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In der Leaderrolle bei der HSG Wetzlar inzwischen angekommen: Der Schweizer Nationalspieler Lenny Rubin.

Handball / HSG Wetzlar

Rubin wächst in Führungsrolle

  • Daniela Pieth
    VonDaniela Pieth
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Doppelpack für die HSG Wetzlar. Nach dem 36:28 in Erlangen bekommt es der Handball-Bundesligist am heutigen Samstagabend um 20.30 Uhr mit dem Bergischen HC in der Rittal Arena zu tun.

Er kam vor drei Jahren als Schweizer Meister (2018) und Pokalsieger (2017) mit Wacker Thun und vielen Vorschusslorbeeren im Gepäck nach Mittelhessen an die Lahn. Der damals 22-Jährige brauchte seine Zeit, um sich an die Handball-Bundesliga zu gewöhnen und etablierte sich in seiner zweiten Saison eher als Abwehrspieler denn als Tormaschine bei der HSG Wetzlar. Trotz der regelmäßigen Einsätze in der Schweizer Nationalmannschaft wollte ihm der Durchbruch im Verein (noch) nicht so recht gelingen. Erst durch die Knieverletzung von Olle Forsell Schefvert, die den 2,04-m-Hühnen in die erste Reihe auf seiner Position spülte, scheint Rubin das wahre Potenzial abrufen zu können.

Seit Mitte April mimt er auf seiner Position quasi den Alleinunterhalter und erzielte in sechs Spielen 35 Tore. Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Daniela Pieth beleuchtet er seine aktuelle Lage, die seiner Mannschaft in der Liga und verrät, was er seinem Team noch zutraut.

Lenny Rubin, seit Olle Forsell Schefvert ausfällt, haben Sie einen großen Sprung gemacht. In der internen Torschützenliste haben Sie sich auf Rang fünf vorgearbeitet und sogar zwei Siebenmeter geworfen. Wann war das denn?

Das war auswärts in Leipzig, das ist schon lange her (lacht).

Man hat das Gefühl, bei Ihnen ist der Knoten endlich geplatzt und Sie nehmen die Verantwortung, die jetzt auch offiziell auf Ihnen lastet, an. Ist das so?

Das ist definitiv so. Klar wünscht man keinem, dass er sich schwer verletzt. Ich wünsche Olle gute Besserung und dass natürlich auch alles wieder gut wird mit seinem Knie. Dass es jetzt so gut läuft, hängt sicher auch damit zusammen, dass ich das nötige Vertrauen vom Trainer bekomme. Ich darf auch mal Fehler machen und muss nicht gleich wieder vom Feld. Ich weiß, dass die Mannschaft mich braucht und ich sehr wichtig bin. Wenn ich nicht meine sieben, acht, neun Tore mache, dass es für uns auch ganz schwierig wird zu gewinnen. Für mich ist die Situation super. Ich kann hinten und vorne ganz viel spielen, kann Verantwortung übernehmen. Jetzt ist es endlich so, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Das ist natürlich super und ich glaube, ich habe einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Haben Sie die Hoffnung, dass Sie auch mehr Spielanteile bekommen, wenn Olle wieder da ist?

Ja, definitiv. Ich will es jetzt allen zeigen, dem Verein, den Fans. Ich war auch nicht ganz zufrieden mit meinen Leistungen und meinen Einsätzen bezogen auf den Angriff. Olle wird, so wie wir informiert wurden, in dieser Saison nicht mehr spielen. Danach kommt ein neuer Trainer und es gibt einen neuen Wind. Der will dann vielleicht auch ein bisschen andere Sachen, als es der jetzige Trainer will. Ich will mich einfach jeden Tag verbessern und habe mega viel Bock, mit dieser Mannschaft zu spielen. Ich glaube, wir können in dieser Saison noch viele Spiele gewinnen. Und es ist mein Ziel, in der nächsten Saison genauso viel zu spielen. Es ist mir bewusst, dass Olle dann wieder zurück ist, dann wieder ein bisschen mehr Konkurrenz ist. Aber ich kann jetzt allen zeigen, wenn ich das nötige Vertrauen kriege, dass ich dann gute Leistungen bringen kann.

Was meinen Sie, wo die HSG Wetzlar in dieser Saison landen kann? Sie haben jetzt schon 34 Punkte, was ist noch drin in dieser Mannschaft?

Ich muss sagen, dass wir bis jetzt eine überragende Saison gespielt haben. Die Verletzungen von Olle, Alexander Feld und Stefan Cavor schwächen uns sehr und bedeuten eine zusätzliche Belastung. Damit müssen wir jetzt umgehen, aber ich bin guter Dinge. Mit dem Sieg gegen Nordhorn vor der Pause haben wir einen ersten Schritt gemacht in Erlangen den nächsten - und es wäre richtig cool, wenn wir 40 Punkte holen würden. Wir haben keinen Druck mehr, wir haben einen schmalen Kader und probieren einfach, noch ein paar Spiele zu gewinnen. Dann werden wir sehen, wozu es am Schluss reicht.

Hilft da auch ein bisschen der Gedanke, es ist ja nur noch ein Monat?

