Bezeichnend: Hamburgs Guard Max DiLeo hechtet sich beim deutlichen Sieg der Towers gegen die Gießen 46ers nach dem Ball, während Jonathan Stark zu schaut.. FOTO: CLAUS BERGMANN
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Bezeichnend: Hamburgs Guard Max DiLeo hechtet sich beim deutlichen Sieg der Towers gegen die Gießen 46ers nach dem Ball, während Jonathan Stark zu schaut.. FOTO: CLAUS BERGMANN

Gießen 46ers

Rückschritt der Gießen 46ers beim Swing-Festival in Hamburg

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Eine verdiente 79:100-Niederlage kassierten die überforderten Gießen 46ers bei den Hamburg Towers. Erneut offenbarte das Team von Trainer Ingo Freyer extreme Schwächen in der Verteidigung. Vor allem in der ersten Hälfte, als keiner in der Lage war, das Dreierfestival von Jordan Swing zu unterbinden.

Insgeheim hatten die Gießen 46ers darauf gehofft, in Hamburg das erste Erfolgserlebnis in dieser Basketball-Bundesliga-Saison zu feiern. Das auf Augenhöhe geführte BBL-Spiel am Dienstag in Braunschweig beim 85:93 hatte der Mannschaft von Coach Ingo Freyer Selbstbewusstsein gegeben. Doch die Gäste aus Mittelhessen wurden bei den Towers auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Zeitweise war ein Klassenunterschied zu erkennen. Beim 32:54-Halbzeitstand für die engagiert und konzentriert auftretende Mannschaft von Trainer Pedro Calles war die Begegnung eigentlich schon gelaufen. Das 79:100 war für die Gießener im vierten BBL-Spiel die vierte Niederlage - den Pokal mitgerechnet sogar insgesamt die siebte der Saison. Und am Sonntag spielen die gebeutelten 46ers beim Titelfavoriten FC Bayern München, ehe nächste Woche die Schlüsselspiele im Kampf gegen den Abstieg zu Hause gegen den MBC und Chemnitz anstehen.

Gießen kam anfangs überhaupt nicht mit dem Druck zurecht. "Konzentration" hatte Spielmacher Liam O’Reilly seinem Team mit auf den Weg gegeben. Aber das spielte in der ersten Hälfte, als hätte es sich kurz vorher auf einem Freiplatz für einen lockeren Zock getroffen. Keine Aggressivität in der Verteidigung, kein Rhythmus im Angriff, übertriebenes Einzelspiel - und vor allem eine Sorglosigkeit mit dem Ball. Jeder wurstelte vor sich hin. Die Bilanz der ersten 20 Minuten war niederschmetternd: Elf Ballverluste, zwölf Treffer bei 27 Versuchen aus der Distanz - und von den neun Dreiern fanden nur zwei das Ziel. Nur Powerforward Scottie James JR und O’Reilly zeigten eine annähernde Normalform - der Rest des Teams war in Hälfte eins kaum in Erscheinung getreten.

"Wir haben den Start verschlafen, mit zu wenig Intensität gespielt und zu leichte Körbe bekommen. Das ganze Team hat zu viele Turnover produziert - ich auf jedenfall auch. Das darf nicht passieren. So sind wir die ganze Zeit einem Rückstand hinterhergelaufen. Und das ist schwer, auswärts aufzuholen", redete sich Gießens junger Aufbauspieler Bjarne Kraushaar den Frust von der Seele.

Hamburg dagegen war von Beginn an hellwach -- mit dem emotionalen Leader Max DiLeo. Der gallige Defensespezialist ging mit gutem Beispiel voran. Als er nach fünf Minuten ausgewechselt wurde, konnte er kaum atmen - so hatte sich der Terrier in seiner Abwehr-Aufgabe festgebissen. Von dieser Arbeitseinstellung hätten sich einige der Gießener Spieler gleich mehrere Scheiben abschneiden können.

Es war aber die Halbzeit von Jordan Swing, der im wahrsten Sinne des Wortes in Schwung kam. Der 29-jährige Flügelspieler traf in der ersten Hälfte acht von acht Dreiern. Es passte ins Bild der Gießener, dass sie das überhaupt nicht so auf dem Schirm hatten. Sonst hätten sie ihn doch sicherlich anders verteidigt?

Der US-Amerikaner blieb nach der Partie auf die Frage, was er denn dabei gefühlt habe, genauso cool wie vorher auf dem Feld bei seinen tadellosen Würfen jenseits der 6,75-m-Linie: "Ich bin aggressiv geblieben, habe gemerkt, dass ich treffe - und dann habe ich einfach so weitergemacht." In den Vierteln drei und vier hielt sich der flexible 1,98-m-Mann zurück mit dem Schuss von weit draußen. Dennoch sammelte er weitere vier Punkte und erhöhte sein Konto auf 28, sodass er zum Topscorer avancierte - bei einem rekordverdächtigen Trefferquotienten von 90,9 Prozent (10 von 11).

Bester Werfer bei den völlig überforderten 46ers war Kapitän Thomas, der auf zwölf Zähler kam, die aber fielen, als die einseitige Partie schon lange entschieden war. Ansonsten war nur wenig von ihm zu sehen.

Im dritten Viertel kam im Gießener Lager beim 42:60 (Thomas-Dreier) kurzzeitig Hoffnung auf. Doch erneut gingen die Protagonisten viel zu sorglos mit dem Ball um, den sie häufig aus den Händen geklaut bekamen. Insgesamt verzeichneten die Hamburger 16 Steals - und natürlich war DiLeo mit fünf der König der Diebe.

Hamburg: Swing (28 Pkt./ 8-3er), Kotsar (16/0), Cuthbertson (14/3), Shorts (13/0), Rich (9/0), Hollatz (7/1), Ogunsipe (5/0), DiLeo (4/1), Allen (4/0), B.Taylor (0/0) / Gießen: Thomas (12 Pkt./ 1-3er), O’Reilly (11/2), James Jr. (11/1), Richter (10/0), Kraushaar (8/1), Zylka (8/1), Bowman (7/0), Pjanic (5/0), Stark (5/0), Hamilton (2/0) / Viertel: 26:18, 28:14, 26:28, 20:19..

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