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DREI SPIELE - DREI SIEGE: Lokalmatador HSG Wetzlar hat das Bundesliga-Turnier beim 30. Linden Cup ohne Verlustpunkt gewonnen. Am Samstag siegte das Team der Grün-Weißen im umkämpften Derby gegen den Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg am Ende noch klar mit 28:21. Wetzlars Neu-Kreisläufer Felix Danner (17) hat sich gegen die Hüttenberger Ian Weber und Moritz Zörb behauptet und kommt gegen TVH-Keeper Dominik Plaue (12) zum Wurf.

Handball

Richtig Zug im Rückzug

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Handball-Bundesligist HSG Wetzlar präsentiert sich in ordentlicher Frühform. Zweitligist TV Hüttenberg gefällt mit Passhärte und -geschwindigkeit. Der 30. Linden Cup hat viele Aufschlüsse gegeben.

Sechs ereignis- und aufschlussreiche Turniertage hat der 30. Sparkassen-Linden Cup geliefert. Die HSG Wetzlar ist trotz zahlreicher personeller Handicaps zu diesem Vorbereitungszeitpunkt ungewöhnlich stabil aufgetreten und hat sich am Samstag mit einem 28:21 (13:11)-Erfolg im lange von Emotionen und Kampfgeist begleiteten Derby gegen einen spielstarken TV 05/07 Hüttenberg verlustpunktfrei den Sieg im Bundesliga-Turnier gesichert. Handball-Oberligist HSG Pohlheim deutete nicht nur beim abschließenden Samstag-26:20 über Ligakontrahent HSG Kleenheim-Langgöns und dem damit verbundenen Gewinn des Regional-Turniers an, dass die gehegten Drittliga-Ambitionen gute Gründe haben

Konzept geht auf

Das Turnierfazit von Gastgeber HSG Linden fiel rundum positiv auf. »Unser Konzept ist aufgegangen«, freute sich der am Freitag 83 Jahre alt gewordene Organisator Ulrich Lepper zum einen »über die Rückkehr des Handballs in die Halle« und zum anderen darüber, »dass wir mit unseren 200 zugelassenen Zuschauern von Beginn an kein größeres Risiko eingehen wollten«. Dass in der Spitze bis zu 3000 Handball-Interessierte die Turnier-Partien im Youtube-Livestream verfolgten, entschädigte auf der einen Seite für die gegenüber früheren Auflagen geringe Zuschauerkapazität, auf der anderen Seite war diese Resonanz ein deutliches Zeichen an die Sponsoren, die die Durchführung des Linden Cup wirtschaftlich abgesichert haben.

Das erwartet intensive Derby

Das Mittelhessen-Derby zwischen der HSG Wetzlar und dem TV 05/07 Hüttenberg war das Tüpfelchen auf dem i der Turnierwoche. Das 28:21 (13:11) der Grün-Weißen war am Ende ergebnismäßig deutlicher als der Spielverlauf es ausdrückte, hatten die Hüttenberger doch bis zum 17:18 eine Dreiviertelstunde lang ordentlich Paroli geboten. Die 60 Minuten waren intensiv, kampfbetont und emotional, was beiden Trainern gefallen haben dürfte, schließlich wurden etliche Stresssituationen erzeugt, deren Bewältigung hüben wie drüben bedeutsame Erkenntnisse lieferten.

HSG-Coach Benjamin Matschke ließ über weite Strecken 5:1 mit dem körperlich starken Emil Mellegard auf der vorgezogenen Position decken, änderte wiederholt die Zusammensetzung seines Innenblockes Danner/Rubin oder Danner/Nyfjäll und brachte als deutlich erkennbare Maßnahme ordentlich Zug in den Rückzug. Grund: Die Analyse der Vorsaison hat ergeben, dass die Wetzlarer 28 Prozent aller Gegentreffer über die erste und zweite Welle kassiert hatten. Was am Wochenende zuvor beim Altensteig-Cup bereits ersichtlich geworden war, präzisierte sich also gegen den Premierensieger des Linden Cups von 1992. Stefan Cavor, Lenny Rubin und Co. nahmen beim Umschaltverhalten nach hinten die Beine unter die Arme, formierten sich schneller und unterbanden mit neuer Dynamik weitgehend Hüttenberger Gegenstoßtreffer.

Obwohl Spielmacher Magnus Fredriksen erst vor kurzem wieder zum Team gestoßen ist, Philip Henningsson sich überraschend verabschiedet hat, Olle Forsell-Schefvert nach seiner Operation nur temporär und Alexander Feld noch gar nicht einsetzbar ist und sich für Trainer Benjamin Matschke dadurch diverse Baustellen gleichzeitig ergeben, ließ sich die HSG Wetzlar nicht beirren. In den Momenten, als es zuzulegen galt, wurde aus dem Mappes-15:16 (38.) das Weissgerber-18:16 (43.). In dem Moment, als der Sack zugemacht werden musste, nutzten Lenny Rubin und Stefan Cavor ihre Wurf-Vorteile auf den Halbpositionen mit fünf Treffern in der Schlussviertelstunde.

»Ein paar Mal hat mir die Geduld gefehlt«, schränkte Matschke zwar ein und erinnerte daran, dass es ihm wichtig war »den Ball laufen zu lassen« und er »die Variabilität, die der Kader hergibt, auch sehen« möchte. Bedenkt man, dass er vor der Herkulesaufgabe steht, nach dem Abgang von Anton Lindskog den Innenblock komplett neu zu formieren, waren das beim Linden Cup drei beherzte und eindrucksvolle Wetzlarer Auftritte.

Und der TV 05/07 Hüttenberg? Das Team um Spielmacher-Rückkehrer Dominik Mappes, Handball-»Einstein« Ian Weber und den versierten Kreisläufer Vit Reichl beeindruckte mit enormer Passhärte und -geschwindigkeit, mit der die Wetzlarer Abwehr in Bewegung gebracht wurde. Trainer Johannes Wohlrab zog ab der 20. Minute zudem den siebten Feldspieler als taktische Variante unter Einbeziehung von Moritz Zörb als zweitem Kreisläufer.

Über das 13:13 (Rompf, 33.) hielt man das Geschehen somit offen. Eine Verletzung von Hendrik Schreiber, die diesen im zweiten Abschnitt zum Zuschauen verurteilte, die enorm kräftezehrende Eins-gegen-eins-Spielweise ohne gelernten Halbschützen sowie die kurze Bank ließen in der Endphase ergebnismäßig den Kontakt aber abreißen. Spieltechnisch und -taktisch konnten die Blau-Roten aber Akzente setzen, zumal die HSG Wetzlar nur wenig Tempogegenstöße zuließ.

Starkes Team mit individueller Klasse

Das abschließende Oberliga-Duell zwischen der HSG Pohlheim und der HSG Kleenheim-Langgöns, welches den Turnier-Samstag eröffnete, war zugleich das Endspiel um den Sieg in der Regionalgruppe. Auch wenn Kleenheims Trainer Matthias Wendlandt immer wieder neue taktische Kniffe ins Spiel brachte und Fabian Höpfner mit seinem Siebenmeter zum 20:22 in der 50. Minute noch einmal etwas Spannung aufkommen ließ, gab es am sicheren und verdienten 26:20 (13:9)-Sieg der Pohlheimer kaum Zweifel.

Zwei Monate vor dem Saisonstart bewegte sich die Auseinandersetzung bereits auf ansehnlichem Niveau. Nach gut einer Viertelstunde (6:6) übernahmen die Pohlheimer die Regie, führte in der Folge ständig (13:9, 30./19:15, 40.) und machten nach dem erwähnten 22:20 (50.) mit einem 4:0-Endspurt zum 26:20 alles klar. Echt ansehnlicher Handball, der die Vorfreude auf die neue Spielzeit weckt.

Pohlheims Trainer Jens Dapper gab sich hinsichtlich der Saisonerwartungen zwar zurückhaltend, die erstligaerfahrenen Stefan Lex, Moritz Lambrecht und Andreas Lex bestätigten aber erstens ihre individuelle Klasse und zweitens die gesamte Mannschaft an allen Turniertagen ihr positionelles Potenzial mit weiteren gestandenen und talentierten Spielern von Torben Weinandt über Florian Niclas bis Leon Friedl. Und gegen den Kleenheimer Oberligarivalen fehlten sogar noch Leistungsträger wie Jan Wüst und Maximilian Rühl.

Melsungen ins kalte Wasser

Mit der MT Melsungen und dem Bergischen HC hatte Gastgeber HSG Linden das Bundesliga-Turnier hochkarätig ausgestattet. Während die Melsunger aber erst seit der letzten Woche mit dem kompletten Kader trainiert haben, absolvierten z. B. die Wetzlarer sogar schon fünf Vorbereitungsspiele, weshalb das Abschneiden der Nordhessen - gerade wegen der späten Rückkehr der Olympiafahrer - nach 53 Tagen (!) Spielpause entsprechend einzuordnen war. Der vielversprechende portugiesische Neuzugang Andre Gomes kam in den letzten beiden Partie verletzungsbedingt gar nicht zum Einsatz.

Auch der Bergische HC musste beim 25:27 gegen den TV 05/07 Hüttenberg noch auf den einen oder anderen Leistungsträger verzichten. Mit Max Darj und Jeffrey Boomhouwer glückte am Samstag zum Abschluss das 30:27 gegen MT Melsungen.

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