Dagur Sigurdsson gibt die Richtung vor. Am Wochenende wird sich bei den Testspielen gegen Island zeigen, wie schnell die deutsche Handball-Nationalmannschaft die Forderungen des Trainers umsetzen kann. (Foto: dpa)
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Dagur Sigurdsson gibt die Richtung vor. Am Wochenende wird sich bei den Testspielen gegen Island zeigen, wie schnell die deutsche Handball-Nationalmannschaft die Forderungen des Trainers umsetzen kann. (Foto: dpa)

Richtung finden und Kurs halten

Das 37:30 gegen Tunesien schürt die Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden der DHB-Auswahl bei der EM in Polen. Dazu trug auch Wetzlars Steffen Fäth bei. Bis zum Start am 15. Januar muss aber noch einiges besser werden. Die Testspiele gegen Island am Wochenende werden zeigen, wie schnell das Team lernt.

Es wäre blauäugig, das erste Testspiel vor der EM in Polen überzubewerten. Sowohl was die positiven Aspekte des Spiels betrifft als auch die negativen. Schließlich ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft erst ein paar Tage zusammen, von verletzungsbedingten Ausfällen gebeutelt. Dennoch lassen sich nach dem unterhaltsamen 37:30-Sieg gegen Tunesien Tendenzen erkennen. Einige davon sollten behoben, andere noch verstärkt werden. Denn schon am Samstag in Kassel (15 Uhr) und Sonntag in Hannover (15 Uhr) stehen die nächste beiden Prüfungen gegen Island an. "Wir müssen in jedem Bereich eine Schippe drauflegen", fordert Nationalcoach Dagur Sigurdsson. Was schon gut war und was besser werden muss:

Wurfkraft aus dem Rückraum: 23 von 37 Toren gegen Tunesien hat die Rückraum-Reihe des DHB erzielt. Davon entfielen alleine 14 auf die beiden Kanoniere Christian Dissinger (8) und Wetzlars Steffen Fäth (6). Fünf Treffer steuerte Kapitän Steffen Weinhold bei, vier sein Backup Fabian Wiede. Alle Mann bestätigten ihre überragende Form aus der Liga und machen Hoffnung, dass es auch in Polen aus der zweiten Reihe krachen wird. Klar ist aber auch: Mit Wurfkraft allein wird es bei der EM nicht gehen, denn die Topteams werden Lösungen gegen die deutschen Shooter finden – genau wie Island am Wochenende. Spielerische Mittel sind gefragt.

Die Mittelposition: Gegen Tunesien spielte Fäth über weite Strecken auf der Mitte, weil Niclas Pieczkowski und Martin Strobel auf Linksaußen getestet wurden. Das hat er sporadisch auch schon im Verein gemacht. Er löste seine Aufgabe bravourös, auch wenn er eher den zweiten Halblinken gab, denn den klassischen Spielmacher. Der 25-Jährige brachte in Kooperation mit Dissinger und Weinhold entweder sich oder die Kollegen in gute Wurfpositionen. Fäth ist auf jeden Fall eine Option. In puncto Übersicht und Zusammenspiel Mitte/Kreis sind aber vor allem die Qualitäten vom möglichen Neu-Wetzlarer Strobel gefragt. Er sollte zumindest in einem Match am Wochenende die Verantwortung übernehmen dürfen.

Die Torhüter: Wetzlars Andreas Wolff und Carsten Lichtlein vom VfL Gummersbach erwischten beide einen schwachen Tag und konnten sich kaum auszeichnen. Beide müssen und werden sich steigern. Nachdem Routinier Lichtlein schon nach gut sieben Minuten ohne Parade dem Youngster weichen musste, schaffte es auch Wolff bis zum Seitenwechsel kaum, zu überzeugen. Allerdings wurden beide auch mehrfach von ihren Vorderleuten im Stich gelassen. Erst gegen Ende der Partie konnte Lichtlein ein paar Bälle abwehren. Seine emotionalen Reaktionen darauf zeigten, wie er selbst seine Leistung einzuordnen wusste.

Die Abwehr: Die Größe ist da. Gegen Tunesien fehlte den langen Hünen Hendrik Pekeler, Erik Schmidt und Finn Lemke im Mittelblock aber die nötige Spritzigkeit und Aggressivität. 18 Gegentore zur Halbzeit sind eindeutig zu viel, aber die logische Konsequenz, wenn die Gegner unbedrängt von acht Metern werfen können. Hier hat die DHB-Auswahl am meisten zu korrigieren.

Linksaußen: Strobel, Pieczkowski, Jannik Kohlbacher. Sie alle bekamen Spielanteile für den einzig verbliebenen und derzeit angeschlagenen Flügelflitzer Rune Dahmke. Keiner konnte auf der Problemposition Akzente setzen, das Gegenstoßspiel über links war nicht existent. Erfreulich aber die Übergänge von Wetzlars Kohlbacher, der in seiner knapp bemessenen Einsatzzeit immerhin einen Siebenmeter herausholen konnte und die Gegner mit seinem Körper beschäftigte.

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