Oberliga-Derbys vor ausverkauftem Haus zwischen der HSG Pohlheim - hier mit Daniel Hirz (l.) - und der HSG Wettenberg um Luca Weber wird es wohl diese Saison nicht geben. ARCHIVFOTO: RAS

Handball

Saisonstart light

Der Hessische Handball-Verband hat wie erwartet den Saisonstart aufgrund der Coronavirus-Pandemie mehr als einen Monat nach hinten verschoben..

Günter Dörr lässt keinen Zweifel daran, dass die neue Handballsaison eine sein wird, die so wohl noch niemand erlebt hat. Zu groß sind aus Sicht des Geschäftsführers des Hessischen Handballverbands (HHV) die Hürden aufgrund der Coronavirus-Pandemie, zu schwerwiegend Einschränkungen durch die Behörden. Der Verband hat am Mittwochmittag wie erwartet bekannt gegeben, dass der Saisonstart von 12./13. September auf 17./18. Oktober nach hinten verlegt wird - allerdings mit einer Einschränkung: Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen und beide Mannschaften spielen wollen, sind bereits ab 12. September Meisterschaftsspiele möglich.

"Wir gehen aktuell von einem hohen Prozentsatz an Mannschaften aus, die spielen wollen und können - hoffentlich dürfen sie es ab September auch noch", sagt Dörr. "Die Anfragen der Vereine nach dem Start des Spielbetriebs war bei uns in jedem Fall höher als erwartet."

HHV will hohe Flexibilität

Auch deshalb habe sich das Präsidium des HHV in einer Telefonkonferenz am Dienstag entschieden, den Saisonstart nicht pauschal zu verlegen. Dies hatte der Arbeitskreis Spieltechnik, der am Wochenende getagt hat, mit einer Mehrheit befürwortet. Daraufhin war die Meldung von der Verlegung durch einen Klassenleiter bereits als Tatsache veröffentlicht worden, ehe HHV-Präsident Gunter Eckart zurückrudern musste.

Nun herrscht also Klarheit - zumindest was die Rahmenbedingungen angeht. Der Rest soll in den Durchführungsbestimmungen geregelt werden, die Anfang September veröffentlicht werden sollen. "Hier müssen noch letzte Details festgelegt werden, da bitten wir einfach noch um etwas Geduld", sagt Dörr.

Der Verband wollte damit, so viele Spielmöglichkeiten wie möglich schaffen, solange die aktuelle Lage dies zulasse. Der Hintergrund: "Das Präsidium sieht für die kommende Runde große Herausforderungen auf die Vereine und spielleitenden Stellen zukommen, da nach derzeitigem Stand der Dinge mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Spielausfälle und Unterbrechungen der Runden zu erwarten sind", wie es in der Pressemitteilung heißt. Der Gesundheitsschutz aller an Spielen Beteiligten müsse bei jeder Entscheidung "oberste Priorität" haben.

Auch Dörr sieht eher skeptisch in die Zukunft. Jedem müsse klar sein, dass es am Ende der Saison Ligen gebe, in denen Mannschaften nicht immer gleich viele Spiele absolviert hätten. Von einem völlig fairen Wettbewerb "muss man sich verabschieden". Ein weiteres schwieriges Thema seien Zuschauer. "Ich empfehle jedem, aktuell auf Zuschauer zu verzichten", sagt Dörr. "Die Vereine, die das bisher geprüft haben, haben fast alle festgestellt, dass es sich nicht lohnt." Zu groß seien die Auflagen, zu hoch der Aufwand für die Ehrenamtlichen und zu gering der Nutzen.

Immerhin: Für die, die spielen wollen, sei der Aufwand im Online-Spielsystem angesichts der bereits angelegten Spielpläne gering und auch das Stellen von Schiedsrichtern voraussichtlich kein Problem. "Bei einer Abfrage auf Verbandsebene hatten wir diesbezüglich nur wenige negative Rückmeldungen", erklärt der Geschäftsführer.

Kritische Töne von der Basis

Bei der HSG Pohlheim ist man mit der Entscheidung des Verbands nicht ganz glücklich. "Natürlich ist es für alle eine Ausnahmesituation, aber wir hätten uns einen klareren Fahrplan hinsichtlich Zeitplan und Bedingungen gewünscht", sagt der Sportliche Leiter Martin Rebstock. So sei die Aussage "etwas schwammig". Daher wolle man sich am Wochenende intern beraten, wie man weiter vorgeht, zumal in den bisher erarbeiteten Hygienekonzepten auch Zuschauer vorgesehen waren. "Die Drähte laufen bereits seit Sonntag heiß bei uns."

Stand jetzt kann sich Rebstock nach eigenen Angaben vorstellen, dass zumindest die Oberliga-Mannschaft von Trainer Jens Dapper, die seit Juni in der Vorbereitung ist, bereits im September spielt. Diese Meinung teilt auch der Coach, der die HHV-Entscheidung zwar einerseits nachvollziehen kann, andererseits "sehr viele Fragezeichen" in puncto Organisation sieht. Seine Einschätzung für die neue Saison: "Es wird mega aufwendig."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare