Roth kann Wetzlars Leistung in Lemgo nicht ertragen

Vielleicht sollte sich auch Michael Roth, der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, in seinem Keller ein DVD-Archiv mit den peinlichsten Auftritten seiner Mannschaft anlegen. An Material zu kommen, dürfte jedenfalls nicht besonders schwer werden, denn schon die Auswärtspartie am Samstag beim TBV Lemgo taugt als erstes Exemplar. Dass sich die Vorführung eines solchen Spiels durchaus motivierend auswirken kann, bewies zumindest Volker Mudrow, Coach des TBV.

Vielleicht sollte sich auch Michael Roth, der Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, in seinem Keller ein DVD-Archiv mit den peinlichsten Auftritten seiner Mannschaft anlegen. An Material zu kommen, dürfte jedenfalls nicht besonders schwer werden, denn schon die Auswärtspartie am Samstag beim TBV Lemgo taugt als erstes Exemplar. Dass sich die Vorführung eines solchen Spiels durchaus motivierend auswirken kann, bewies zumindest Volker Mudrow, Coach des TBV. Seine Truppe scheint auf Horror-Videos anzuspringen. Bereits vor dem eminent wichtigen EHF-Pokalrückspiel in Lissabon hatte Trainer Volker Mudrow seine Mannen mit einer Aufzeichnung des blamablen Hinspiels einen Spiegel vor das Gesicht gehalten. Beim 29:18 (16:5) gegen die enttäuschenden Wetzlarer klappte diese Masche erneut.

Das Video der Lemgoer 30:31-Niederlage am 25. September im Hinrundenspiel in Wetzlar jedenfalls verfehlte seine Wirkung nicht. Die seinerzeit an den Tag gelegte Passivität des TBV in der Abwehr verwandelte sich bei der "Revanche" in eine Aggressivität, die Trainer Mudrow strahlen ließ. Zumindest für einen klitzekleinen Moment. "Es war wichtig, dass wir auch für die Zuschauer gespielt haben, die uns trotz unserer Schwankungen die Treue gehalten haben. Schon in Lissabon war unsere Leistung gut, doch leider konnte das niemand sehen."

Obwohl der TBV vom 5:4 (9.) zum 16:4 20 Minuten lang eine nahezu perfekte Vorstellung bot, die chancenlosen Wetzlarer an die Wand spielte und am Ende den höchsten Saisonsieg feierte, war Mudrow nur "Grundsätzliches" wichtig. "Wir dürfen uns von solchen Siegen nicht blenden lassen. Es geht nur darum, nicht hochmütig an die Aufgaben heranzugehen. Wer Respekt vor seinem Gegner hat, darf sich auch mal einen Fehler erlauben. Aber dann macht man halt nicht zehn Fehler hintereinander."

Dass sich Spielmacher Michael Kraus im Abschlusstraining einen Faserriss im Adduktorenbereich zugezogen hatte und mindestens zwei Wochen ausfällt, war den TBV-Offiziellen nur einen Nebensatz wert. Denn mit Martin Strobel und Ferenc Ilyes hatten sich zwei Akteure in den Vordergrund gespielt, die sich bislang im Schatten des Nationalmannschaftskapitäns versteckt hielten. Besonders der Ungar Ilyes machte den Wetzlarern Probleme. In seine 17. Bundesligapartie war der Nationalspieler mit der bescheidenen Empfehlung von durchschnittlich 1,6 Toren pro Spiel gegangen, diesmal reichte es zu sechs Treffern.

Das Spiel hatte Lemgo allerdings in der Abwehr gewonnen. Die Truppe arbeitete mit viel Engagement gegen den Ball und erstickte alle Wetzlarer Angriffsbemühungen im Keim. Wie die Feuerwehr gingen die Ostwestfalen nach einem der häufigen Ballgewinne dann in die eigenen Angriffe.

Von den kümmerlichen fünf Wetzlarer Treffern vor der Pause gingen vier auf das Konto von Sven-Sören Christophersen, der sich als Alleinunterhalter aber auch acht Fehlschüsse erlaubte. "Das sah teilweise etwas blöd aus. Doch was soll man machen, wenn ansonsten keiner werfen will oder Zeitspiel angezeigt ist", stellte sich "Smöre" der Verantwortung gegen eine aufmerksame Lemgoer 6:0-Deckung, die prima verschob. Wetzlars Trainer Michael Roth war angesichts der 20-minütigen Ladehemmung bis zum 4:16 angefressen. "Wir haben aber auch gleich sämtliche Klassiker eingesetzt: Siebenmeter verworfen und Galia eingeworfen. Dann geht’s ganz schnell und man ist plötzlich völlig hilflos", erklärte Roth, in dessen Team Daniel Valo ein Totalausfall war. "Über 60 Minuten ist solch eine Leistung nur schwer zu ertragen. Deshalb habe ich es in der Pause vermieden, in die Kabine zu gehen. Immerhin haben wir die zweite Hälfte remis gespielt, weshalb ich meinen Co-Trainern nur gratulieren kann.

Sie scheinen die besseren Trainer zu sein", flüchtete der HSG-Coach in Sarkasmus, der mit ansehen musste, dass die Lipperlandhalle gegen Ende der Partie kopf stand. Als Florian Kehrmann 90 Sekunden vor Schluss mit seinem fünften Treffer in Unterzahl zum 28:17 traf, erhoben sich die meisten der 4164 Zuschauer von ihren Plätzen und genossen den finalen Kempatrick durch Jens Bechtloff im Stehen. Die DVD mit dem höchsten Lemgoer Sieg seit elf Monaten sollte sich Roth wirklich in den Keller legen.

TBV Lemgo: Lichtlein, Galia; Ilyes (6), Preiß, Bechtloff (4), Glandorf (2), Schmetz (1), Kehrmann (5), Mocsai (3), Strobel (6/1), Svavasson (2), Geirsson, Kubes.

HSG Wetzlar: Krasavac, Nikolai Weber; Schmidt, Sebastian Weber, Smoler, Christophersen (7/1), Salzer (2), Valo, Allendorf (2/2), Jungwirth (1), Mraz (3), Chalkidis, Werum (3).

Im Stenogramm: SR: Dedens/Geckert (Magdeburg). - Zuschauer: 4164. - Zeitstrafen: 14:8 Minuten. - Siebenmeter: 1/4:3/7. Jörg Hagemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare