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Bruna Tuzi trägt ihren Teil zum Sieg bei. FOTO: FRIEDRICH

In ruhigen Gewässern

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(fjd). Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel an der Tabellenspitze der Schach-Hessenliga nimmt groteske Formen an, gab es doch nach dem fünften Spieltag einen erneuten Führungswechsel. Ligaprimus Sfr. Dettingen (7:3 Punkte) musste nach dem 3,5:4,5 gegen den SV Hofheim II den Platz an der Sonne zugunsten des Außenseiters SK Bad Homburg räumen, der sich bei Hessenliga-Absteiger SV Griesheim II mit 5:3 behauptete. Ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt gelang dem SK 1858 Gießen, der sich mit dem 4,5:3,5 beim Tabellenletzten Brett vorm Kopp Frankfurt auf Rang fünf vorarbeitete.

Die Frankfurter hatten den erstmalig eingesetzten ungarischen Fide-Meister Gergely Kiss anstelle des verhinderten Ex-Gießeners FM Jochen Wege aufgeboten, ohne damit im Hinblick auf die Niederlagenserie (vier Pleiten in Folge) den Bock umstoßen zu können. Für den Betrachter unverständlich ist die Entscheidung von Jens Bahlo (DWZ 1883), sich für seinen couragierten Auftritt am siebten Brett gegen den über 220 DWZ Punkte schwereren Frankfurter Top-Scorer Bernhard Kettler (DWZ 2107) nicht adäquat zu belohnen. Aus einem geschlossenen Sizilianer "Marke Eigenbau" (1. e4 c5 2. Le2 Sc6 3. d3) heraus kam Bahlo gegen den im Mittelspiel blindwütig anrennenden Nachziehenden zur scheinbar vorentscheidenden Öffnung der g-Linie, wobei Kettler das Matt nur durch die Überleitung in das materiell aussichtslose Damen-Endspiel mit Minusqualität und Minusbauer überleitete. Offenbar ermüdet, gab Bahlo einen Bauern zurück, um in der noch gewinnträchtigen Schlussposition (Weiß: Kh1,Dc4,Tc8,a2,h2 - Schwarz: Kh8,Df5,Lf8,a7,h6) mittels 48. Dc3+ Kh8 49. Dg3+ das Remis durch Dauerschach zu forcieren.

Kurz zuvor hatte Gießens albanische Fide-Meisterin Bruna Tuzi gegen Erhard Rüger ein gewonnenes Damenendspiel mit Mehrbauer in ein remisiges verwandelt, indem sie in der Position (Weiß: Kh2,De6,b6,f2,h3 - Schwarz: Kh5,Db7,f5,g5) mittels 52. Df5: ihren umwandlungsbereiten Freibauern auf b6 zugunsten des unwichtigen f5-Bauern preisgab. In der Grauzone zwischen "generös" und "mannschaftsdienlich" bewegte sich der Entschluss von Peter Gerber, ein Turmendspiel mit Mehrfigur gegen nur einen Bauern (Weiß: Kg4,Tf8,d4,e5 - Kg6,Tb3,Ld2,e6) remis zu geben, ohne den Kontrahenten im schwierig zu verteidigenden Endspieltyp Turm und Läufer gegen Turm zu testen. Zuvor hatte Gerber in einem ruhigen "Geschlossenen Sizilianer" (1. e4 c5 2. Sc3) mit beiderseits kurzer Rochade die Initiative von FM Gergely Kiss gekonnt abgefedert, bevor der Ungar durch ein Blackout seinen Läufer einstellte.

Wie man seinen Endspielvorteil in einen vollen Zähler umwandelt, demonstrierte Roger Derichs am Spitzenbrett. Widerpart FM Stefan Wendel (DWZ 2177) hatte als Nachziehender die Englische Eröffnung (1. c4 e5 2. g3 Sf6) unpräzise behandelt, wodurch sein schwarzer Zentralbauer auf e4 ohne Kompensation über Bord flog. Derichs forcierte daraufhin diverse Vereinfachungen, um besagten Mehrbesitz in einem gleichfarbigen Läuferendspiel technisch sauber zu verwerten.

Kaum weniger bissig agierten die Mittelhessen mit den schwarzen Steinen. Thomas Sunder brachte aus der Aljechin-Verteidigung (1. e4 Sf6 2. e5 Sd5) heraus seine Schwerfiguren-Batterie in der offenen e-Linie in Stellung, nachdem sich Max Steudel (DWZ 2095) mit wenig zielführenden Aktionen am Damenflügel verrannt hatte. Der finale Mattangriff Sunders war von Steudel nur unter Preisgabe eines Turmes abzuwenden. Ebenfalls um einen ganzen Turm erleichtern konnte Dr. Lutz Konrad FM Bernd Röschlau (DWZ 2186). Um die Gießener Vorbereitung zu erschweren, hatte Brett vorm Kopp den Schwarzspezialisten völlig überraschend mit den weißen Steinen ausgestattet, was Röschlau mit dem tempoverlierenden Anfangszug 1. a3 goutierte. Im weiteren Verlauf verpasste es der Frankfurter, mittels Qualitätsopfer eine unklare Stellung mit heterogenen Rochaden herbeizuführen, wodurch Konrads Attacke am Königsflügel durchschlug.

Vom Partieverlauf her leistungsgerecht waren die Partieverluste von Peter Rudolph und Professor Arbinger, die keine gute Figurenaufstellung fanden.

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