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Angeflogen kommt Gießens Allrounder Yorman Polas Bartolo bei der 65:66-Niederlage zum Pro-A-Auftakt gegen Hamburg. (mv)

Schwache und nervöse Gießen 46ers

(mv) Die Gießen 46ers verlieren zum Auftakt der Basketball-Pro-A gegen die Hamburg Towers mit 65:66 (32:36). Dabei zeigt die Mannschaft von Trainer Denis Wucherer eine schwache Leistung.

Erst zwei Wochen vor dem Saisonauftakt in der zweiten Basketball-Bundesliga Pro A waren die Gießen 46ers und die Hamburg Towers beim Vorbereitungsturnier in Bad Neuenahr aufeinander getroffen – doch Gießens Coach Denis Wucherer betonte, wie schon vor der letzten Saison: "Im ersten Saisonspiel kann alles passieren!" Und so kam es dann auch: Gießen zeigte eine schwache Leistung, die man so nach der Vorbereitung nicht unbedingt erwartet hätte, und verlor das erste Heimspiel der Saison mit 65:66 (32:36).

Vielleicht war es die Tatsache, dass Towers-Cheftrainer Hamed Attarbashi in Bad Neuenahr noch auf Center Michael Wenzl verzichten musste. Der 2,10-Meter-Hüne war am Samstagabend in der Osthalle nicht zu stoppen, netzte 19 Punkte bei einer 80-prozentigen Trefferquote ein, fischte sich 13 Rebounds und führte die Gäste so zum ersten Sieg im ersten Pflichtspiel der Vereinshistorie.

Während sein eigener Trainer ihm pflichtschuldig ein gutes Spiel attestierte, aber auch seine Teamkollegen nicht vergessen wollte, machte 46ers-Coach Wucherer deutlich, dass es der ehemalige Spieler der Artland Dragons war, der für ihn den Unterschied gemacht hat.

Vor allem gelang es Wenzl auch, eine Schwachstelle im Gießener Spiel offenzulegen: Denn unter dem Korb sah Center Björn Schoo oftmals nicht gut aus, konnte seine Erfahrung und die von ihm erwartete Härte nach einer Vorbereitung mit einigen Wehwehchen noch nicht auf das Parkett bringen. Ersatzmann Jonathan Malu hingegen zeigte sich unter den Augen seines ehemaligen Jugendtrainers Attarbashi verbessert im Vergleich zur Vorbereitung, kompromisslos im Rebound und ordentlich von der Freiwurflinie, aber mit viel Pech im Abschluss aus dem Spiel heraus. Dem als letztes zu den 46ers gestoßenen Johannes Lischka hingegen merkte man in einigen Situationen noch die fehlende Bindung zum Spiel seines neuen Clubs an.

Ohne den mit Augenproblemen auf der Bank sitzenden Benjamin Lischka mussten die 46ers die Hoheit in der Zone an die Gäste abtreten, die zwar von außen keine Gefahr darstellten (nur zwei Treffer bei 16 Versuchen), aber unter dem Korb zu häufig einfache Punkte erzielen oder ein Foul ziehen konnten.

Dazu zeigte sich auf beiden Seiten, dass den Teams noch eine Woche Vorbereitung mehr gut getan hätte: Vor allem aufseiten der Hausherren häuften sich Fehler, die zu Ballverlusten führten, ohne, dass die Gäste ein großes Zutun dabei hatten – am Ende leisteten sich die Gießener 21 Ballverluste, zu viele für eine Mannschaft mit Siegesambitionen.

Mal segelte ein Einwurf der Hamburger über das gesamte Feld hinweg an Freund und Feind vorbei ins Aus, mal dribbelte sich 46ers-Spielmacher Cameron Wells hinter die Grundlinie und somit ins Aus, mal flog der Ball wie eine Flipperkugel durch die Beine der Spieler, ehe der Zufall entschied, bei welchem Team die Kugel sich wieder kontrollieren ließ – die Nervosität beider Mannschaften war für jeden der 2216 Zuschauer in der Osthalle deutlich zu erkennen.

Das gaben auch die Trainer zu: "Offensiv war das nicht gut, was wir gemacht haben; teilweise war das sogar abenteuerlich", schüttelte Denis Wucherer den Kopf. Und sein Gegenüber Attarbashi assistierte: "Die letzte Minute des Spiels hat gezeigt, wie nervös wir eigentlich waren."

Denn so knapp, wie das nackte Ergebnis aussagt, war die Partie zum Schluss eigentlich gar nicht: Mit einer komfortablen neun-Punkte-Führung waren die Hanseaten in die letzten 30 Sekunden der Partie gegangen, ehe ein unsportliches Foul von Bazoumana Kone an TJ DiLeo den 46ers zwei Freiwürfe einbrachte. Jener traf kurz darauf auch noch einen Distanzwurf bevor, nach schwacher Leistung der Hamburger an der Freiwurflinie, der erfrischend unbekümmert aufspielende Besnik Bekteshi in seinem ersten Pflichtspieleinsatz nach fast anderthalb Jahren ebenfalls mit einem Dreier knapp zwei Sekunden vor Schluss sogar auf 65:66 verkürzen konnte. Sogar beide Freiwürfe verwarf Kone, doch ein Offensivrebound der Hamburger durch Terry Thomas beendete alle Hoffnungen der 46ers auf ein kleines Basketball-Wunder.

"Wir haben es am Ende irgendwie nach Hause gebracht", war Hamed Attarbashi nach Spielende erleichtert, während sich Wucherer wunderte: "Dass wir mit 21 Turnovern überhaupt noch eine Chance hatten, das Spiel zu gewinnen, ist überraschend."

So bleibt vom ersten Pro-A-Spieltag 2014/2015 als positivste Erinnerung die imposante Choreografie der Fans vor Spielbeginn, die darauf hinwies, dass der Club "nach stürmischen Zeiten nun mit frischem Wind" in das neue Jahr starten würde. Dieses Versprechen der Fans müssen die Spieler nun am Wochenende einlösen, wenn mit der Partie in Leverkusen am Tag der deutschen Einheit (17 Uhr, Smidt-Arena Leverkusen) und dem zwei Tage später folgenden Auswärtsspiel beim letztjährigen Viertelfinalgegner Jena (16.30 Uhr, JenArena) ein Doppelspieltag auf dem Programm steht.

Gießen 46ers: Marhold (3), McDuffie (n.e.), Bekteshi (13), Polas Bartolo (4, 11 Rebounds), DiLeo (17), Palm (12), Malu (4, 7 Rebounds), Wells (4), Johannes Lischka (4), Schoo (2).

Hamburg Towers: Barnes (18), Kone (9), Wenzl (19, 13 Rebounds), Fumey, Kittmann (8, 6 Rebounds), Thomas (9, 6 Rebounds), Ferguson (1), Hain, Murillo (2), Kiese, Stielow.

Martin Vogel

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