Fabian Friedrich (r.), Geschäftsführer des TV 05/07 Hüttenberg, muss eine neue Saison mit etlichen Unwägbarkeiten planen. (FOTO: RAS)
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Fabian Friedrich (r.), Geschäftsführer des TV 05/07 Hüttenberg, muss eine neue Saison mit etlichen Unwägbarkeiten planen. (FOTO: RAS)

Großer Umbruch

Saisonplanung beim TV 05/07 Hüttenberg: Gleichung mit vielen Unbekannten

  • vonRainer Schmidt
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Während im deutschen Profi-Handball über mögliche Konzepte für die neue Runde diskutiert wird, steht beim Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg ein großer personeller Umbruch an - ausgerechnet.

Corona-Zwangspause, virtuelles Abschiedsspiel, Pläne für den Wiedereinstieg in den Spielbetrieb. Aktuell gibt es viele Fragen, die sich um den Handball-Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg ranken. Fragen, die wir Geschäftsführer Fabian Friedrich gestellt haben.

Herr Friedrich, die Saison 2019/2020 endete abrupt. Wie lautet ihr Fazit ?

Uns war klar, dass die Umstrukturierungen Zeit brauchen. Natürlich hätte das Pokal-Aus gegen Hanau vermieden werden können. In der Runde waren wir zu Beginn nicht so konstant. Mit dem Auswärtssieg in Ferndorf, wo wir eindrucksvoll unsere kämpferischen Tugenden gezeigt haben, kam die Kehrtwende. Danach haben die Mannschaft und das Trainer-Team - mit Ausnahme des letzten Heimspiels gegen Hamburg - gezeigt, wozu sie in der Lage sind - und die Entwicklung genommen, die wir sehen wollten. Klar kam dann noch einmal ein Phase mit Verletzungsproblematik. Aber ich bin überzeugt, dass wir in den nicht mehr ausgetragenen Spielen in der Tabelle noch nach oben geklettert wären.

Die Saison 2018/2019 endete finanziell mit einem Minus. Ist absehbar, welche Auswirkungen die vorzeitig Beendigung der Runde nun hat ?

Wir sind gerade auf der Zielgeraden für den Jahresabschluss zum 30. Juni. So wie es aussieht, kommen wir mit zwei blauen Augen davon. Das wichtigste ist, dass es weitergehen kann. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel positives Feedback bekommen, auch bezüglich des Rückforderungsprozesses. Mit dem Jahresabschluss werden wir es dann genau wissen.

Fußball und Basketball haben den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Welche Perspektiven hat der Handball?

Wir sind gespannt, welche Konzepte die Handball-Bundesliga ausgearbeitet hat - und was die politische Ebene dazu sagt. Es ist nicht so einfach, denn es bestehen ja Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern. Dann muss man sehen, wie viel Geld man unter den neuen Bedingungen generieren kann. Wichtig ist, dass wir bald wieder präsent sind. Geisterspiele sind aber auf jeden Fall für uns nicht darstellbar.

Mit einem virtuellen Abschiedsspiel wurden die langjährigen Säulen der Mannschaft - Kapitän Mario Fernandes, Eigengewächs Moritz Lambrecht und Routinier Tomáš Sklenák - verabschiedet. Zudem verlassen mit Markus Stegefelt und Björn Zintel die beiden erfolgreichsten Torschützen der vergangenen Saison den Verein. Da fehlt nun einiges, oder?

Ja. Aber Säulen werden immer wegbrechen. Ihre Hintergründe, nicht mehr 2. Liga spielen zu wollen, sind nachvollziehbar. Ich denke, Mario und Moritz haben ihr Soll beim TVH mehr als erfüllt. Dann ist irgendwann natürlich auch der Beruf wichtig. Und Skleny hätte auch gerne noch mit 40 in Hüttenberg spielen können. Natürlich will man einen krassen Umbruch vermeiden, aber man darf auch die Zeit dafür auch nicht verpassen. Als Ragnar Johannsson weg ist, haben viele gefragt, wie wir das in der Deckung schaffen wollen. Und dann ist Merlin Fuß explodiert und hat seine Chance voll ausgenutzt. Mit Ian Weber bekommen wir nun einen jungen Spieler mit großem Potenzial dazu. Ich habe gesehen, wie Freddy Griesbach (der Trainer, Anm. d. Red.) mit jungen Spielern arbeitet. Daher bin ich zuversichtlich, dass Ian diese Chance bei uns nutzen wird. Junge Spieler müssen Chancen bekommen und manchmal auch ins kalte Wasser geworfen werden. Das hat man auch bei Johannes Klein gesehen, als er in die Bundesliga-Mannschaft aufgerückt ist.

