Fertig machen zum Abflug: Liam O’Reilly und seine Teamkollegen von den Gießen 46ers starten am Samstag gegen Ulm in die Bundesliga-Saison (l. Frankfurts Marco Völler im BBL-Pokalspiel in Vechta). FOTO: IMAGO
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Fertig machen zum Abflug: Liam O’Reilly und seine Teamkollegen von den Gießen 46ers starten am Samstag gegen Ulm in die Bundesliga-Saison (l. Frankfurts Marco Völler im BBL-Pokalspiel in Vechta). FOTO: IMAGO

Basketball-Bundesliga

Schwierige Mission für die Gießen 46ers

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Endlich! Am Samstag starten auch die Gießen 46ers nach ihrer Zwangspause und mit einer sehr kurzen Vorbereitung gegen Ulm in die Saison. Noch gibt es einige personelle Fragezeichen.

Nur drei Trainingstage bleiben Ingo Freyer, dem Trainer der Gießen 46ers, um seine Bundesliga-Basketballer auf ihr Saisondebüt am Samstagabend gegen ratiopharm Ulm (20.30 Uhr/MagentaSport) vor leeren Rängen in der Osthalle vorzubereiten. "Das ist schon ein Problem", sagt Freyer: "Wir haben erst einmal wiederholt, was man hätte vergessen können in den zwei Wochen. Dazu muss man neben der konditionellen Basis, auch die mentale Anspannung wieder schaffen. Es sind viele Komponenten, die innerhalb dieser kurzen Zeit kaum zu bewältigen sind." Ein Corona-Fall im Team, die folgende zweiwöchige Quarantäne und die deshalb abgesagten Begegnungen gegen den Mitteldeutschen BC und in Hamburg haben die Planungen der 46ers durcheinander gewirbelt. Dass in den stark gestarteten Ulmern eine Mannschaft kommt, die durch Eurocup und Bundesliga schon voll in der Saison steht, macht die Aufgabe nicht leichter.

Das Corona-Thema: Nach ihrer zweiwöchigen Quarantäne haben die 46ers am Mittwoch zum ersten Mal wieder gemeinsam trainiert. Zuvor hatte das Team in der häuslichen Isolation zweimal täglich Online-Workouts absolviert und die Spieler durften nach einer Lockerung der Quarantäne alleine abends eine halbe Stunde Lauftraining auf dem MTV-Platz absolvieren. "Ich denke, wir haben den bestmöglichen Job während der Quarantäne gemacht, um fit zu bleiben. Wir hatten natürlich kein basketballspezifisches Training, weshalb wir die kommenden drei Tage abwarten müssen, wie wir überhaupt drauf sind", sagt 46ers-Brettspieler Johannes Richter. Die Ulmer hingegen sind bislang ohne größere Probleme durch die Pandemie gekommen - trotz ihrer Eurocup-Reisen quer über den Kontinent. So fuhren die Schwaben unter der Woche mit der Bahn nach Paris. Gestern standen bei den Teams die turnusmäßigen Corona-Tests an.

Die personelle Lage: Bis auf Bjarne Kraushaar (erkältet) waren am Mittwoch alle Profis im Training. Freyer hofft aber, dass der Aufbauspieler heute wieder aufs Parkett zurückkehrt. Eine Option für Samstagabend ist auch Jonathan Stark. Der Pointguard, der sich im September einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zugezogen und weite Teile der Saisonvorbereitung verpasst hatte, hat in dieser Woche komplett mit der Mannschaft trainiert. "Wir müssen genau schauen, wie er die ersten Trainingseinheiten verkraftet, und erst danach werden wir entscheiden, ob er spielen kann. Im fehlt einfach die Spiel- und die Trainingspraxis", sagt Freyer über diese wichtigen Personalie.

Der Gegner: Die Ulmer sind prächtig in die neue Saison gestartet: Sie haben sich für das Final Four qualifiziert und ihre ersten beiden Bundesliga-Spiele in Würzburg (90:77) und gegen Bayreuth (104:76) deutlich gewonnen. Das Team des slowenischen Trainers Jaka Lakovic (42), der einst selbst Spielmacher bei europäischen Spitzenklubs war und dem der in Mittelhessen bekannte Tyron McCoy (Ex-Spieler in Gießen und Lich) assistiert, überzeugte dabei vor allem in der Offensive. Der aus Belgien gekommene Pointguard Troy Caupain hat sich prima eingeführt: Er erzielte bislang im Schnitt 18,5 Punkte und ist ein exzellenter Dreierschütze. "Sie haben starke Guards", hat Freyer auch den erfahrenen Per Günther (32), der seit zwölf Jahren das Ulmer Trikot trägt, Nationalspieler Andreas Obst oder John Petrucell im Sinn. Schwerstarbeit kommt auch am Brett auf die Gießener Verteidigung zu: Der wuchtige US-Center Dylan Osetkowski, der einen deutschen Pass besitzt, legte gegen Bayreuth 18,5 Punkte auf. Am Dienstag kassierten die Schwaben allerdings nach zuvor wettbewerbsübergreifend vier Siegen eine knappe 65:72-Niederlage bei den Boulogne Metropolitans vor den Toren Paris’.

Das Ulmer Plus: Die spielstarken Gäste, bei denen Distanzschütze Thomas Klepeisz (Schulterverletzung) seit geraumer Zeit fehlt, sind eingespielt und haben ihren Rhythmus. "Sie sind voll in der Saison drin, gerade auch durch den Eurocup. Für uns ist es hingegen das allererste Saisonspiel", sieht Freyer in diesem Punkt klare Vorteile beim Gegner, dem er so oder so eine Menge zutraut: "Ulm ist eine absolute Top-Mannschaft in der Liga. Auf allen Positionen sind sie sehr gut besetzt."

Keine Ausreden: Trotz der bescheidenen Ausgangslage freuen sich die 46ers, endlich loslegen zu können: "Ich möchte nicht daran erinnern, in welcher Situation wir sind. Wir freuen uns, dass wir rauskommen, wieder in der Halle trainieren und wieder das machen können, was uns am meisten Spaß macht im Leben", sagt Coach Freyer. "Ich will keine Ausreden finden oder zu sehr darüber reden, was alles fehlt. Wir konzentrieren uns voll auf uns. Wir wollen das umsetzen, was wir uns erarbeitet haben, und alles, was in unserer Macht ist, aufs Parkett bringen."

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