Schwarzes Wochenende für Mittelhessen

(kam) Zum ersten Mal in dieser Saison gingen in der Basketball-Oberliga alle mittelhessischen Vertreter leer aus. Für die größte Überraschung sorgte dabei am zwölften Spieltag die 67:73-Heimniederlage des MTV 1846 Gießen gegen den BC Wiesbaden. Der TSV Grünberg unterlag zu Hause gegen die SG Weiterstadt ebenfalls knapp mit 81:85. Deutlicher zogen Lich und die 1900er den Kürzeren. Der TV Lich II kassierte gegen die SG Aschaffenburg eine 60:91-Klatsche.

(kam) Zum ersten Mal in dieser Saison gingen in der Basketball-Oberliga alle mittelhessischen Vertreter leer aus. Für die größte Überraschung sorgte dabei am zwölften Spieltag die 67:73-Heimniederlage des MTV 1846 Gießen gegen den BC Wiesbaden. Der TSV Grünberg unterlag zu Hause gegen die SG Weiterstadt ebenfalls knapp mit 81:85. Deutlicher zogen Lich und die 1900er den Kürzeren. Der TV Lich II kassierte gegen die SG Aschaffenburg eine 60:91-Klatsche.

Und der VfB-Reserve erging es beim 60:89 gegen die ACT Kassel kaum besser.

VfB 1900 Gießen II - ACT Kassel 60:89 (32:46): Selten bekommt man nach einer Niederlage mit knapp 30 Punkten ein derart positives Fazit in den Block diktiert: "Wir haben gut gespielt, ich kann nicht unzufrieden sein", bilanzierte VfB-Headcoach Patrick Unger nach der letztlich mehr als deutlichen Heimpleite gegen Tabellenführer Kassel. Die Gäste hatten sich allerdings bis zur 17. Spielminute tatsächlich noch nicht von ihrer ersten Saisonniederlage erholt und taten sich enorm schwer gegen das Schlusslicht aus der Lahnstadt. Im Duell Erster gegen Letzter lag der Außenseiter sogar dank viel Geduld, einem guten Auge in der Offensive und akribischer Reboundarbeit unter beiden Körben bis zu besagtem Zeitpunkt in Führung.

Dann jedoch ließ der Spitzenreiter aus Nordhessen seine ganze Klasse aufblitzen: Per 11:0-Lauf erarbeitete sich Kassel, angeführt vom mit 35 Zählern überragenden Topscorer Emanuel Mariotti, bis zum Seitenwechsel doch ein beruhigendes 14-Punkte-Polster. Damit hatte der Ligaprimus den Spieß umgedreht: Im zweiten Durchgang fiel die VfB-Reserve nur noch durch eine Vielzahl an Ballverlusten auf, während die ACT-Fünf den Vorsprung im Stile eines Topteams Punkt für Punkt ausbauen konnte. - VfB 1900 Gießen II: Henke (16), Göttker (14), Süßlin (8), Faßl (7/1), Hargress (6), Weiser (5), Mario Adis (2), Pantke (2), Minas Adis, Maric, Pendzialek, Karsten.

MTV 1846 Gießen - BC Wiesbaden 67:73 (29:28): Die seit Wochen nach unten zeigende Formkurve bei den monatelang so meisterlich aufspielenden Männerturnern hat mittlerweile auch für einen Einbruch in puncto Souveränität gesorgt. Selbst in der eigenen Halle gelang es dem Tabellen-Zweiten nicht, gegen zu siebt angetretene Wiesbadener sein volles Potenzial auszuschöpfen.

"Uns fehlt momentan die Spritzigkeit, Bissigkeit und die Bereitschaft, zu laufen und uns zu quälen", fasste Coach Christoph Wysocki den lethargischen Auftritt seiner Truppe zusammen und sehnte die Spielpause herbei: "Wir scheinen mental ausgelaugt, zum Glück ist nächstes Wochenende spielfrei." Obgleich die Hausherren in den Rivers Barracks in Bestbesetzung antraten, fand keiner der zwölf Akteure auch nur annähernd zu seiner Form. Den Gästen reichten indes zwei Spieler, um die Gießener Defensive aufzumischen: Unter dem Brett dominierte der bullige Robert Baumbach, dem ebenso wie BC-Distanzschütze Stefan Selle satte 22 Punkte gelangen. Die Mittelhessen hatten indes keinen Spieler in ihren Reihen, der das Spiel an sich reißen konnte - stattdessen "ist Wiesbaden gelaufen und wir standen", ärgerte sich Wysocki. Wie schon seit Wochen fehlte in der Defensive die übliche Aggressivität, so mangelte es auch an einer passablen Wurfquote im Angriff. Trotzdem leuchtete in der letzten Spielminute ein 67:67-Unentschieden von der Anzeigetafel.

