Verwaist sind derzeit die Schießstände in den heimischen Schützenhäusern.		FOTO: STP
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Verwaist sind derzeit die Schießstände in den heimischen Schützenhäusern. FOTO: STP

Schützen fehlt ein Ziel

  • vonDieter Pfeiffer
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Die Sportschützen hängen in der Luft und sind zudem von allen Trainingsmöglichkeiten in ihren Schützenhäusern abgeschnitten. Unterdessen wurden auch die Wettkämpfe auf Landesebene abgesagt.

Von der anhaltenden Corona-Pandemie sind auch die heimischen Sportschützen stark gebeutelt - nichts geht mehr zurzeit. Die vereinseigenen Schützenhäuser sind geschlossen, ebenso die Schießstände in öffentlichen Gebäuden. Die Schützen wissen im Moment nicht, wie es weitergeht mit ihrem Sport. Alles hängt vom Fortgang des Lockdowns, den Entscheidungen der Politik über eine Wiederzulassung des Breitensports ab.

Durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren alle Meisterschaften und Rundenwettkämpfe auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene abgesagt worden. Ein schwerer Einschnitt in den sonst üblichen Sportbetrieb, der im Sommer nur mit stark eingeschränktem Training wieder aufgenommen wurde. Der jetzige zweite Lockdown brachte erneut alles zum Erliegen. Bereits Ende Oktober wurden alle Runden- und Ranglistenwettkämpfe Luftgewehr und Luftpistole im Schützenbezirk Gießen-Laubach abgesagt. Auch die Rundenwettkämpfe dieser beiden Disziplinen in den Hessen- und Oberligen wurden jetzt in einer Videokonferenz von Landessportleiter Otmar Martin mit den Bezirkssportleitern komplett abgesagt und auf Stand 2019/20 eingefroren. Auf Landesebene sollen wenigstens das Jahrgangsschießen sowie der Shooty-Cup durchgeführt werden. Die Vereine können ihre Nachwuchsschützen hierzu über den Bezirk direkt ans Land melden.

Eine Entscheidung über die Durchführung der Landesmeisterschaft wurde vorerst vertagt, soll aber in der nächsten Videokonferenz am kommenden Wochenende fallen. Sollte eine Durchführung beschlossen werden, wird besonders die Zeit für die Bezirksmeisterschaften knapp. Hierfür gelten weiterhin die üblichen Meldefristen.

»Unsere Wettkampfschützen sind total gefrustet, da Rundenwettkämpfe und Meisterschaften weggefallen sind. Für die älteren Schützen sind durch die Einstellung des Trainingsbetriebes wichtige soziale Kontakte weggebrochen«, zeigt sich auch Karl-Heinz Weller als Vorsitzender des SC Roland Kleinlinden wenig erfreut über die aktuelle Entwicklung. Überdies sei ein Mitgliederschwund eingetreten, »da derzeit keine Möglichkeit besteht, den Schießsport interessierten Personen näher zu bringen.«

Der Deutsche Schützenbund DSB will unterdessen die Deutsche Meisterschaft zumindest für die olympischen Disziplinen im September durchführen. Der Passus in der Sportordnung, dass Teilnehmer an Bezirks- und Landesmeisterschaften teilgenommen haben müssen, wurde für das laufende Jahr 2021 ausgesetzt. Beim DSB laufen Planungen zur Ermittlung der Teilnehmer notfalls über andere Wettkämpfe.

Die Rundenwettkämpfe Luftdruckwaffen sollen auf allen Ebenen nun im Herbst starten, ob die für Feuerwaffen im Frühjahr beginnen können, ist weiterhin ungewiss. Bezirkssportleiter Jürgen Nicolai (Langgöns) äußert sich dazu folgendermaßen: »Die Rundenwettkämpfe Feuerwaffen, wie zum Beispiel Sportpistole, sind in Planung. Ein Start bereits im März ist aber eher unwahrscheinlich. Wir wollen vom Bezirksvorstand her alles möglich machen, damit unser Sport wieder ausgeübt werden kann«, hat Nicolai die Hoffnung auf die Durchführung einer regulären Runde noch nicht aufgegeben.

Neben der Einstellung des aktiven Schießsportes drückt viele Vereine der finanzielle Verlust durch den Wegfall der Einnahmen aus dem Gastronomiebetrieb. Die Fixkosten für die Schützenhäuser laufen weiter, insbesondere die nicht unerheblichen Heizkosten jetzt im Winter, wie zahlreiche Vereine beklagen. Mehrere Vereine hatten Renovierungen geplant, die aus Geldmangel nicht durchgeführt werden konnten. Die durchweg sehr niedrigen Mitgliedsbeiträge der Schützenvereine reichen meist noch nicht einmal aus, um alle vorgegebenen Abgaben an die verschiedenen Verbände und Versicherungen abzudecken. Diese fallen am Jahresanfang stets neu an und werden das bestehende Loch in der Vereinskasse wohl weiter vertiefen. Für den SC Roland Kleinlinden sei durch »den Wegfall der Gastronomie und dem Weiterlaufen der Fixkosten für unseren 35 Jahre alten Schießstand ein Loch in der Kasse in Höhe eines vierstelligen Betrages entstanden«, wie Weller ausführte.

Finanzielle Hilfen sind möglich. Hinweise hierzu sind auf den Internetseiten des Hessischen Ministeriums des Inneren und für Sport, des Landessportbundes sowie beim Deutschen Schützenbund, Hessischen Schützenverband und DOSB zu finden.

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