Schlussspurt aus dem Lehrbuch

  • vonSebastian Kilsbach
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(sks). Schönheitspreise waren nach der Quarantäne von den 46ers Rackelos keine erwartet worden. Dennoch glückte in Frankfurt am Sonntag der dritte Saisonsieg (91:77) in der 3. Basketball-Liga. "Es war ein reiner Kampfsieg", resümiert Coach Rolf Scholz nach dem ProB-Duell. In der verwaisten Basketball-City Mainhatten hatte sich ein umkämpftes Spiel mit vielen Führungswechseln entwickelt. Nominell besser besetzte Mittelhessen mussten in der ersten Halbzeit zunächst Staub aus den Gelenken klopfen - die Zwangspause war Johannes Lischka und Co. deutlich anzumerken. So kam es, dass körperlich unterlegene Frankfurter über 35 Minuten auf den Sieg hoffen durften.

Zu Beginn lagen die Mainstädter gar mit 8:0 in Front, bevor Alexandre Doche, Lischka und Jeril Taylor ihre Go-to-Fähigkeiten unter Beweis stellten. Per Oberkellner-Layup war es Kapitän Lischka selbst, der auf 11:10 stellte (4.). Schnelle Punkte durch Tim Uhlemann und Felix Schweizer ließen die Führung dann auf 24:20 anschwellen. Diesen knappen Viertelvorsprung büßte Gießen durch mehrere Unkonzentriertheiten wieder ein. Zwischenzeitlich konnten die Juniors sogar bis auf 38:28 enteilen, bevor auf der Gegenseite Taylor das Spielgerät zum Wohlgefallen des hessischen Nervenkostüms durchs Netz tippte. Dennoch: Vorne vergab Gießen reihenweise gute Chancen, hinten war man oft einen halben Schritt zu spät. "Das war ein stückweit zu erwarten. Wir haben die Probleme in der Kabine angesprochen und das dann besser umgesetzt", lobte Scholz.

Zunächst aber konnte Frankfurt die Führung auch nach dem Seitenwechsel über viele Minuten auf einem niedrigen Level konservieren. Als Lischka zum Doppelpack ansetzte und binnen Sekunden das 50:50 markierte, war es Matthew Meredith, der mit drei Dreiern in drei Minuten seine Farben im Spiel hielt. Dass die 46ers hier nicht kollabierten, war dabei auch Doche zu verdanken. Der quirlige Guard wirkte in der ersten Hälfte teils unglücklich, scorte nach einer Einwechslung nun aber fast nach Belieben.

Äußerst nervös gestaltete sich auch die Auftaktphase im Schlussabschnitt. Nach einem Dunk durch Noah Kamdem (73:72, 35.) schien Frankfurt das Momentum für sich zu beanspruchen. Was folgte, war aber ein Gießener Schlusssprint wie aus dem Lehrbuch. Von jenseits des Perimeters ließ es Uhlemann aus einer clever gewählten Auszeit heraus gleich zweimal einschlagen. Dazwischen sorgte Tim Köpple mit einem Dreipunktespiel für Jubelarien auf der Gästebank. Das so erzwungene 81:73 war für die jungen Frankfurter eine zu große Hypothek. Zwar versuchten die Südhessen das Spiel noch durch taktische Fouls zu wenden - doch vergebens. "Wir haben nach der Halbzeit eine gute Reaktion gezeigt und defensiv konsequenter agiert. Am Ende haben wir von Ballbesitz zu Ballbesitz an Selbstvertrauen gewonnen. Uns ist es gelungen, da die kleinen Missmatches gut auszuspielen und so bekamen wir bessere Abschlüsse als vorher", analysiert Scholz. Ein deutliches dickeres Kaliber erwartet der Trainer bereits am Mittwoch (19 Uhr) in Ulm. Das schwäbische Farmteam zählt zu den stärksten der Liga. Beide Mannschaften stehen in der Tabelle bislang mit blütenweißer Weste ganz oben.

Gießen: Taylor (13), Doche (11), Köpple (12), Amaize, Schneider (10), Göbel, Uhlemann (20), Lischka (21), Schweizer (2), Brach (2), Maruschka.

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