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Fest in Gießener Hand: Robin Amaize mit dem Meisterpokal und seiner Freundin Sarah Froese, deren Vater Ingo früher für den MTV 1846 Gießen in der Bundesliga spielte. (privat)

Robin Amaize

Robin Amaize: Der Deutsche Meister auf Heimatbesuch in Gießen

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Robin Amaize ist einfach nur glücklich. Der Gießener ist mit seinem Club FC Bayern München deutscher Basketball-Meister geworden. Wir haben ihn beim Heimatbesuch zum Interview getroffen.

Typisch für Robin Amaize. Nur ein paar Tage später, nachdem die offiziellen Feierlichkeiten in München zu Ende gegangen waren, steht er mit seinen Buddies aus Gießener Zeiten wie Alen Pjanic (Gießen 46ers) und Benedikt Turudic (Mitteldeutscher BC) in den Rivers Barracks und absolviert mit ihnen eine Wurf-Trainingseinheit. Die Stadt an der Lahn ist seine Heimat. Daraus macht der Guard bei seinem Familienbesuch keinen Hehl. Aber in München fühlt sich der 25-Jährige ebenfalls wohl. Beim großen FC Bayern München hat er noch Vertrag bis 2022. "Amaizing", wie er von vielen und seinen Mitspielern genannt wird, hat sich mit seiner Freundin Sarah (Tochter des ehemaligen MTV-Bundesliga-Basketballers Ingo Froese) in der bayerischen Metropole gut eingelebt und seine Rolle im Münchner Starensemble gefunden, wie er uns im Interview verrät.

Wie ist es, deutscher Meister zu sein?

Robin Amaize:Es ist ein geiles Gefühl. Einfach massige Glücksgefühle. Es passte auch, dass die strapaziöse Saison mit einem Happy End zu Ende gegangen ist.

Wie haben Sie die Festivitäten überstanden?

Amaize:Wir haben uns nach dem Meisterspiel in einer Bar getroffen, mit dem Office und allen, die was mit uns zu tun haben, und haben ein bisschen was getrunken. Und zwei Tage später kam es dann im Nockherberg zum Saisonabschluss mit den Fans. Wir haben einfach zusammen die Zeit genossen, bis jeder zu seiner Familie nach Hause geflogen oder gefahren ist.

Wie ist der Austausch mit den Fans?

Amaize:Die Nähe zu den Fans ist vorhanden, wir haben ein gutes Verhältnis. Sie sind freundlich und kommen auch auf einen zu.

Wie ist insgesamt die Atmosphäre in dem Weltclub. Immerhin sind Sie ein Teil davon. Gibt es da Kontakte auch zu den Fußballern von den Bayern?

Amaize:Die erkennen uns schon, aber wir sie eher als sie uns. Wenn man sich mal sieht, dann redet man auch mal kurz zusammen und erklärt, wie es gerade so läuft. Aber irgendwelche Aktionen zusammen, die gab es nicht. Wir hatten während der Saison auch überhaupt keine Zeit dazu, uns mal ein Fußballspiel anzuschauen.

Sind Sie fußballbegeistert?

Amaize:Ich mag Fußball. Ich spiele auch gerne auf der Konsole Fußball. Spezieller Fan bin ich, wenn überhaupt, von Eintracht Frankfurt.

Auf der Konsole können Sie sich doch eine eigene Mannschaft zusammenstellen. Spielt bei Ihnen der Gießener Sonny Kittel, der vom FC Ingolstadt zum HSV gewechselt ist?

Amaize(lacht): Nein, der ist nicht dabei. Ich verfolge aber seine Karriere. Ich bin gar nicht so befreundet mit ihm, obwohl er bei mir in der Gegend aufgewachsen ist. Aber er ist ja schon in jungen Jahren zur Eintracht nach Frankfurt gegangen.

Was war der Ausschlag dafür, dass Sie sich für den Wechsel von Bayreuth nach München entschieden haben?

Amaize:Ich bekam die Chance, beim besten Basketball-Club in Deutschland zu spielen. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. Im Training spiele ich gegen Spieler, die zu den besten in Deutschland gehören. Gegen sie muss ich mich stänig beweisen und kann auch immer noch viel von ihnen lernen. Zudem konnte ich Euroleague-Erfahrung sammeln. Es waren nicht so viele Spiele, aber ich habe gespielt - und das hat mir auf jeden Fall weitergeholfen.

Wenn Sie Ihre erste Saison bei den Bayern Revue passieren lassen, wie fällt Ihr Fazit aus?

Amaize:Für mich war es klar, dass der Start hart werden wird. Ich bin aber auch nicht dahingekommen und habe gesagt, ich spiele immer 15 Minuten (im Schnitt in der Bundesliga 10:11; Anm. d. R.). Ich musste mir alles erkämpfen - jede einzelne Minute. Das war am Anfang sehr schwer, es wurde aber immer besser. Und dann hat mich die Verletzung zurückgeworfen.

Sie meinen die Kniegeschichte am Ende der regulären Saison?

