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Corona hat auch die Schachspieler lange außer Gefecht gesetzt, nun werden am Wochenende auf Landesebene die letzten Partien der Runde 2019/2020 absolviert. SYMBOLFOTO: IMAGO

Saisonfinale nach 18-monatiger Spielpause

  • VonFrank Drill
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(fjd). Fast auf den Tag genau 1,5 Jahre dauerte die Covid-19-bedingte Spielpause in den drei überregionalen Spielklassen des Hessischen Schach-Verbandes. Während in den Bezirks- und Kreisklassen bereits vor geraumer Zeit ausnahmslos der Saisonabbruch beschlossen worden war und dabei der Zwischenstand der Tabelle als Endstand herangezogen wurde, plädierten Funktionäre und Vereine ab Landesklasse aufwärts für die Austragung der noch verbliebenen beiden Spieltage.

Nachdem diverse Neuansetzungen stets wieder von der aktuellen Pandemie-Lage eingeholt und damit verhindert worden waren, soll es an diesem Wochenende tatsächlich weitergehen. Erstmalig in der Geschichte des Hessischen Schach-Verbandes wird die 8. und 9. Runde in Hessenliga, Verbandsliga und den vier Landesklassen an einem Wochenende als Doppelrunde ausgetragen.

SK Gießen als Meistermacher?

Einige hessische Schachspieler, die Ende September 2019 die Punktspielsaison 2019/20 eröffnet hatten, sind mittlerweile verstorben, darunter der ehemalige Hessenmeister FM Horst Degenhardt (SC Lorsch) oder der mehrfache hessische Blitz-Einzelmeister Helmut Kaulfuss vom Hessenligisten SV Hofheim II. Andere haben womöglich ihre Bindung an den Schachklub verloren bzw. oder Schach als Wettkampfsport gänzlich an den Nagel gehängt. Prognosen über Besetzung und aktuellem Leistungsstand der Schachvereine sind daher mit einem großen Fragezeichen versehen.

Hessenliga: Der heimische Vertreter SK 1858 Gießen (zuvor 7:7 Punkte) hätte an diesem Samstag sein Heimspiel gegen den SV Griesheim II austragen müssen. Dazu wird es jedoch nicht kommen, da die Südhessen Anfang der Woche dem Wettkampfleiter ihren Rückzug aus der Hessenliga erklärt hatten und damit als erster Absteiger feststehen. Die Begegnung wurde daher mit einem kampflosen 8:0 für den SK Gießen gewertet und ist in der Hessenliga-Tabelle bereits so eingetragen, sodass sich der SK Gießen jetzt mit 9:7 Mannschafts- und 33,0 Brettpunkten auf Rang fünf verbessert hat. Umso ausgeruhter können Peter Rudolph und Co. somit am Sonntag (14 Uhr) die Auswärtsaufgabe beim Spitzenreiter SK Bad Homburg (11:3 Punkte) angehen.

Neben dem SK Bad Homburg können sich sowohl der punktgleiche SV Hofheim II (11:3) als auch die drittplatzierten Dettinger Schachfreunde (10:4) Hoffnungen auf Meisterschaft und Aufstieg in die Oberliga Ost machen. Eine Vorentscheidung wird bereits am Samstag fallen, wenn in Hofheim die beiden Top-Teams aus Hofheim und Bad Homburg im direkten Duell aufeinandertreffen. Unabhängig vom Partieausgang wird der SK 1858 Gießen am Sonntag mit großer Wahrscheinlichkeit das Zünglein an der Waage sein.

Prinzip Hoffnung für Biebertal

Verbandsliga Nord: Nach einer rundum verkorksten Saison mit nur einem Sieg (6,5:1,5 über Schlusslicht SC Gelnhausen) und sechs Pleiten stehen die Biebertaler Schachfreunde nach sieben Spieltagen mit 2:12 Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Die vor den Biebertalern platzierten Teams vom SC Bad Nauheim bzw. dem SK Vellmar (beide 6:8 Punkte) sind bereits um vier Zähler entrückt. Es kann daher für die Truppe um Spielführer Andreas Barth nur noch darum gehen, den vorletzten Tabellenplatz vor »Kellerkind« SC Gelnhausen (1:13 Punkte) zu behaupten und darauf hoffen, dass Rang neun die Möglichkeit eines Relegationsspiels gegen den Vorletzten der Verbandsliga Süd eröffnet.

Unter normalen Umständen ist für die Mittelhessen in der Samstagbegegnung beim verlustpunktfreien Spitzenreiter Sfr. Emstal/Wolfhagen II (14:0 Punkte) nichts zu holen. Die Umstände sind allerdings nicht normal, wobei Biebertal zugute kommen könnte, dass Wolfhagen als bereits feststehender VL-Meister die Punkte gar nicht mehr benötigt und womöglich mit einer Rumpftruppe antreten wird.

Falls die gesponserte Wolfhagen-Reserve Ernst macht, gewinnt die Sonntags-Begegnung Sfr. Biebertal - SK Vellmar (Beginn: 14 Uhr im Haus der Begegnung) erheblich an Bedeutung. Da Biebertals Abstiegskonkurrent SC Gelnhausen zeitgleich im Heimspiel gegen den SK Marburg II vor einer zumindest nicht unlösbaren Aufgabe steht, könnte eine Heimpleite für Biebertal fatale Folgen haben.

Erschwerend für die Mission Klassenerhalt ist das Fehlen von Erstbrettspieler FM Alexander Krastev, der für den Deutschen Schach-Bund an der Europameisterschaft in Reykjavik teilnimmt.

Landesklasse West: Im Zentrum des Interesses dürfte das samstägliche Heimspiel der zweitplatzierten SSG Hungen/Lich (11:3 Punkte) gegen den verlustpunktfreien Tabellenführer SV Wiesbaden II (14:0) stehen, dass um 14 Uhr in der Hungener Alten Schule angepfiffen werden wird. Mit einem Erfolg könnten Gerd Euler und Co. die Entscheidung über Meisterschaft und Aufstieg zumindest um 24 Stunden vertagen und hoffen, dass die Landeshauptstädter tags darauf im Derby gegen den abstiegsgefährdeten FC Bierstadt ein weiteres Mal straucheln. Natürlich sind die Titelaussichten der SSG eher hypothetischer Natur, doch es gibt zumindest Anzeichen, dass der SV Wiesbaden II die lange Spielpause nicht unbeschadet überstanden hat. So war die erste Mannschaft des SV Wiesbaden vor einigen Wochen in der finalen Oberliga-Doppelrunde mangels verfügbarer Spieler nicht angetreten.

Am Sonntag (14 Uhr, Stadthalle Wieseck) steht für die SSG Hungen Lich dann das brisante Derby bei den Wiesecker Schachfreunden auf dem Programm, die ihrerseits mit 6:8 Punkten den Klassenerhalt noch nicht in trockenen Tüchern haben und 24 Stunden zuvor beim Tabellennachbarn Tus Dotzheim II anzutreten haben. Bei mutmaßlich drei festen Absteigern sieht die Lage im Tabellenkeller wie folgt aus: 6. Sfr. Wieseck 6:8 Punkte, 7.-8. FC Bierstadt und Sfr. Wetzlar jeweils 5:9 Punkte, 9.-10. SK Marburg III und Rochade Diez mit jeweils 3:11 Punkten.

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