Stichwort junge Spieler. Der TVH hat zuletzt seine Anschluss- und Nachwuchsförderung neu aufgestellt. Wie sind die Veränderungen zu verstehen?

Michi Ferber (Trainer U19-Bundesliga, Anm. d. Red.) und Frederick Griesbach arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir weiterhin Spieler aus den eigenen Reihen generieren. Das geht aber nicht willkürlich. Da muss man schauen, wie stark die einzelnen Jahrgänge sind. Wir wollen den Jungs eine Chance geben, aber nicht um jeden Preis. Diesen Spagat zu schaffen, ist nicht leicht. Der in den letzten Jahren vielzitierte Hüttenberger Weg endet ja nicht am Ortsschild, sondern bedeutet, dass Spieler aus der Region bei uns Bundesliga spielen - wie zum Beispiel auch Christian Rompf oder Moritz Zörb. Dass man dann aber auch externe Spieler dazu holen muss, hat auch etwas mit der Jahrgangsstruktur zu tun. Ziel muss es sein, dass wir zumindest die zweite oder dritte Reihe mit eigenen Leute besetzen können. Daher ist es ganz wichtig, dass A-Jugend- und U 23-Team noch engmaschiger mit der ersten Mannschaft zusammenarbeiten.

Dennoch geht Qualität verloren, und es verlassen mehr Spieler den Verein, wie bislang Neuzugänge feststehen…

Das Thema Kaderstärke ist der aktuellen Situation geschuldet. Wir haben Partner, die können heute noch nicht definitiv zusagen, aber vielleicht im September. Daher können wir auch jetzt noch nicht sagen, mit welchem Budget wir in die kommende Runde gehen werden. Vielleicht ist es dann auch im Oktober oder November noch möglich, den einen oder anderen Spieler dazu zu holen. Aktuell sind ja auch noch viele Spieler vereinslos.

Oder Tomáš Sklenák, der ja noch ein Jahr in Deutschland bleiben will, wird "Standby-Spieler"?

Das sehe ich aktuell nicht. Klar sollte man nie etwas ausschließen. Aber wir wollen vor allem seinen Charakter nicht verlieren und ihn weiter an den Verein binden.

Dann muss auch eine neue Mannschaftshierarchie gefunden werden…

Genau. Die nächste Generation muss nun ran. Wir haben Niko Weber (Torhüter, Anm. d. Red.), der das unfassbar gut macht. Der weiß, was für eine Rolle er hat. Er kommuniziert sehr viel mit den jüngeren Spielern - und nicht nur mit den Torhüterkollegen Dominik Plaue und Simon Böhne oder auch Christian Rompf sind gefordert. Ich denke aber auch speziell an Moritz Zörb. Ihm ist der TVH ins Herz gemeißelt. Das ist eine super Person. Dem traue ich diese Führungsrolle ganz klar zu.

Die kommende Saison, wann und wie auch immer sie beginnt, wird dennoch sicherlich eine große Herausforderung. Zu den personellen Verlusten kommt eine erhöhte Anzahl an Absteigern. Muss der TVH nach unten schauen?

Ich denke, es wird ein noch engeres Feld als in der vergangenen Saison. Man muss sehen, wie andere Vereine aus dieser Situation herauskommen. Viele werden schauen, möglichst schnell vom Tabellenende wegzukommen. Wir werden sicherlich zu kämpfen haben. Das wird sportlich hochinteressant. Aber wir haben keine Pläne, wie wir uns in einer 3. Liga aufstellen müssten. Wir haben eine sehr interessante und homogene Mannschaft, sodass die Trainer Frederick Griesbach, Johannes Wohlrab und ich überzeugt sind, dass wir auch weiterhin gut in den 2. Bundesliga spielen werden.

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