Ja (lacht), ich muss schon sagen, langsam sieht man das Ende. Klar ist es immer cool, bei der Nationalmannschaft zu sein, aber es tut auch gut zu wissen, dass jetzt nur noch die Spiele in der Bundesliga anstehen und man dann Pause hat. Aber auch die 13 Tage Pause, die hinter uns liegen, haben gutgetan, in denen viele andere Mannschaften die Spiele nachholen mussten, die wegen Corona ausgefallen waren.

Als klar war, dass Olle länger ausfällt, gab es da ein Gespräch mit Trainer Kai Wandschneider? Es kam doch automatisch mehr Verantwortung auf Sie zu.

Wir haben nicht groß zusammen gesprochen. Für mich war einfach in meinem Kopf: Olle fällt aus, jetzt habe ich die ganze Verantwortung und ich muss jetzt Leistungen zeigen. Wir brauchen von Rückraum links die Tore und ich habe das für mich allein analysiert, dass ich vorne endlich auch die Spielanteile bekomme, die ich brauche. Das versuche ich jeden Tag im Training und in den Spielen zu machen. Klar gibt es Spiele, in denen du keine zehn Tore machst, in denen du nicht so gut triffst. Aber ich probiere einfach diesen Aufschwung mitzunehmen, meine Spielzeit möglichst gut auszunutzen und natürlich auch gute Werbung für mich persönlich zu machen.

Arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer zusammen? Gibt es jemanden in Ihrem Umfeld, der Sie unterstützt?

Ich habe seit ein paar Monaten Hilfe von einer Mentaltrainerin und gehe da, wenn möglich, einmal in der Woche hin. Das gibt einem schon ganz viel und sie unterstützt mich richtig gut. Trotzdem musst du das als Sportler schlussendlich auch wollen und umsetzten. Ich spreche natürlich auch viel mit meinem Vater und meiner Mutter. Ich glaube, mir tut es gut, viel Spielzeit zu kriegen. Ich habe das immer gesagt, dass ich ein Spieler bin, der das Vertrauen auch braucht, um richtig Leistung abrufen zu können. Aber ich will darüber gar nicht so viel nachdenken, sondern in den sieben Spielen noch Vollgas geben und noch möglichst viele Spiele gewinnen.

Gibt es das Ziel, eine bestimmte Anzahl an Toren zu werfen?

Eigentlich nicht. Ich nehme mir natürlich vor, in jeder Partie ein gutes Spiel zu machen und als Mannschaft zu gewinnen. Aber ich bin auch zufrieden, wenn wir gewinnen und ich spiele mal nicht gut, wenn ich meinen Job richtig gut in der Abwehr mache, es aber vielleicht vorne mal nicht so läuft. Ich würde einfach gerne noch ein paar Punkte holen und weiß, dass dafür auch viel von mir abhängt. Da ist es klar, dass man in jedem Spiel gute Leistungen zeigen und das dann direkt in die nächste Saison mitnehmen möchte.

Auch in der Assiststatistik liegen Sie mannschaftsintern weit vorne auf Platz vier. Ist das auch ein wichtiger Faktor?

Ich glaube schon, dass das wichtig ist. Ich spiele und entscheide bei uns eigentlich immer die Überzahl, dabei kommen viele Assists dazu. Ich weiß natürlich, dass ich in dem Bereich im Spiel Sechs-gegen-Sechs noch Potenzial habe, wie im Zusammenspiel mit dem Kreis oder dem Linksaußen. Aber mein Hauptziel sind einfach Tore, wobei ich glaube, dass ich auch ein guter Assistgeber bin.

Im Sommer kommt mit Benjamin Matschke ein neuer Trainer. Hatten Sie schon Kontakt zu ihm? Hat er Ihnen mitgeteilt, was er von Ihnen erwartet?

Ich hatte schon Kontakt, ja. Ich weiß nicht, ob ich jetzt hier sagen kann, was wir alles besprochen haben. Wir hatten gute Gespräche und ich glaube, er ist ein komplett anderer Typ als Kai. Aber ich will noch gar nicht groß auf die Zeit nach vorne schauen. Wir haben noch sieben Spiele mit Kai. Wir haben ihm als Mannschaft ganz viel zu verdanken und wollen noch einen möglichst guten Tabellenplatz holen. Dann erst schauen wir, wie es in der nächsten Saison weitergeht.

Will die Mannschaft Kai Wandschneider noch ein schönes Abschiedsgeschenk bereiten?

Ja. Das hat er sich auch verdient. Er hat viel für den Verein und seine Spieler getan. Wir wollen ihm eine gute Saison schenken, damit er hier einen geilen Abschluss hat. Wir haben richtig coole Typen im Team und es macht einfach Spaß.

Zum Abschluss ein kleiner Tipp: Auf welchem Tabellenplatz läuft die HSG Wetzlar ein?

Ich finde das ein bisschen schwierig zu sagen. Die Erwartungen sind dann zum Teil sehr hoch. Der siebte Platz wäre toll. Ein Platz in den Top 10 möchten wir schaffen, das wäre richtig cool und es ist wirklich machbar. Wir müssen schauen, dass es keine weiteren Verletzungen gibt.

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