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"Rocky" geht still und leise

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Nach 40 aktiven Handballjahren beendet Torwart-Methusalem Michael Rocksien seine Karriere bei der MSG Linden. Der 52-Jährige hat in den Hallen viel erlebt.

Samstagabend, kurz vor 21.30 Uhr in der Sporthalle Lützellinden. Schlusspfiff im Landesliga-Spitzenspiel zwischen der MSG Linden und dem TV Breckenheim. Während die Gäste mit ihren zahlreichen mitgereisten Fans durch den 30:24-Sieg den Oberliga-Aufstieg feierten, verschwand ein Spieler still, leise und weitgehend unbemerkt in den Kabinen. Dabei hätte Michael Rocksien sicherlich auch mehr als nur Aufmerksamkeit verdient gehabt. Doch aufgrund der Rahmenbedingungen dieser Partie – die MSG hätte mit einem Sieg selbst noch in die Meisterschaftsentscheidung eingreifen und diese auf den allerletzten Spieltag vertagen können – war vonseiten der Verantwortlichen keine offizielle Verabschiedung in diesem Rahmen vorgesehen.

Der Körper spielt noch mit

Denn der Torwart-Methusalem hatte gerade – nach sieben Jahren im MSG-Dress – sein letztes Heimspiel absolviert und wird nach der Auswärtspartie beim TuS Holzheim am kommenden Wochenende seine lange und erfolgreiche Handballkarriere beenden. "Vom körperlichen würde es noch gehen. Das ist nicht das Problem", überrascht der 52-Jährige ein wenig: "Der Motivationsakku ist im roten Bereich. Es wäre unfair gegenüber meinen Mitspielern, wenn ich noch ein oder zwei Jahre dranhängen würde."

Verwundern muss diese Aussage nach über 40 aktiven Handballjahren keineswegs. "Ich habe mit sieben Jahren angefangen, aber nach der A-Jugend mal ein, zwei Jahre pausiert", blickt "Rocky" zurück auf die Anfänge beim TSV Grömnitz. Da war noch nicht abzusehen, dass sein Weg ihn durch die Handball-Bundesliga (VfL Bad Schwartau, TV Niederwürzbach und HSG Wetzlar) führen würde. Und sogar in den internationalen Handball, wo er mit Niederwürzbach im Europacup der Pokalsieger spielte und sogar 1995 den Euro-City-Cup gewann. Zudem stehen zwei deutsche Vizemeisterschaften auf seiner Visitenkarte.

Da der Zwei-Meter-Riese mittlerweile im Mittelhessischen verwurzelt ist, blieb er der Region nach dem Ende seiner Bundesliga-Karriere erhalten und landete nach Stationen beim TV Petterweil, den TSF Heuchelheim und der HSG Dilltal schließlich 2012 bei der MSG Linden und war ein nicht unwichtiger Faktor, dass sich die Spielgemeinschaft in den letzten Jahren fest in der Landesliga-Spitze etabliert hat. Doch Rocksien will nun "erst einmal Abstand vom Handball gewinnen. Ich will einfach in die Halle gehen. Ich hatte ja schließlich einige Vereine hier in der Gegend. Und dann wird man sehen, ob ich in irgendeiner Funktion noch einmal aktiv werde".

Die Handball-Gemeinde wird den sympathischen Familienvater vermissen. Die gegnerischen Angreifer dagegen werden aufatmen.

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