"Rob" Chubb und seine Eingewöhnungsprobleme

"Ich wäre fast gestorben! So ganz komme ich noch nicht mit den deutschen Vorfahrtsregeln klar." Hofft man natürlich ohnehin, dass alle Beteiligten eine Basketball-Saison ohne Schaden überstehen, am vergangenen Sonntag werden die Gießen 46ers besonders froh gewesen sein, dass Robert Chubb noch kein Opfer des berüchtigten mittelhessischen Straßenverkehrs geworden ist.

Nicht das erste Mal, dass der 2,08-Meter-Hüne ein Spiel entschieden hat: "Damals am College haben wir einmal die Saison bei einem Turnier auf Hawaii gegen Hawaii begonnen. Unser Pointguard dribbelte in die Zone, zog die Verteidiger auf sich, steckte den Ball dann zu mir durch und ich dunkte über ihren Center und den Powerforward", erinnert sich Chubb mit einem Grinsen zurück. Und auch heute Abend, wenn sein Team ab 20 Uhr in der Osthalle gegen Ehingen/Urspringschule spielt, hätte er nichts dagegen, wenn er die Begegnung für die 46ers entscheiden würde.

Im Sommer machte Chubb seinen Abschluss an der Auburn University im US-Bundesstaat Alabama. "Es ist traditionell eine Football-Universität, aber als ich kam, hatten sie gerade eine neue Halle eröffnet, um das etwas auszubalancieren", denkt er gerne an seine Zeit an seiner Alma Mater zurück, für die auch NBA-Legende Charles Barkley und der letztjährige 46ers-Akteur LaQuan Prowell auf Korbjagd gingen.

Auch andere Universitäten aus der starken Southeastern Conference hatten nach seiner Highschool-Zeit Interesse an ihm bekundet: South Carolina, Tennessee und Georgia, unter anderen, wollten den 22-Jährigen in ihrem Trikot sehen.

Doch Chubb ist ein Familienmensch, was schlussendlich den Ausschlag gab: "Meine Mutter hat sehr starke Rückenprobleme und der Campus von Auburn ist nur eine Autostunde von unserem Zuhause entfernt, so konnte ich oft nach Hause." Die Familie Chubb hat in Gießen bereits ihre Spuren hinterlassen: 2005/2006 spielte Adam für die 46ers, Roberts Cousin. Ebenfalls groß gewachsen und heute nach Zwischenstationen bei Bremerhaven, Quakenbrück, Spanien und Alba Berlin in Oldenburg unter Vertrag. "Leider haben wir nie wirklich miteinander trainieren können, da sein Teil der Familie aus Pennsylvania kommt, mein Teil aus Georgia. Dazu ist er schon etwas älter, hat Familie – da fällt es immer etwas schwerer, zu sagen ›Klar, komm vorbei, du kannst auf meiner Couch schlafen". Ich freue mich darum, ihn hier etwas öfter zu sehen und ihn auch vielleicht ein paarmal in Aktion zu erleben."

Adam war es auch, der ihm in Sommer riet, das Gießener Angebot anzunehmen: "Er sagte, es ist ein wirklich guter Ort, um seine Europakarriere zu starten." Trotzdem dauerte es einen Moment, bis die alten Chubb-Trikots neue Relevanz erhielten: "Ich hatte Kontakt mit Bremerhaven und einigen anderen BBL-Clubs, darum hatte ich Gießen schon abgesagt. Doch Bremerhaven verlangte immer wieder neue Videos, bei den 46ers wurde der Platz von Aaron Mitchell wieder frei, also sagte ich zu."

Die Umstellung von College- auf Profibasketball fiel ihm bis dato schwerer als gedacht: "Ich bin noch lange nicht da, wo ich sein möchte. Ich dachte, ich wäre dominanter. Am College habe ich zum Beispiel gegen Anthony Davis, der letztes Jahr an Nummer eins im NBA-Draft gezogen wurde, 14 Punkte und zehn Rebounds erzielt. Ich dachte, ›Naja, die Jungs hier werden nicht so gut sein wie diese Typen." Aber es ist anders, die Leute sind kleiner, technisch versierter, spielen klüger. Am College dagegen sind oftmals einfach athletische Monster unterwegs. Dazu hat man hier nur 24 Sekunden für einen Angriff statt 30, wie in der NCAA. Das klingt erst mal nicht viel, aber auf das Spiel gerechnet ist es eine ganze Menge."

Mit 5,1 Punkten und 3,6 Rebounds in 14:34 Minuten pro Spiel ist er noch weit von Dominanz entfernt, doch verbessert sich "Rob" von Einsatz zu Einsatz und zeigt immer wieder vielversprechende Anlagen, die deutlich machen, dass Trainer Denis Wucherer einen potenziellen Topcenter in seinem Kader hat.

Strohwitwer lernt kochen

Nicht nur auf dem Feld, auch abseits der Halle muss sich Chubb umstellen: "Ich lerne langsam kochen", lacht der Hüne nach dem Training in der Rivers-Halle. Dazu misst er sich mit seinen Teamkollegen an der Playstation: "Joshi Saibou ist der Beste bei den NBA-Spielen, Falko Theilig beim Fußball. Und wenn es an die Shooter wie ›Call of Duty" geht, ist es entweder Benni Lischka, Steven Bennett oder ich." Nach einer kurzen Pause lacht er: "Ist irgendwie ein bisschen traurig, dass ich das so genau weiß."

So ist es nun mal, das Leben des Strohwitwers im Ausland. Chubbs Freundin Kendra besucht derzeit noch die Universität in Huntsville, Alabama, spielt für die dortige Basketball-Mannschaft und lernt für ihr Medizinstudium. "Wir wussten, dass ich irgendwann diesen Sprung machen würde, und dass die Entfernung schwierig werden würde, also konnten wir uns darauf vorbereiten. Zuerst hatte sie überlegt, mich zu begleiten, aber nach einigen Gesprächen, auch mit ihren Eltern, hat sie beschlossen, in den USA zu bleiben", erzählt der Mann aus Peachtree, Georgia.

So muss er sich allein an Deutschland gewöhnen, was ihm gut gelingt. Nur eins schockiert ihn auch nach einigen Wochen in Hessen noch: "Die Leute hier tun Mayo auf ihre Pommes, das konnte ich am Anfang überhaupt nicht glauben", schüttelt Chubb verständnislos den Kopf. Doch wer es schafft, sich an die Vorfahrtsregeln zu gewöhnen, dürfte auch das überstehen. Martin Vogel

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