Die letzten Angriffe standen jedoch symptomatisch für die Formkrise der Rot-Weißen: Während der Gast aus der Landeshauptstadt seine letzten Kräfte mobilisierte und von der Freiwurflinie kaltschnäuzig blieb, schien den Gastgebern die Gewinner-Mentalität verlorengegangen zu sein. Entsprechend zerknirscht fiel das Resümee des MTV-Trainers aus: "Das war ein Schlag ins Gesicht." - MTV 1846 Gießen: Sherman Lockhart (14), Dominic Lockhart (11), Baumann (10) Weitzel (7/1), Pflüger (6), Schmid, Itskovych, Zachozcsz (alle 5), Oppolzer (2), Menz (2), Koch.

TSV Grünberg - SG Weiterstadt 81:85 (44:35): Ein Team, drei starke Viertel, zehn Minuten Totalausfall: Der TSV Grünberg musste am Samstagabend in eigener Halle wohl die unnötigste Niederlage in der laufenden Spielzeit hinnehmen. Nachdem die Gäste von Beginn an das vom TSV vorgelegte Tempo mitgegangen waren und über 17:21 (10.) noch in Führung lagen, brachten die Gallusstädter im zweiten Viertel den Fastbreak-Express ins Rollen: Mit viel defensivem Druck provozierte die Truppe von Christian Heim etliche Ballverluste bei zunehmend verunsicherten Weiterstädtern, die von der Halbzeitsirene vor einem größeren Rückstand bewahrt wurden.

Dasselbe galt jedoch für Grünberg und die Viertelsirene in der 30. Minute. Nach der Pause mangelte es dem Spiel der Gastgeber im Angriff an Struktur, und auch unter dem eigenen Korb verschlief die TSV-Defense den Rebound - SG-Center Sascha Wittig warf seine 2,17 Meter in die Waagschale und sammelte allein im dritten Viertel Offensivrebounds im zweistelligen Bereich. So galt es vor den letzten Minuten, einen 55:67-Rückstand aufzuholen, Heim musste taktisch nachjustieren. Der Coach stellte auf Zonenverteidigung um - ein Wechsel, der schon früher vonnöten gewesen wäre: Gegen den neuen Defensivriegel fanden die Gäste kein Mittel, Grünberg kam bis auf einen Punkt heran (76:77, 37.). In den Schlussminuten hatte der TSV dann gleich dreimal die Chance, das Blatt zu wenden - ließ allerdings jedes Mal die nötige Ruhe vermissen. "Das war sehr ärgerlich, jetzt müssen wir in der Spielpause den Kopf frei bekommen", haderte Heim im Anschluss mit der missglückten Schlussphase. - TSV Grünberg: Rohrgaß (23), Volk (17/1), Freund (8), Strack (8), Gissel (7), Herdejost (5), Sebastian Junker (4), Seibert (4), Krantz (3), Keller (2), Christopher Junker.

TV Lich II - SG Aschaffenburg 60:91 (39:49): "Es sah 40 Minuten so aus, als wären wir nicht die Heimmannschaft, als hätten wir seit zwei Jahren zum ersten Mal wieder einen Ball in der Hand gehabt", fand TVL-Headcoach Viktor Kramer nach der deutlichen Heimschlappe kaum Worte für den Auftritt seiner Schützlinge. Und tatsächlich ließ vor allem die Wurfquote zu wünschen übrig: Von Außen fanden lediglich zwei Licher Dreipunktwürfe ihr Ziel, die Freiwurfquote lag bei unterirdischen 21 Prozent. Nichtsdestotrotz mussten die Gastgeber ihr Heil aus der Distanz suchen, weil mit Tobias Hiob Kramers Mann für die Position fünf zeitgleich für die Gießen 46ers Juniors in Trier am Ball war. So fiel auch die Reboundstatistik klar zugunsten der Gäste aus, die unter dem Korb nach Belieben punkteten - vor allem im zweiten Durchgang. Lagen die Bierstädter Mitte des zweiten Viertels noch mit 34:33 in Führung, boten sich Aschaffenburg in der Folge zweite und dritte Chancen im Überfluss. Spätestens als mit Kresimir Lebo bereits im dritten Viertel ein weiterer Center seinen Platz räumen musste, war die Partie entschieden.

TV Lich II: Szembek (19/1), Reitschmidt (9), Lebo (8), Külhan (8), Wosnitza (5), Volkert (4), Neufeld (3/1), Eckhardt (2), Wardak (2), Werner.

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