entwickeln. Zu den wichtigsten Neuzugängen zählen Rückkehrer Jannis Wrackmeyer (Jahrgang 1999) von der HSG Linden sowie Finn Rüspeler und Oskar Machleit (beide Jahrgang 2002) aus der eigenen Bundesliga A-Jugend.

TSF Heuchelheim

Die TSF Heuchelheim um Trainer Claus Well haben die Corona-Krise bislang gut überstanden. »Wir hatten ab Oktober regelmäßig Online-Training und sind dann bereits im Frühjahr in Zweiergruppen wieder auf dem Sportplatz aktiv gewesen und konnten auch draußen trainieren.« Die Erwartungen zielen auf den Klassenerhalt ab, man will die vielen jungen Talente in den eigenen Reihen an die Landesliga heranführen.

»Wir haben einen leistungsstarken Kader und wollen diesen für die Zukunft formen.« Dennoch sei es viel wichtiger, so Well, dass bald wieder das »normale« Vereinsleben möglich sei, mit Zuschauern bei Spielen und mit allen anderen wichtigen - auch zwischenmenschlichen - Aktivitäten. Die TSF sind bereits mit ihrer Vorbereitung gestartet. Da sehr viel Zeit zur Verfügung steht, ist die Vorbereitung oder die etwas andere Trainingsphase sehr gut zu gestalten. Claus Well fügt hinzu: »Ich persönlich sehe es als großen Vorteil, einmal ganz un-abhängig vom Wettkampf- geschehen im Training die individuellen Spieleigenschaften weiter zu entwickeln.«

In dieser Saison sind Dennis Weber und Max Kruse als Ur-Heuchelheimer wieder von der KSG Bieber zurückgekehrt und vom TV Külte kommt Stefan Stein, ein 19-jähriges, großes Talent, das zunächst mit Doppelspielrecht nach Heuchelheim kommt. Als Abgang gilt Frederick Meiericks, dieser ist beruflich nach Göttingen gegangen.

HSG Hungen/Lich

Underdog HSG Hungen/Lich sieht die Zukunft in der Landesliga realistisch, dennoch ist HSG-Trainer Carsten Schäfer zuversichtlich für die neue Runde. »Wir sind ein guter Haufen - und das sind wir auch während der letzten 13 Monate geblieben.« Man möchte sich in keinem Fall vor den vermeintlich stärkeren Teams verstecken. »Wir wollen den einen Punkt holen, den uns vielleicht keiner zutraut. Wir sind wirtschaftlich und erfahrungstechnisch weit unterlegen. Uns ist bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit eines Abstieges der Normalfall ist.«

Trotzdem lässt das Team um Carsten Schäfer den Kopf nicht so leicht hängen. »Wir trainieren wie immer zehn Wochen und bereiten uns auf eine ganz normale LandesligaSaison vor. Die Stimmung im Team ist gut, jeder hofft, die Saison regulär beenden zu können. Schäfer sieht in der kommenden Runde Idstein, Lumdatal und Hüttenberg ganz vorne.

HSG Linden

Die HSG Linden befindet sich mitten im Umbruch. Nachdem Anfang Februar Ex-Trainer Mario Weber den Verein verlassen hat, steht nun der ehemalige Co-Trainer, Conrad Melle, als Chefcoach vor einer großen Aufgabe. Mit dem Aus von Mario Weber verabschiedeten sich außerdem fünf wichtige Stammkräfte, darunter Tobias Mühlhans und Julian Wallwaey (beide HSG Dutenhofen/Münchholzhausen III), Jannis Wrackmeyer (TVH U 23), Leon Friedl (HSG Pohlheim) und Joshua Laudt (HSG Wettenberg). Damit fehlen wichtige Spielertypen, die das Team teilweise über mehrere Jahre enorm unterstützt haben. Um diese Abgänge zu kompensieren, kamen sieben neue Spieler hinzu: Jonas Schrimpf (TV Gelnhausen) sowie aus der eigenen zweiten Mannschaft Nicolas Adamczyk, Kevin Stöhr, Tarek Müller, Jakob Höhn, Moritz Ebert und Simon Semmelroth. Man müsse nun vermehrt auf die einheimischen Kräfte setzen und man möchte mit ihnen gemeinsam den Weg gehen. Unklar ist allerdings noch, wohin dieser führen wird.