Amaize:Ein Teil vom Knorpel im rechten Knie war abgerissen. Das wurde herausgeholt. Zehn Wochen dauerte es, bis ich wieder fit war. Ich kehrte in der Playoff-Halbfinalserie gegen Vechta ins Team zurück. Da konnte ich auch nicht erwarten, dass ich gleich spiele. Aber unser Trainer Dejan Radonjic hat schon gesehen, dass ich fit und ready war, sonst hätte er mich nicht als zwölften Mann auf die Bank gesetzt.

Welche Rolle hatten Sie im Team?

Amaize:Reinkommen, sofort Energie bringen und den anderen Verschnaufspausen ermöglichen. Aber natürlich auch mitspielen.

Sie haben vermehrt auf den Guard-Positionen gespielt.

Amaize:In Bayreuth habe ich teilweise auf der Vier gespielt. Das war in München gar nicht gewünscht. Ich bin selten für die Drei reingekommen, meist habe ich die Guardposition zwei gespielt. Das hat es natürlich auch am Anfang so schwierig gemacht. Es war schon eine Umstellung. Da musste ich auch einiges an Gewicht verlieren. Auch das war eine Voraussetzung, sonst hätte ich einfach nicht gespielt.

Gab es für Sie in der Saison ein Spiel, was für Sie herausragend lief und eines, was man gar nicht braucht?

Amaize:In Oldenburg lief es überhaupt nicht bei mir. Nihad Dedovic hatte Probleme mit dem Rücken, sodass ich mehr Minuten bekam. Vier Fouls in sechs Minuten, vier Turnover noch dazu. Ich habe sehr schlecht verteidigt - ich weiß nicht, was da mit mir los war. Es war ein schlechter Tag - das habe ich auch zu spüren bekommen. Es war eine große Chance für mich, die ich aber nicht genutzt habe. Also habe ich im Training noch mehr Gas gegeben. Und dann lief es wieder besser. Wie in Mailand in der Euroleague. Dort habe ich zehn Minuten gespielt, zwei wichtige Steals geholt - und stand auch im letzten Viertel fast bis zum Ende auf dem Platz. Wir haben mit einem Punkt Unterschied gewonnen. Da hat alles gepasst.

Haben Sie Spezis im Team, mit denen Sie auch außerhalb des Feldes abhängen?

Amaize:Wir haben uns alle gut verstanden. Du hast mit den deutschen Spielern wegen der Sprache vielleicht einen intensiveren Austausch. Wir haben eine Gruppe, die gern das Kartenspiel Wizzard spielt In der sind Alex (King), Danilo (Barthel), Maodo (Lo), Petteri (Koponen), Derrick (Williams), Marvin (Ogunsipe) und ich.

Wie ist es, mit einem Superstar wie Williams in einem Team zu spielen?

Amaize:Derrick ist einfach eine coole Person, superfreundlich Wenn du ihn nicht kennen würdest, würdest du nie erraten, dass er in der NBA gespielt hat. Er hat nie gemeckert, er hat alles im Training mitgemacht. Er hat sich nie im Spiel beschwert, auch wenn er nicht genügend Würfe genommen hat.

Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihrem Trainer Dejan Radonjic bezeichnen?

Amaize:Er ist nicht der Mann, der vielen Worte. Aber er kann mit sehr wenigen Worten und mit seinen Blicken sehr viel sagen. Du weißt einfach, was er will und was wir anders hätten machen sollen. Er ist aber auf jeden Fall anders im Training als beim Spiel selbst. Im Training ist viel mehr Austausch vorhanden. Er ist ein guter Trainer - das hat er bewiesen.

Ist Ihnen eigentlich schon bewusst geworden, welchen beeindruckenden Weg Sie in den letzten Jahren von den Gießener Rivers aus gegangen sind?

Amaize:Das hätte ich mir damals auch nicht ausmalen können. Mit 19 Jahren hätte ich noch nicht einmal daran gedacht, dass ich Profi-Basketballer werde. Ich habe Filip (Piljanovic, Anm. d. R.) viel zu verdanken: Er hat mir immer gut zugeredet und geholfen. Der Club ist etwas Besonderes und vereinfacht vieles. Aber es ist alles auch anstrengender - vom Training hin bis zu den Euroleague-Reisen -, als wenn du nur Bundesliga spielst.

Haben Sie sich schon in München eingelebt?

Amaize:Ja. Wir sind super glücklich - auch mit der Wohnung. Wir wohnen sehr stadtnah und können überall zu Fuß hinlaufen. Ich fahre auch oft mit dem Fahrrad zum Training.

Was haben Sie für ein Ziel für die kommende Saison?

Amaize:Für mich ist das Wichtigste, dass ich verletzungsfrei bleibe. In den letzten Jahren habe ich immer irgendeine Verletzung gehabt, die mindestens sechs Wochen lang andauerte. Bleibe ich verletzungsfrei, dann brauche ich mir über alles andere keine Gedanken machen.

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