»Für das Team war das natürlich eine große Umstellung. Die Spieler kennen sich zwar schon sehr lange, teilweise aus der Jugend und sind miteinander befreundet, aber das nimmt einen trotzdem natürlich irgendwo mit«, so der neue Trainer. Man habe sich des Öfteren in dieser eher isolierten Zeit in Zoom-Calls getroffen, um die Verbindung aufrechtzuerhalten. Während des Lockdowns hat die HSG sich weitestgehend in eigener Verantwortung fit gehalten. »Es ist sehr viel Qualität abhandengekommen, dennoch ist die Stimmung im Team super. Ich denke auch, dass uns eine sehr interessante Saison mit dem neuen Modus erwartet.«

Conrad Melle selbst findet den neuen Modus gar nicht mal so schlecht: »Der neue Spielmodus bedeutet ganz klar, dass wir zwölf Derbys haben werden, hoffentlich vor Zuschauern. Der Sport lebt schließlich von der Atmosphäre, dem Knistern auf und außerhalb des Spielfelds. Das wird was ganz Besonderes sein - auch wenn der Druck für das Team natürlich enorm hoch sein wird.«

HSG Lumdatal

Eike Schuchmann, Trainer der HSG Lumdatal, freut sich auf die kommende Spielzeit. Die Vorbereitung laufe bisher sehr ordentlich. »Wir kommen Woche für Woche einen Schritt voran und sehen uns auf einem guten Weg«, so Schuchmann. Die Mannschaft sei sehr ordentlich durch die Corona-Pause gekommen, zumal es für den ein oder anderen Spieler gar nicht so verkehrt gewesen sei, auch mal eine längere Pause zu haben, um das ein oder andere Wehwehchen auszukurieren. »Nichts desto trotz sind wir natürlich froh, wieder gemeinsam trainieren zu können.« Die Stimmung in der Mannschaft sei demnach auch sehr gut. Schuchmann selbst ist von seinem Team überzeugt. »Ich habe, was das angeht, wirklich eine tolle Truppe, die auf und neben dem Platz eine richtige Einheit darstellt und immer Gas gibt.«

Dennoch hat sich die HSG nochmals verstärkt. Der Neuzugang heißt Jonas Schuster und ist aus Marburg zu Lumdatal gewechselt. »Jonas wird uns als Linkshänder mit enormer Wurfkraft definitiv weiterhelfen. Dazu passt er auch menschlich hervorragend zu uns. Ein absoluter Gewinn.« Das Ziel für die kommende Spielzeit beschreibt Schuchmann so: »Es mag abgedroschen klingen, aber ich glaube nach einer derart langen Pause sollte es das primäre Ziel sein, alle Spieler ohne größere Verletzungen durch die Runde zu bekommen. Natürlich wollen wir aber auch an die Entwicklungen der angebrochenen Saison anknüpfen. Wir waren dort auf einem sehr ordentlichen Weg, da wollen wir wieder hin. Wir wollen unbedingt in die Aufstiegsrunde.«

TSV Griedel

Die Pause war lang genug und jetzt darf endlich wieder Handball gespielt werden. Beim TSV Griedel ist die Vorfreude natürlich riesig groß. »Man konnte letztes Jahr schon absehen, dass es nichts wird, aber dieses Jahr sollte es ja klappen«, so Teammanager Jürgen Weiß. »Wir haben die Pause zwar gut überstanden, dennoch hat der persönliche Kontakt natürlich gefehlt. Wir hatten 15 Monate kein Punktspiel und kein richtiges Training, was bedeutet, dass die Vorbereitung nun deutlich intensiver sein muss.«

Geplant sind ein langsames Heranführen an das Training, um dosiert den Kraftaufbau sowie die Kondition zu fördern. Gerade die jungen Spieler leiden unter diesen Umständen besonders. »Es besteht einfach keine Weiterentwicklung für die jungen Spieler, vor allem, weil sie ein ganzes Jahr durch die Pandemie verloren haben. Wir trainieren seit Juli wieder kontinuierlich, die Vorbereitung hat das Team nahezu geschlossen mitgemacht, aber das reicht noch lange nicht.« Man dürfe sich in dem neuen Spielmodus, in dem nun nur noch sieben Teams beinhaltet sind, auch keinen Durchhänger leisten, so die Aussage von Weiß. Die Stimmung im Team sei aber sehr gut, weswegen man mit neuer Kraft gut vorbereit in die neue Runde starten wird.

Dennis Weber »fliegt« wieder für die TSF Heuchelheim.

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